AZ-Aktion: Gefahren für Radfahrer
Mit dem Rad auf der Spur

In Teilen der Altstadt rumpelt's gewaltig. Bild: roa

Quietschende Reifen, wütende Blicke, Geschrei und vor allem rund um die Vils auch ein wenig Idylle: Die Radrundfahrt der Redaktion zu den von Lesern genannten Stolperfallen und Gefahrenstellen hatte es in sich.

Eine Autofahrerin öffnete ihr Fenster: "Fahr doch da drüben", lautete der verärgerte Ruf in Richtung der Radfahrerin, die ordentlich am rechten Straßenrand in die Pedale trat. Kurz darauf gab es Bremsgeräusche: Ein Autofahrer stoppte gerade rechtzeitig vor einem parkenden Wagen, der auf einer engen Straße halb auf dem Gehsteig stand. Hätte unsere Bikerin überholt, wäre sie in den Gegenverkehr gekracht. Woanders holte ein Kinderwagen einen Radfahrer auf einem kombinierten Rad- und Fußweg vom Sattel. Ein parkendes Auto blockierte den eigentlich relativ breiten Weg und verwandelte ihn in ein Nadelöhr.

Lange Liste


Amberg und der Verkehr. Täglich gibt es Hunderte Begebenheiten, die in Sekunden über einen Unfall entscheiden. Während bei der AZ-Aktion im vergangenen Jahr die Autos im Mittelpunkt der Gefahrenstellen standen, sind heuer die schwächsten Verkehrsteilnehmer im Mittelpunkt: Fußgänger oder Radfahrer. Über 40 Gefahrenstellen monierten unsere Leser: Marode Straßen mit tiefen Löchern, Flickenteppiche, nicht nachvollziehbare Radwegführungen, fehlende oder verblichene Beschilderungen, zugewachsene oder dustere Wege, die eine freie Fahrt erschweren - die Liste der Beschwerden war lang.

Konzept in Startlöchern


Mit Beginn der Europäischen Mobilitätswoche verkündeten Oberbürgermeister Michael Cerny, Baureferent Markus Kühne und Verkehrsreferent Dr. Bernhard Mitko, dass ein Radverkehrskonzept für die Stadt Amberg extern ausgeschrieben wird. Beauftragt wurde die Planungsgemeinschaft Verkehr PGV-Alrutz GbR in Hannover, die unter anderem auch für das als "Radfahrerstadt" bekannte Erlangen tätig ist. In dem Projekt sollen außer den üblichen Konzepten auch Fahrradparken, Verkehrszählungen, Unfallanalyse, Workshops mit Bürgerbeteiligungen und ein Mobilitätsmanagement zur Fahrradförderung mit aufgenommen werden.

Bis zum Ende des zweiten Quartals 2017 sollen die Planungen abgeschlossen sein, damit dringende Maßnahmen auch im Haushalt angemeldet werden können.


Niederschläge zerstören Weg


Oberammersrichter Weg (1)
Der Oberammersrichter Weg ist ein beliebter Radweg zum Industriegebiet Nord. "Durch die heftigen Gewitter dieses Jahres wurde der Weg ausgeschwemmt", schrieb Cornelia Schanderl. Da er von sehr vielen Radfahrern benutzt werde, die ihre Arbeitsstätte im Industriegebiet Nord haben, "wäre es schön, wenn sich dieser Zustand bald ändern würde". Auch Peter Hummel ist dieser Meinung. Anlässlich der Sperrung der Staatsstraße bei Bernricht fuhr er immer mit dem Fahrrad zur Arbeit. Allerdings sei die Schotterpiste "ziemlich mühsam": "Der Weg ist holprig, es gibt jede Menge losen Schotter und Sand, und auch noch ein steiles Stück, das wegen der Sturzwasserrinnen besonders anstrengend, wenn nicht sogar gefährlich, ist." Seine Frage: Warum gibt es keinen asphaltierten Radweg in das Industriegebiet?

Als Radler im Kreisverkehr?


