6. Lachnacht im ACC
"Idiotisierung des Abendlands"

Dass auch Männer in die Wechseljahre kommen können, das wissen die Wellküren. Mittlerweile selbst in Würde ergraut, ließen sie teilweise kein gutes Haar am aus ihrer Sicht vermeintlich starken Geschlecht. Vor allem dann nicht, wenn es sich um bestimmte Politiker handelt. Bilder: Hartl (2)
 
Das Fernsehpublikum kennt Winfried Frey aus Serien wie "Die Rosenheim-Cops" und "Hubert & Staller". Zur Lachnacht war der 47-Jährige als Kabarettist gekommen.

Da sage noch mal jemand, die Oberpfälzer hätten keinen Humor. Ein ausverkauftes Stadttheater und ein Publikum, das sich wild-entschlossen spaßorientiert zeigte, bewiesen das Gegenteil. Die 6. Lachnacht zeigte, dass das Konzept, zwei Kabarett-Events an einem Abend zu zeigen, aufgeht.

Diesmal bestritten Winfried Frey und die bestens bekannten Wellküren das Programm und gaben - wohl eher zufällig ähnelten sich die Themen - ihre jeweils spezifisch männliche oder weibliche Sicht auf alltägliches im Allgemeinen und besonderes im Besonderen preis.

So erfuhren die Gäste aus erster Hand, wie sich im Ehe-Alltag das Klimakterium - nicht nur bei Frauen - auswirkt. Klagte Winfried Frey über die Launenhaftigkeiten seiner Lebensgefährtin und ihre Hitzewallungen, konnten die Wellküren den Nachweis führen, dass auch Männer Wechseljahre haben, die sich in einem oft recht merkwürdigen Verhalten manifestieren.

Dem vor allem als Schauspieler bekannten Winfried Frey fiel die Aufgabe zu, als erster das Auditorium in Stimmung zu bringen. Obwohl es sich um sein erstes Kabarettprogramm handelte, konnte man ihn nicht als Newcomer bezeichnen. Denn bei einigen seiner Späßchen war das Verfallsdatum schon deutlich überschritten. Zu seiner Ehrenrettung muss man ihm aber zugestehen, dass er sie so frisch und frech vortrug, als wären sie nagelneu - und sie passten zu seinen Themen.

Verstecke im Baumarkt


Über die Widrigkeiten, denen der Normalbürger in unserem bürokratisierten Staat ausgesetzt sind, konnte Frey trefflich schimpfen, mal feinsinnig ironisch, mal wütend und derb. Freys erste Opfer waren - immer ein dankbares Thema für den kritischen Kabarettisten - die Beamten, die einen Antragsteller zur Weißglut bringen können, und Baumarktmitarbeiter, deren einziges Einstellungskriterium sei, als Kinder beim Versteckspielen immer gewonnen zu haben.

Die Wellküren, die mittlerweile auf 30 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken können, waren mit ihrem Jubiläumsprogramm gekommen, mit dem sie bewiesen, dass Volksmusik und Kabarett gut zusammenpassen und das der traditionelle Dreigesang nicht nur beim Heimatabend im Seniorenheim gut ankommt. Mit frechen Texten versehen und mit Saiten-, Blas- und Quetschinstrumenten munter im heimatlichen Dialekt vorgetragen, kamen ihre Gstanzln und Couplets beim Publikum gut an. Menschen, die nicht über die Gnade der südlichen Geburt verfügten, mussten sich allerdings das eine oder andere vom Sitznachbarn übersetzen lassen - aber die waren sowieso in der Minderzahl.

Ein echtes Kabinettstück war ihr Stumusical - für die Nordlichter: ein Stubenmusical. Zur Musik aus dem Film "Spiel mir das Lied vom Tod" gaben die Wellküren wie die drei Nornen in Richard Wagners Götterdämmerung ihre Sicht auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft Bayerns zum Besten. In den längst vergangenen Tagen vor anno 1913 herrschte noch die gute alte Zeit, in der das Königlich-Bayerische Amtsgericht für Gerechtigkeit sorgte.

Bayerns Zukunft


Das ist längst passé, denn heute herrschen korrupte Politiker, deren Namen hier ungenannt bleiben sollen, über den Freistaat. Und die Zukunft unserer Heimat: An der Autobahnraststätte Greding, an der Transitstrecke zwischen Bayern und dem nicht ganz so sicheren Drittstaat Franken gelegen, trifft dessen Herrscher Markus Söder auf König Horst I. zum großen Showdown. Für die Wellküren war das aber noch lange nicht der Schlusspunkt. Per Beifall forderten die Zuschauer noch Zugaben von der Stugida, der "Stubenmusi gegen die Idiotisierung des Abendlands".
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