Ausgabestopp im Tierheim
Hase, Hund und Co. bleiben vor Weihnachten im Käfig

Schlappi ist so süß, man muss ihn einfach knuddeln: Tierschutzvereinsvorsitzende Sabine Falk erklärt, warum vor Weihnachten keine Tiere mehr vermittelt werden. Bild: Steinbacher

Das Fell so weich, die Augen so groß, die Pfoten so süß, das Näschen so zart - Schlappi ist ein Kaninchen wie aus dem Bilderbuch, eines, wie es sich viele Kinder sehnlichst wünschen. Aber der Bursche bleibt im Käfig. Das Amberger Tierheim vermittelt in der Vorweihnachtszeit keine Tiere. Aus gutem Grund.

"Es kam schon vor, dass hier jemand anrief und ankündigte, ein Weihnachtsgeschenk bei uns kaufen zu wollen", sagt Tierschutzvereinsvorsitzende Sabine Falk. "Ich habe dann spontan drauf gesagt: Dann gehen Sie ins Geschäft und kaufen Sie ein Stofftier." Die Vorsitzende kann über so viel Unverständnis für das Wohl der Tiere nur den Kopf schütteln. 14 Tage vor Weihnachten ist in Amberg deshalb Schluss mit der Herausgabe. Die Verantwortlichen wollen so verhindern, dass Hunde, Katzen oder Hasen als vorschnelles Geschenk unterm Weihnachtsbaum sitzen - und einige Zeit später wieder im Tierheim landen.

Kommt der Alltag, merken viele schnell, dass so ein Vierbeiner auch lästig werden kann. Die Leute hängen nicht mehr so an ihren Tieren, hat Falk festgestellt. Oftmals sei das Kaninchen im Garten ein willkommener Gast, bis die Familie in den Urlaub fahre. Dann komme es eben ins Tierheim. "Eine Pension ist ihnen meistens zu teuer." Und danach? "Manche sind tatsächlich der Meinung: Das kostet ja nur 15 Euro. Dann kaufe ich eben ein neues."

Abgabe mit Vorkontrolle


Wer sich beim Tierschutzverein einen Hund oder ein Kaninchen holen will, muss sich einer gewissen Vorkontrolle unterziehen. Falk: "Wir fragen nach und hinterfragen auch." Teilweise werden auch Katzenbesitzer in spe abgeklappert. Das erfordert Zeit und vor allem personelle Ressourcen. Momentan kümmern sich neben zwei Angestellten, Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) Franziska Kohl und Tierheimleiterin Carmen Gurdan etwa zwölf Ehrenamtliche um das Wohlergehen von Hund und Katze. Auch die Vorstandsmitglieder packen stundenweise mit an, soweit es die beruflichen Verpflichtungen zulassen. "Gerade holt mein Vater Einstreu aus Schmidgaden", erzählt Sabine Falk als ein Beispiel von vielen, wie unbürokratisch und schnell zusammengearbeitet werde. Im Tierheim leben derzeit 22 Hunde, 70 Katzen und 16 Kaninchen.

Wohnen auf Probe


Natürlich werden nach Weihnachten die Tiere wieder wie gewohnt vermittelt - inklusive Probezeit. "Katzen, sofern es Freigänger sind, ziehen aus, wenn es ihnen nicht gefällt", sagt Sabine Falk. Ein Hund oder ein Kaninchen könne das nicht. Deshalb wurde das sogenannte Probewohnen eingeführt. "Wir sind mittlerweile sehr vorsichtig geworden." Das Amberger Tierheim steht mit dem Abgabe-Stopp vor Weihnachten übrigens nicht alleine da. Eine Reihe der rund 500 Heime, die dem Tierschutzbund über die örtlichen Tierschutzvereine angeschlossen sind, stellen demnach die Vermittlung bis Anfang des neuen Jahres ein, berichtete zuletzt die Deutsche Presse-Agentur.
Gehen Sie ins Geschäft und kaufen Sie ein Stofftier.Sabine Falks spontane Antwort auf den Wunsch eines Anrufers, ein Weihnachtsgeschenk kaufen zu wollen
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