Hockermühlstraße (2)
Martin Sausner fährt täglich die Hockermühlstraße entlang auf den Weg zur Arbeit. Seiner Meinung nach gebe es ein Stück Radweg, das aus seiner Sicht ungeeignet sei: "Es handelt sich um einen unbefestigten Weg, der zwar im trockenen Zustand sehr gut befahrbar ist, nach Regen aber zu einer schmierigen Rutschpiste wird." Darüberhinaus sei die "geschätzt 80-Zentimeter-Spur" für beidseitigen Rad- und Fußgängerverkehr vorgesehen, was unzumutbar wäre und nicht der Straßenverkehrsordnung entspreche. Gleich daneben führe ein breiter, geteerter Weg vorbei, der früher ein Radweg war und jetzt Fußweg ist. Am Kreisverkehr stelle sich ihm als Radfahrer die Frage, ob er im Ringverkehr dem Autoverkehr bevorrechtigt ist, oder ob er entlang der Hockermühlstraße beidseitig den Radweg nutzen muss.

Parken auf dem Radweg


Fleury-/ Gailoher Hauptstraße (3)
Zwei Beispiele dafür, wie rücksichtslos Autofahrer Platz für ihren Parkraum beanspruchen, lieferte Christian Lehner.

In der Fleurystraße belegten die Fahrzeuge zwischen der Pizzeria und der Bäckerei-Filiale gerne den Fußgänger- und Radweg. Für Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren oder auch Fahrrädern sei ein Durchkommen fast schon unmöglich geworden. Dieselbe Situation biete sich den Verkehrsteilnehmern auf der Gailoher Hauptstraße, im Übergang zwischen Amberg und Gailoh.

"In beiden Situationen kommen sich Fußgänger, Auto und Radfahrer immer wieder gefährlich nahe", schrieb Christian Lehner an die Redaktion.

Schild selbst gebastelt


Weinstraße (4)
Die Innenstadt ist ein sehr beliebtes Ziel für Radfahrer - auch weil der Fünf-Flüsse-Radweg durch die Altstadt führt. Am Geschäft von Horst Strobl an der Ecke Weinstraße/Georgenstraße kommen seiner Aussage nach täglich bis zu 40 Radler vorbei. Sie würden allerdings an der Kreuzung stehenbleiben, da es kein Hinweisschild gebe, in welche Richtung der Radweg weiterführt.

"Bereits im Frühjahr hatte ich dies der Stadt mitgeteilt. Ich war inzwischen viermal vorstellig." Mittlerweile brachte Horst Strobl ein Schild an. "Siehe da, nur wenige Radler müssen noch sehen, wie es weitergeht." "Was soll man als Bürger noch machen, als bei den Behörden vorsprechen und auf die Sachlage hinweisen?", stellt Horst Strobl in einer E-Mail an die AZ die Frage.

Endlich Fräskanten weg


Kümmersbrucker Straße (5)
Im Fall der Kümmersbrucker Straße kämpften die Radfahrer fast ein Jahr lang gegen Stolperstellen. Die Unebenheiten wurden erst vor kurzem beseitigt. Familie Donhauser schrieb in einer E-Mail an die Redaktion: "Bestimmt vor einem Jahr wurde auch auf dem Radweg zwischen Perigueux-Brücke und Polizei-Gebäude gearbeitet. Bis jetzt befinden sich auf diesem Weg tiefe und breite Rillen. Es wurde anscheinend die letzte Asphaltdecke nicht aufgebracht. Für uns Radfahrer sind dies gefährliche Stolperfallen." Derselben Meinung ist Horst Strobl: "An mehreren Stellen gibt es immer noch Fräskanten. Es findet sich null Hinweis auf diese bis zu 2,5 Zentimeter hohen Kanten. Nicht ein Hinweis, nicht ein Verkehrsschild." Er selbst wäre beinahe auf Höhe der Polizeiinspektion gestürzt.

