Das Imperium erwacht in Amberg
Neuer Star-Wars-Fanclub sucht Mitstreiter

Sebastian Konofsky ist Auszubildender als Fachinformatiker - aber eigentlich auch ein Stormtrooper oder Snowcommander (rechts). Bilder: Lucas Weigl

Das beschauliche Amberg wird von Unruhen erschüttert. Weit entfernte Sternensysteme sind der Auslöser. In der Hoffnung, die Angelegenheit durch eine mächtige Vereinigung voranzutreiben, hat man ohne unersättliche Handelsföderation beschlossen, sich im kleinen Stadtteil Ammersricht an einen Tisch zu setzen.

Während endloser Debatten über die beunruhigende Kette von Ereignissen, entsteht insgeheim eine kleine, aber feine Fan-Gemeinschaft in Amberg um die Mega-Kult-Filme Star Wars: die Fanboys. Wer derzeit Lebensmittel einkauft, Prospekte durchblättert oder durch Geschäfte flaniert kommt an der Fantasy-Saga nicht vorbei. Alle Merchandise-Artikel fokussieren ein Datum: Donnerstag (17. Dezember), den Tag, an dem der neue Star-Wars-Film startet.


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Die große Auswahl an Fan-Artikeln freut die Fanboys natürlich zum einen, da sie selber gerne ihre Morgentoilette mit einer Lichtschwert-Zahnbürste erledigen oder mal einen Traubenzucker aus der R2-D2-Spenderbox naschen. Zum anderen aber wissen sie, dass der wahre Sternenkrieger-Anhänger dies alles nicht braucht, denn er hat seine Fantasie. Und genau die ist gefragt, hier am Esszimmer-Tisch. Denn noch sitzen Peter Bachmann (42), Sebastian Konofsky (19) und Johannes Bachmann (11) völlig normal beieinander. Draußen klopft der Regen an die Scheiben, es ist stockdunkel. Drinnen glitzern die Lichter der Weihnachtsdekorationen. Vom Faible für Star Wars zeugt hier höchstens der Schriftzug "Fanboys" auf dem T-Shirt. Aber die Drei, obwohl sie unterschiedlicher sind als Droiden, Darth Vader und Meister Yoda zusammen, teilen eine Leidenschaft. Ihr Hobby ist die fiktive Welt irgendwo da draußen. Sie kneifen die Augen zusammen, erinnern sich an die Anfänge, gucken nach oben und es ist, als ob sich die Erinnerung wie ein Hologramm direkt auf dem Esszimmertisch formt.


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Sebastian war acht Jahre alt, als er das erste Mal mit der Saga in Berührung kam - in Form eines Computerspiels. Als Science-Fiction-Fan liebte er alles, was mit Außerirdischen zu tun hatte. Mit zwölf Jahren habe er mit seinen Eltern den Bayern-Park besucht. Zufällig am Tag eines Stormtrooper-Treffens. Völlig fasziniert von den verkleideten Fans stellte er fest: "Ich habe zu meinen Eltern gesagt, wenn ich 18 bin, dann will ich da mitmachen." Heute ist er 19, Mitglied bei den Star-Wars-Fans Nürnberg und Teil der 501st Germany Garnison, einer Gemeinschaft, die richtige Aufnahmebedingungen stellt. Er ist Besitzer einer maßgeschneiderten Stormtrooper-Uniform und Mitbegründer der Amberger Fanboys. Sein Zimmer ist ein Spaziergang durch die Episoden.

Als ich zum ersten Mal die Serie gesehen habe, wusste ich, dass Star Wars mein Leben verändert.Johannes Bachmann (11)

Der perfekte Ort für Johannes Bachmann. "Als ich zum ersten Mal die Serie gesehen habe, wusste ich, dass Star Wars mein Leben verändert", erzählt der Elfjährige. Es erschien ihm völlig logisch, dass er seine Freizeit künftig Lichtschwertern und Raumschiffen widmet. Sein erstes Spielzeug zum Thema war ein Geschenk seiner Uroma: ein ATST-Kampfläufer. Und mit der kleiner Buben eigenen Hartnäckigkeit schaffte er es auch, seinen Vater, Peter Bachmann, mit dem Virus zu infizieren.


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Die Leidenschaft seines Sohnes erinnerte ihn an seine eigene Kindheit. "Ich habe damals Bravo-Aufkleber, Poster und Starschnitte gesammelt", erinnert sich der 42-Jährige zurück. "Mich hat das damals berührt." Krieg der Sterne, der erste Spielfilm und Episode IV der Star-Wars-Saga von George Lucas, wurde 1976 gedreht und hatte am 25. Mai 1977 seine Premiere in den Vereinigten Staaten. In Deutschland kam der Film am 10. Februar 1978 in die Kinos. Heute gibt es sieben Streifen aus der Galaxie. Sebastian Konofsky hat sie alle auf DVD und kann die meisten Dialoge mitsprechen. Einmal pro Jahr alle ansehen ist Pflicht. Aber das ist nicht das einzige Projekt. Stück für Stück wollen sie ihre Verwandlung in einen Star-Wars-Charakter vollziehen. Bei Sebastian ist es der Stormtrooper, wahlweise auch ein Snowcommander ("Ich gehöre zum Imperium.") Peter Bachmann baut sich die Rüstung des Mandalorianers Jango Fett. Und Johannes ist noch relativ offen in seiner Wahl, was auch daran liegt, dass für Kinder keine originalgetreuen Rüstungen hergestellt werden.


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Bei unserem ersten Troop durch Amberg haben Eltern zu ihrem Kind gesagt: Schau mal, da rennt ein Roboter rum. Das Kind hat gemeint: Nein, das ist doch ein Stormtrooper.Sebastian Konfosky (19)

Ein wenig beschreibt der Lieblingscharakter auch die eigene Persönlichkeit. Vor allem Peter Bachmann faszinierten die Wesenszüge des neutralen Kriegers. Wer sich ihnen anschließen möchte, ist jederzeit willkommen. "Wir wollen noch andere Fans dazugewinnen", sagt Bachmann sen. Derzeit bestehen die Fanboys in Amberg aus sieben Mitgliedern, davon drei Aktive. In diesem Verein involviert sind Gleichgesinnte aus Oberhausen, Zürich, Hannover, Dortmund, Landshut und aus dem Allgäu. Die einzelnen Gebiete haben sie in "Chapter" eingeteilt - "weil es sich cooler anhört".

Das große Ziel ist 2017 anvisiert: ein eigener Stand auf der Convention "Star Varia" in Cham. "Aber wir wollen vernünftige Leute, solche die 1000 Prozent hinter der Sache stehen." Ein existenzieller Auftrag ist das. Möge die Macht mit den Ambergern sein.
Weitere Informationen im Internet:
www.swfc-fanboys.de


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