Zigaretten als "Belohnung"

Mit Sakko und Krawatte erschien der 56-Jährige vor Gericht. Bild: Huber

Der illegale Partykeller war 30 Jahre lang geöffnet. In Pfreimd wusste man um die Existenz dieses Treffs. Doch keinen kümmerte offenbar, was dort geschah. Erst im Sommer 2014 wurde der Betreiber verhaftet. Jetzt sitzt der 56-Jährige vor dem Landgericht Amberg und räumt weitgehend ein, dass er sich immer wieder an Kindern und Jugendlichen sexuell verging.

Der Mann im senffarbenen Sakko stellte der Ersten Strafkammer ein Geständnis in Aussicht, wollte aber ("Ich schäme mich") die Zuhörer ausgeschlossen haben. Doch da machten die Richter nicht mit.

Das öffentliche Interesse überwiege hier, erfuhr der 56-Jährige. So blieben die Türen offen, musste der aus Untersuchungshaft vorgeführte Handwerker seine Angaben vor Publikum machen. Er tat es dennoch detailliert und mit dem erkennbaren Bemühen, seinen Opfern eine Vernehmung zu ersparen.

Besucher wechseln

Wie viele Fälle von sexuellen Übergriffen gab es wohl seit dem Jahr 1984? Damals öffnete der private Partykeller in Pfreimd (Kreis Schwandorf), in dem Zigaretten und Bier auch für solche zur Verfügung standen, die andernorts wegen ihres Alters schon am Eingang abgewiesen worden wären. Die Besucher waren zwischen 12 und 20 Jahre alt, vorrangig männlich. Sie wechselten in ihrer Zusammensetzung immer wieder. Nur der Hausbesitzer und gleichzeitig Treff-Betreiber blieb. "Sie wurden älter und älter, das stand doch irgendwann in keinem Verhältnis mehr zu den Gästen", wunderte sich die Gerichtsvorsitzende Roswitha Stöber. Eine plausible Erklärung bekam sie nicht. "Es war halt mein Hobby."

Den Grund für die dauerhafte Existenz dieser von Behörden nie aufgesuchten Kneipe konnte man sich denken. Denn neben Alkohol, Zigaretten und einem vorhandenen Spielautomaten gab es sexuelle Übergriffe des Mannes, der von sich am ersten Prozesstag sagte, er sei in Pfreimd "so bekannt wie der Pfarrer gewesen". Er griff sich Buben und heranwachsende junge Männer, missbrauchte sie auf übelste Weise. Zum "Lohn" wurden mitunter Glimmstängel, ab und an auch 20 Euro spendiert.

Kinderpornos gesammelt

"Das war so", räumte der 56-Jährige ein, als die Vorsitzende alle von der Staatsanwaltschaft angeklagten Fälle mit ihm besprach. 13 einzelne Punkte umfasst die Anschuldigungsschrift, nahezu 20 einzelne Vorkommnisse sind aufgelistet worden. Hinzu kommt, dass die im August 2014 von der besorgten Mutter eines 13-Jährigen verständigten Behörden ein aus mehreren Tausend Dateien und Bildern bestehendes Arsenal an Kinderpornografie beschlagnahmten. Auch dessen Existenz gab der Beschuldigte zu. "Ich habe das gesammelt", ließ er wissen.

Zur Debatte stehen jetzt nur Vorgänge, die sich nach dem Jahr 2000 zutrugen. Nur einen von ihnen bestreitet der 56-Jährige. Deutlich wurde, dass er sich seine Opfer ins Schlafzimmer holte, im Partykeller seinen pädophilen Neigungen nachging und auch die Terrasse als Tatort herhalten musste. Schweigen war wohl vereinbart. Jeder hielt sich daran. Bis auf einen 13-Jährigen. Er wurde, wie sich verdeutlichte, nach der Festnahme des Sexualtäters von anderen Dauergästen des dann geschlossenen Treffs mit Schmähnachrichten bedacht. Kamen auch Mädchen? "Gelegentlich", vernahm man am Rande des Verfahrens. Der Prozess wird heute fortgesetzt.
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