100 Jahre Bergsteigergilde Gipfelstürmer
Aus Dreistigkeit wird Tradition

D' Gipfelstürmer feierten 100-jähriges Bestehen und ehrten Mitglieder (von links): stellvertretender Vorsitzender Karl Gröschl, Landtagsabgeordneter Harald Schwartz, Joseph Barth (32 Jahre Schatzmeister), OB Michael Cerny, Marianne Barth (40 Jahre Mitglied), Kornelia Rühl (15), Vereinsvorsitzender Dieter Amann, Hubert Donhauser (40), MdL Reinhold Strobl, Hans Schöner (40), Dekan Markus Brunner und Schriftführer Peter Hammer. Bild: adc

Das spießbürgerliche Amberg im Jahre 1916 war entsetzt: Ein paar junge Burschen besaßen tatsächlich die Dreistigkeit, einen Bergsteigerverein zu gründen, in dem die Mitglieder eine Kluft trugen, bei der die Knie zu sehen waren.

Amberg. (adc) 100 Jahre später, am vergangenen Samstag, schmunzelten alle Mitglieder der Bergsteigergilde D'Gipfelstürmer über diese Anekdote aus der Vereinschronik. Der Altersdurchschnitt liegt bei ihnen mittlerweile bei 69 Jahren. Ihr Verein hat jetzt die 100 Jahre voll gemacht.

Hymne jetzt auf CD


"Was müssen die Gründer für einen großen Natur- und Freiheitsgedanken gehabt haben", sagte Vorsitzender Dieter Amann beim Jubiläum, "dass sie während des Ersten Weltkriegs die Bergsteigergilde gegründet haben." Genau diese Gedanken stecken auch im Gipfelstürmer-Lied, der Vereinshymne. Heute weiß aber niemand mehr, wer das Lied damals komponiert hat. Jetzt ist es für alle Zeiten festgehalten: Zum 100-Jährigen gab es das Lied als Überraschung für die Mitglieder auf CD. "Mit der CD müssen wir uns auch nicht mehr vor dem Singen immer Gedanken machen", scherzte Dieter Amann, "wer denn überhaupt musikalisch genug ist, das Lied anzustimmen."

Sorge um die Jugend


Oberbürgermeister Michael Cerny gab beim Festabend im Restaurant Zur alten Kaserne zu verstehen, dass ihm heutzutage Vereine wie D'Gipfelstürmer fehlen: "Es wird immer schwieriger, junge Menschen hinaus in die Natur zu bewegen. Die einzige Hoffnung ist mittlerweile noch dieses Spiel Pokémon Go."

Dabei haben die Gipfelstürmer nur dadurch, dass sie hinaus in die Natur gegangen sind, Geschichte in der Region geschrieben: So gilt Martin Götz als Entdecker des Sommerskisports auf dem Monte Kaolino. 1920 hatte er den Sandberg als erster Mensch auf Skiern befahren - zu einer Zeit, in der der Skisport in der Oberpfalz noch vollkommen unbekannt war.

"Das ist schon eine Leistung, ich traue mich da bis heute nicht rauf", witzelte Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl, der zu den Ehrengästen des Festabends gehörte. Viele Mitglieder sind schon fast ihr ganzes Leben dabei. Mit Urkunden und kleinen Geschenken ehrte Vorsitzender Dieter Amann unter anderem Marianne Barth und Hubert Donhauser, die schon seit über 40 Jahren Mitglieder sind. Beim Nachwuchs allerdings könnte es besser laufen.

Ruhiger angehen lassen


"Wir Älteren besteigen heute auch keine 2000er mehr und auch keine 1000er", sagte Chronist Ferdinand Schlagenhaufer, "uns reichen die 600 Meter am Fausner Berg in Ammertal." Dort steht jene Hütte, auf die die Vereinsmitglieder noch bis heute zu gemeinsamen Feiern steigen. Zum Jubiläumsprogramm gehörten die traditionelle Waidlermesse, ein gemeinsames Abendessen und Tanzmusik vom Duo Bogner.

Es wird immer schwieriger, junge Menschen hinaus in die Natur zu bewegen. Die einzige Hoffnung ist mittlerweile noch dieses Spiel Pokémon Go.Oberbürgermeister Michael Cerny
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