"Viele überschätzen sich"

Ungetrübter Badespaß am Steinberger See. Am Wochenende gab es allerdings in der Oberpfalz nicht nur viel Hitze, sondern auch Todesfälle an Badeweihern und anderen Gewässern. Bild: Götz

40,3 Grad wurden am Sonntag im unterfränkischen Kitzingen gemessen. Der Hitzerekord in Deutschland. Doch in Bayern gab es am Wochenende auch einen traurigen Höchststand: Sieben Tote und ein Vermisster bei Badeunfällen.

Allein die Oberpfalz verzeichnete zwei tödliche Unfälle: Ein 41-jähriger Mann starb in einem Weiher in Hütten, Gemeinde Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN). Am Sonntag ging er in der Mittagszeit ins Wasser, wenig später wurde er als vermisst gemeldet. Taucher der Wasserwacht bargen seinen leblosen Körper, Wiederbelebungsversuche scheiterten, die Todesursache ist bislang unbekannt. Am gleichen Tag starb ein 18-Jähriger im Hemauer Waldbad (Kreis Regensburg). Taucher fanden seine Leiche im Wasser unweit des Sprungturms. Ebenfalls im Landkreis Regensburg wird seit Sonntagmittag ein 40-Jähriger vermisst. Er schwamm im Roither See dem Plastikspielzeug seiner beiden Kinder hinterher und verschwand.

Traurige Statistik

In Oberbayern ertranken am Sonntag drei Menschen bei sengender Hitze: ein 24-Jähriger in der Isar, eine 20 Jahre alte Frau in einem See bei München, ein 76 Jahre alter Mann im Fluss Amper im Landkreis Fürstenfeldbruck. In Franken ging ein 30-Jähriger kurz nach einem Sprung in die Pegnitz unter, ein vierjähriger Junge ertrank in einem Baggersee bei Forchheim. Eine traurige Statistik, die nach Erklärungen verlangt. Fünf der sieben Badetoten waren zwischen 18 und 41 Jahren alt - über körperliche Beschwerden ist nichts bekannt. In keinem der Fälle gab es Hinweise auf Fremdeinwirkung. Die genaue Todesursachen zu klären, ist Aufgabe von Polizei und Gerichtsmedizin.

Vorsicht beim Baden

Das Deutsche Rote Kreuz warnt unterdessen vorm Sprung ins kalte Wasser bei hohen Temperaturen: Durch starke Hitze ist die Hirnhaut gereizt, der Körper hat durchs Schwitzen Wasser- und Salzmangel. Bei manchen Schwimmern sind da Sonnenstich oder Hitzschlag nicht weit entfernt. Viele flüchten sich dann ins kühle Nass - hier droht Lebensgefahr. Die plötzliche Abkühlung kann zu Bewusstlosigkeit, Kreislaufstörung bis hin zu Kreislaufkollaps führen.

Peter Sirtl von der Kreiswasserwacht Weiden und Neustadt/WN war Einsatzleiter an dem Tag, an dem der 41-jährige Familienvater aus dem Hüttener Segelweiher geborgen wurde. Über die Todesursache kann er nichts sagen. Aber auch er bestätigt: "Das A und O beim Baden ist, immer vorher Arme und Beine langsam abzukühlen", erklärt er. Auch rät der Wasserwachtler unerfahrenen Schwimmern zu bewachten Badeorten wie Freibädern oder Weihern mit getrennten Nichtschwimmerbereichen. Im Hockermühlbad in Amberg gab es am Wochenende keine großen Vorfälle, berichtet der dortige Bademeister Benjamin Wood. Auch er rät zu mehr Verantwortung beim Baden bei Mittagshitze: "Viele überschätzen sich."
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