Katastrophal für Radfahrer


Jahnstraße (6)
AZ-Leserin Judith Schertl bezeichnet das Radfahren in der Jahnstraße als "generell katastrophal". Es gebe dort keinen Fahrradweg oder irgendeine Begrenzung für Radfahrer, wie zum Beispiel in der Sebastianstraße. "So weichen viele Radfahrer auf die Gehwege aus, was es für uns, als Anwohner - unsere Ausfahrten vom Terrassenweg münden in die Jahnstraße - schwierig macht."

Außerdem sei die Fahrbahn-Verengung auf Höhe des Lindenbrünnerls "sehr gefährlich" für Radfahrer, die sich bereits in der Engstelle befinden. "Es gibt viele Autofahrer, die trotzdem noch hineinfahren. Wo soll denn dann der Radfahrer dann hin?", fragt Schertl.

Bergauffahrt mit Löchern


Bergauffahrt (7)
"Eine der schlechtesten Straßen ist die Bergauffahrt in Amberg mit Asphaltlöchern, die bis zu fünf Zentimeter tief sind", schrieb Dieter Roeder an die AZ-Redaktion. Besucher der Mariahilfbergkirche, egal ob mit Fahrrad oder Auto, würden den Zustand der Auf- und Abfahrt seit geraumer Zeit monieren. Derselben Ansicht ist auch Claudia Donhauser: "Die Bergauffahrt ist in einem sehr schlechten Zustand. Die Löcher und Rillen im Asphalt sind vor allem für Radfahrer gefährlich."

Buckelig und krumm


Untere Nabburger Straße (8)
Für Stefanie Schinabeck aus Amberg ist das bucklige und krumme Pflaster in Teilen der Altstadt ein Ärgernis. Handlungsbedarf sieht sie in der Unteren Nabburger Straße und in der Paulanergasse. "Als Langzeitprojekt wäre ein Ersatz durch flache Pflastersteine erforderlich wie man sie in vielen Städten sieht", schlägt sie vor. "Die Untere Nabburger Straße ist mit dem Auto sowie mit dem Fahrrad schlecht zu befahren, und hat große Löcher", bemängelt auch Familie Schlaffer. Für Stefanie Schinabeck ist zudem der Zustand der Bäumlstraße zwischen Dreifaltigkeitsstraße und Mosacher Weg gefährlich: "Voller Schlaglöcher, uneben mit starker Absenkung bei den Rinnsteinen".

Bürger auf dem Dreckstreifen


Emailfabrikstraße (9)
Für Sigrid Weber ist die Situation in der Emailfabrikstraße, beginnend beim Ärztehaus mit der Nummer 19, seit Aufstellen des Halteverbotsschildes entlang des Garagenhofes ein Ärgernis. Die Hinweistafel befindet sich auf der linken Seite der Straße, wo ehemals ein Grünstreifen war.

Seitdem dürfen die Autos auf der asphaltierten Straße parken. Fußgänger und Radfahrer müssen auf den ehemaligen Grün- und heutigen Dreckstreifen ausweichen, da ja auf der geteerten Fahrbahn Autos parken. "Wir haben festgestellt, dass Beschwerden an die Stadt und die Regierung der Oberpfalz keinerlei Wirkung erzielen", zeigt sich Weber enttäuscht.

Schummrig und gefährlich


Galgenbergweg (10)
Die Zeit, in der es spät hell und früh dunkel wird, rückt immer näher. Wer auch künftig mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren möchte, ist auf eine gute Beleuchtung angewiesen. Martin Bürger ist der Meinung, dass man diese am Galgenbergweg zwischen Amberg und Wagrain verbessern müsste. "Der Berg hat hat ja schon immer eine schummerige Geschichte", erklärt Bürger. Viele Fußgänger oder Radfahrer würden den Weg bei Dunkelheit ungern benutzen. In einer engen Rechtskurve fehlt seiner Ansicht nach eine Laterne. "Bei Dunkelheit ist es an dieser Stelle stockfinster, da die nächste Laterne erst weit hinter der Kurve kommt. Auch ist der Weg in diesem Bereich mit Stolperfallen übersät."

