30 Jahre Musikerstammtisch
„Alligator“ im „Hotel California“

Ihr 20-Jähriges hatten die Musiker in einem Industriegebiet gefeiert. Dieses Mal war die Wahl auf das Gasthaus Neumühle gefallen. Platz zum Tanzen war auch dort vorhanden - und Gäste, die ihn gerne nutzten.
 
Wenn der Musikerstammtisch feiert, dürfen sie nicht fehlen: die Stammgäste Hula-Hoop. Bilder: Petra Hartl (3)

Sie schwelgten in Erinnerungen. Über 100 Leute auf der Bühne, geschätzte 1500 an zwei Tagen im Saal und draußen im Freibereich des Gasthauses Neumühle. Der Musikerstammtisch blickte auf sein 30-jähriges Bestehen zurück und viele feierten mit.

Von Wolfgang Houschka

Amberg. Am späten Sonntagabend entrang sich der Brust des Organisators Herbert Olbrich ein Stoßseufzer: "Geschafft!" Seit Monaten hatten er und sein Mitarbeiterstab dieses Fest des Rock'n'Roll und des Schlagers vorbereitet. Sitzungen, Dauerstress und Hunderte von Telefonaten, bis das Programm endlich druckreif war.

Fast 20 Auftritte


Mit nahezu 20 Bands und Einzelinterpreten. Die jüngsten gerade zwölf Jahre alt, die ältesten längst über der Siebziger-Schwelle. Wie etwa Günter Kälberer, der mit seiner Gruppe Hula-Hoop den "Seemann" aus der Versenkung holte und Minas "Heißer Sand" ein Wiederhören verschaffte. Drinnen auf der Bühne des Saals wechselten sich die Bands zwei Tage lang ab, draußen stand ein Zelt, in dem per Videokamera die Darbietungen auf eine Großleinwand übertragen wurden. Hier wie dort formierte sich eine stattliche Stammtisch-Gemeinde, die sich gerne daran erinnerte, wie es damals war: Rock und Blues, Countrysongs, uralte Schlager-Gassenhauer und ein Feeling, das die meisten Gäste schon in den 60er-Jahren vereinte, als noch die Rigoletts spielten und Leute wie Otmar Stüber bei den Jet Strings die tollsten Töne aus ihren Gitarren holten.

Schlager trifft Rock


Da gab es dann einen, der John Fogertys "Suzie Q" fast schon wie im Original ins Mikrofon röhrte. Da war auch eine Sängerin, die den deutschen Schlager perfekt interpretierte. Die professionell gute Band Loco-Motion samt einem famosen Frontmann trat an die Rampe und Trockeneisnebel waberten durch den Saal des Wirtshauses. "Get ready" - und alles tobte. Zuvor schon war Begeisterung ausgebrochen, als die Formation Eastwind ganz zum Schluss ihrer Bühnenshow Bill Haleys "See you later Alligator" zum Besten gab.

Auch die Stammtisch-Musiker traten auf. Bunt zusammengewürfelt, aber so erfahren, dass auch nach all den Jahren bei "Hang on Sloopy" und "Cocaine" gerockt werden konnte wie in alten Tagen. Zwischen ihnen Herbert Olbrich im Dauereinsatz. Als Backgroundsänger und Moderator, Beschaffer für so manches notwendige Anlagenteil und Überwacher der Auftrittszeiten. Er schilderte dem Publikum die Geschichte des Musikerstammtischs und er hob hervor, dass sich das Prinzip einer sogenannten "Open Stage" für jeden, der gerade Lust hat, auf die Bühne zu gehen, immer bewährt habe. Daran knüpfte Oberbürgermeister Michael Cerny in einem Grußwort an. Dabei entwickelte er den Gedanken, ob man die Vielfalt regionaler Bands nicht auch einmal im ACC präsentieren könnte.

Stargast aus Casting-Show


Der Höhepunkt kam, eher zufällig, am Sonntagabend in der Person des farbigen Sängers Ashante "Dolo" Lee. Der ehemalige "Voice of Germany"-Kandidat aus den USA trat, begleitet von Stammtisch-Musikern, ans Mikrofon und machte Nummern, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Erst eine völlig ungewohnte Fassung des Eagles-Hits "Hotel California", dann Fogertys "Bad Moon Rising". Eine Rock-Röhre, wie es sie weit und breit nicht gibt und ein grandioses Stück Professionalität, das dem Fest die Krone aufsetzte.

Zwei Stunden vor Mitternacht war am Sonntag die Ruhe in Neumühle wieder hergestellt. Die Stammtisch-Musiker blickten in ihre Kasse und bilanzierten: "Irgendwie wird das alles schon aufgehen." Eintrittsgeld hatten sie nicht verlangt. Doch per Sammlungen mit dem Hut und einer reich bestückten Tombola lassen sich nun die Unkosten wohl decken. Und wenn nicht: Es gibt auch im nächsten Monat wieder ein Treffen, bei dem um Spenden gebeten werden kann.
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