Zu wenige "Respektspersonen"

Der BLLV ist in Sorge: An den Oberpfälzer Grund- und Mittelschulen unterrichten fast nur noch Frauen. Der Lehrerberuf ist für männliche Abiturienten offenbar uninteressant. Auch für die Schüler sei das schlecht, klagt der Lehrerverband.

Vorne an der Tafel steht kein Mann, sondern eine Frau: Das ist das übliche Bild für Grund- und Mittelschüler. Auch in der Oberpfalz wird der Lehrerberuf immer weiblicher. Gerade Buben fehlt oft ein männliches Vorbild im Klassenzimmer. "Für viele männliche Abiturienten scheint der Lehrerberuf an der Grund- und Mittelschule an Attraktivität verloren zu haben", bedauert Albert Schindlbeck, stellvertretender Bezirksvorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Er hat sich die Zahlen für die Oberpfalz genau angeschaut: Waren im Schuljahr 1992/93 im Volksschulbereich noch 2013 von 4408 Lehrerstellen von Männern besetzt, sind es heute nur noch 902 männliche Lehrkräfte bei 3632 Planstellen. Der Frauenanteil liegt damit bei über 75 Prozent.

Auch in anderen Schularten

Dass sich diese Entwicklung weiter verstärken wird, zeigt ein Blick auf die Oberpfälzer Lehramtsanwärter in den Grund- und Mittelschulseminaren: Von 157 Anwärtern in diesem Schuljahr sind nur 23 Männer, das entspricht 15 Prozent. Schindlbeck betont, dass das kein Oberpfälzer Phänomen ist: Von den 3857 Lehrkräften an den bayerischen Grund- und Mittelschulen bis zum 30. Lebensjahr seien nur 426 Männer (11 Prozent). Und auch vor Realschulen und Gymnasien mache die Entwicklung gerade in sprachlichen Fächern nicht Halt.

Dabei würde es besonders vielen Buben gut tun, wenn sie nach der Mutter zu Hause und der Erzieherin im Kindergarten in der Schule einen Mann als "Respektsperson" erleben, glaubt Schindlbeck, der selbst 30 Jahre als Lehrer gearbeitet hat und unter anderem Konrektor an der Grund- und Mittelschule Freudenberg (Kreis Amberg-Sulzbach) war. Bei Scheidungskindern falle heute ohnehin oft schon die Vaterrolle weg. Für Schindlbeck ist klar: Kinder sollten im Klassenzimmer am besten beides erleben, die Lehrerin und den Lehrer.

Warum wollen junge Männer nicht mehr als Grund- und Mittelschullehrer arbeiten? "Der Sozialstatus ist nicht so hoch wie beim Elektroingenieur", vermutet Schindlbeck. Und auch wenn die A12-Besoldung und die Sicherheiten als Beamter nicht zu verachten seien, locke die freie Wirtschaft mit höheren Verdienstmöglichkeiten. Schindlbeck weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass mittlerweile bei einer guten Benotung durch den Schulrat ein Aufstieg in eine höhere Besoldungsgruppe möglich ist.

Fundament fürs Leben

Vor allem aber appelliert er an die Gesellschaft, die Arbeit in den unteren Jahrgangsstufen stärker wertzuschätzen. "Hier wird das Fundament für das ganze Leben gelegt." Gerade junge Männer, die bereits in Vereinen Jugendarbeit kennengelernt haben, könnten an Grundschulen eine erfüllende Tätigkeit finden, meint Schindlbeck. So wie technische Betriebe "Girls Days" für Mädchen anbieten, könnte er sich auch Orientierungspraktika für junge männliche Abiturienten an Grundschulen vorstellen.
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