Achtung, Radfahrer!


Bayreuther Straße (11)
"Sehr erfreut" ist Willi Herdegen, dass auf dem Radweg entlang der Hirschauer Straße auf einem Teilstück der Belag erneuert worden ist. "Hoffentlich wird auch das letzte Teilstück ebenfalls bald saniert." Allerdings kritisiert Herdegen, dass in der Hirschauer und Bayreuther Straße sämtliche Einfahrten aus den Seitenstraßen nicht ausreichend gekennzeichnet sind: "Wir Radfahrer sind einer erheblichen Unfallgefahr durch einfahrende Fahrzeuge ausgesetzt." Einzig die Einfahrt aus der Straße Am Wagrain sei vorbildlich gekennzeichnet. "Wir haben in der Bayreuther Straße Ein- und Ausfahrten aus zwei Tankstellen, wo jegliche Kennzeichnung des Radwegs fehlt. Hier sollte auf jeden Fall etwas gemacht werden", ist Willi Herdegen der Meinung.

Wann ist die Brücke oben?


Zugbrücke (12)
Robert Szkuta ist der Meinung, dass "unbedingt diagonale Zufahrtswege zur Zugbrücke" neben der Stadtbrille angebracht werden sollten. "Es ist jedes Mal eine Katastrophe, wenn man als Radfahrer, egal von welcher Richtung kommend, die Zugbrücke überqueren möchte." Der Weg sei ziemlich schmal, so dass man bei Gegenverkehr in der Bredouille steckt. Zudem ist es seiner Meinung nach für Fußgänger und Fahrradfahrer sehr ärgerlich, wenn man, vor allem von der Kreuzung am Schloßgraben kommend, den Weg hinunter zur Vils gemacht hat, und dann erst feststellt, dass die Brücke hochgezogen ist. Die Idee von Skuta lautet: "Bitte eine Beschilderung anbringen, die anzeigt, wann die Brücke oben ist."

Zitate"Vor Baubeginn des Ringes an der JVA gab es einen Zeitungsbericht über die neue Straßenführung. Hier wurde darauf hingewiesen, dass sich die Radsituation nach dem Umbau nicht verschlechtern wird, was letztendlich aus meiner Sicht definitiv nicht eingetroffen ist."

Martin Sausner

"Mein Mann ist vor etwa vier Wochen bereits vom Fahrrad geholt worden. Ein Taxifahrer meinte, er käme noch an ihm vorbei. Kinder mit dem Fahrrad auf der Jahnstraße radeln zu lassen ist fast unmöglich, die Autos überholen in den Kurven, schneiden mit hoher Geschwindigkeit."

Judith Schertl

"Ich habe einen Fernsehbericht über die Stadt Göttingen gesehen. Hier baut die Stadt eine Fahrradgarage für sage und schreibe 3000 Fahrräder. Vielleicht würde sich dann der Bau einer Tiefgarage in unserer schönen Innenstadt erübrigen."

Willi Herdegen

"Scheinbar gibt es auch die Regelung nicht mehr, dass man nicht bis in die Kreuzung hinein parken darf."

Reinhard Weber

Viele Wege sind kaum befahrbar durch kaputte Glasflaschen. Zum Beispiel an der kleinen Brücke an der Wingershofer Straße beim ACC. Dort liegen seit zwei Wochen Glasscherben. Hier gehen ja auch viele Leute mit Hunden spazieren, die sich da leicht verletzen können.

Renate Paßler

"Da die Stadt Amberg und der Landkreis sich im Internet in den höchsten Tönen als Fahrradland loben, sollten die Verantwortlichen mal selbst alle ausgewiesenen und nummerierten Radwege abfahren. Sie würden sich wahrscheinlich sehr wundern.

Siegfried Hörmann

Der Weg an der Vils entlang, neben der Bayreuther Straße, ist zum Teil sehr uneben und holprig. Gefährlich für ältere Menschen und sehr schlecht für Kinderwagen und Rollator.

Günter Wollak

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