Aktion Pomoc fährt zur Bescherung nach Bosnien-Herzegowina
Hoffnung auf 20 Paletten

Die Pomoc-Truppe mit Christof und Sieglinde Graf (Mitte) und den Hofhunden Poldi (links) und Josef.
Amberg: Familie Graf |

Elf Freunde müsst ihr sein - und zwei Hunde. Dann lassen sich viele Dinge bewegen. 4000 Kartons zum Beispiel. Vor einigen Tagen schickten freiwillige Helfer die Weihnachtspäckchen der Aktion Pomoc auf große Reise.

Atzlricht. Ohne Poldi und Josef läuft auf dem Hof der Familie Graf in Atzlricht gar nichts. Die beiden Hunde beschnüffeln jedes Paket, das ihr Herrchen an diesem verregneten Wintertag in die Scheune trägt. Die Nasen des Hunde-Paares waren heuer ganz schön beansprucht: Mehr als 4000 Päckchen lagern zwischen Traktor und Kuhstall, weihnachtlich dekoriert und von Folien umwickelt.


Wenn die Päckchen verladen werden, helfen alle zusammen. Landwirt Wolfgang Ruppert hat den gelben Lader zur Verfügung gestellt.

Seit 15 Jahren Ladestation


Auf dem Anwesen neben dem Kirchlein Maria Schnee hat die Aktion Pomoc ihre Zentrale. "Seit 15 Jahren ist das schon so", sagt Hof-Inhaber Christof Graf. In den vergangenen Wochen traf er viele alte Bekannte wieder. "Es machen eigentlich immer die gleichen mit. Viele kenne ich jetzt schon seit Jahren." Etwa 50 Lieferungen nahm er entgegen, die meisten davon stammten von Kindergärten, Schulen, Jugendgruppen und Vereinen aus der Region. Eine Paket-Ladung kam auch wieder aus Landshut. "Auch da gibt es Leute, die sich an dem Projekt beteiligen."

Die Paketaktion, die eine Gruppe von Jugendlichen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach initiiert hat, gibt es bereits seit 1995 und damit länger als "Weihnachten im Schuhkarton" oder die Weihnachtstrucker. "Die Idee, bedürftige Kinder in Krisenregionen auf diese Weise zu beschenken, ist wirklich hier bei uns entstanden", erinnert sich Dr. Ulrich Iberer aus Hahnbach. Die Aktion Pomoc hatte damals bereits etliche Hilfstransporte in die Bürgerkriegsländer des Balkans organisiert und dort Freunde gewonnen. "Und so dachten wir uns, wir statten den Kindern als Nikoläuse verkleidet einen Überraschungsbesuch ab."




Hochbetrieb zwischen Traktor und Kuhstall: In der Scheune der Familie Graf stapelten sich in den vergangenen Wochen die Weihnachtspakete.

Auch die Familie Graf ist mit der Aktion Pomoc schon jahrelang verbandelt. Mittlerweile gehören Christof und seine Frau Sieglinde zu den Stützen der rein ehrenamtlich und offen strukturierten Organisation. 1995 füllten die Päckchen einen Kleinbus, heute rückt zum Transport ein 40-Tonner einer internationalen Spedition an.

Der Fahrer steuert das Haus der Caritas in der 850 Kilometer entfernten, nordbosnischen Stadt Banja Luka an. Die Helfer vor Ort weisen die Pakete dann hilfsbedürftigen Familien zu. "Wobei wir großen Wert darauf legen, dass kein Unterschied zwischen ethnischen oder religiösen Gruppen gemacht wird."

So steht beim Besuch der Pomoc-Delegation zwischen 26. und 30. Dezember auch wieder eine Visite beim Imam in der Stadt Velika Kladusa an. Die Kinder seiner moslemischen Gemeinde freuen sich bereits auf die Gäste aus der Oberpfalz, für sie ist die Bescherung zum Jahresende schon zur Gewohnheit geworden. "Bosnien ist nicht mehr so oft in den Schlagzeilen wie 1990", sagt Iberer. "Dass wir trotzdem hinfahren, liegt eben nicht an den Schlagzeilen, sondern daran, dass wir dort Freunde gefunden haben."

Kirchenorgeln im Gepäck


Den Lastwagen für den Pakettransport hat die Aktion Pomoc zusammen mit einer anderen Hilfsorganisation aus Kirchenthumbach gemietet. Im Landkreis Neustadt an der Waldnaab hat der Fahrer schon drei elektrische Orgeln für katholische Pfarreien in der Diözese Banja Luka auf die Ladefläche gehievt. In Atzlricht kamen dann die 4000 Päckchen dazu. Sauber sortiert auf 20 Paletten und in Folie eingewickelt. Die Hofhunde Poldi und Josef kennen das Prozedere schon. Sobald sich die Plastikhaut um die Schachteln spannt, gibt es nichts mehr zum Schnuppern. Der Fahrer schließt den Laderaum, verabschiedet sich und gibt Gas. Jetzt beginnt auch auf dem Graf-Hof die staade Zeit.

Aktion PomocWo gehen die Pakete hin?

Zentrale Anlaufstelle ist die Caritas in Banja Luka. Die Stadt hat fast 200.000 Einwohner und ist Sitz der Regierung der serbischen Republik innerhalb Bosnien-Herzegowinas. Die Caritas-Mitarbeiter vor Ort verteilen die Weihnachtspäckchen auf Einrichtungen und Familien in der Umgebung.

Wie läuft die Aktion ab?

Der Transport der Päckchen über rund 850 Kilometer ist Teil eines immensen logistischen Aufwands. Das Elektronik-Versandhaus Conrad stellt Jahr für Jahr leere Pappschachteln zur Verfügung, die an Kindergärten, Schulen und Vereine ausgegeben werden. Zu Hause befüllen Kinder die Schachteln nach bestimmten Vorgaben. So sollte ein Päckchen zum Beispiel Schulsachen und Hygieneartikel enthalten, keinesfalls aber verderbliche Lebensmittel. Die dezentralen Sammelstellen bringen die Pakete dann meistens bis zum 1. Advent zum Hof der Familie Graf in Atzlricht. Dort holt ein Lastwagen einer bosnischen Spedition die Geschenke ab.

Wird der Inhalt geprüft?

Die Helfer haben aus langjähriger Erfahrung so etwas wie ein Frühwarnsystem entwickelt. Scheppert es beim Stapeln verdächtig, öffnen sie den Karton schon mal, um zu prüfen, was drin ist. Auch wenn die Schachtel ungewöhnlich leicht ist, kann es sein, dass der Inhalt nicht passt. "Es kommt ganz selten vor, dass wir ein Päckchen aussortieren müssen", berichtet Milena Mandic-Sperber.

Wie viele Leute helfen mit?

Genaue Zahlen kann Milena Mandic-Sperber nicht nennen. "Wir sind eine offene Gruppe. Es herrscht ein Kommen und Gehen." Zusammen mit den Spendern, Einsammlern und Überbringern sind wohl mehrere hundert Menschen aus der Region involviert. Wer Lust hat, die Aktion zu unterstützen, kann sich jederzeit melden. Alle Informationen sind im Internet zusammengefasst. Die Adresse lautet: www.aktion-pomoc.de. (upl)
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