Der heilige Mittwoch der Wanderer

Auch bergan geht es für das Quartett immer noch recht flott voran: Josef Willfahrt, Gerd Bones, Josef Baumgartner und Hans Ritter haben an dieser Stelle ihr Ziel schon fast vor Augen.

Der Mittwoch ist ihnen heilig. Seit 30 Jahren mit vielleicht gerade mal einer Handvoll Ausnahmen. Weder Wetter noch Familienfeiern oder Vereinsverpflichtungen können die Wanderer hindern, sich auf den Weg zu machen. Das Durchschnittsalter der acht wackeren Marschierer - und manchmal auch Radler - liegt bei 79,75 Jahren.

. Trotz der Vielzahl an Lenzen sind Josef Willfahrt (89), Hans Schertl (88), Kurt Graßler (84), Alfons Schneider (83), Josef Baumgartner (79), Werner Seidl (75) und die beiden "Jungspunde" Gerd Bones und Hans Ritter (je 70) auch heute noch wahre Aktivposten. Freilich, vor geraumer Zeit ging's noch besser zu Fuß - vier Stunden am Vormittag, dazwischen Brotzeit und danach nochmal vier Stunden. Da kamen schon mal 30 Kilometer zusammen.

Die Wurzeln der Truppe liegen in der Luitpoldhütte. "Damals galt, es durften nur ehemalige LH-Angehörige mitgehen, bevorzugt Meister. Das war vor 30 Jahren", weiß Werner Seidl, der selbst 1997 den Ritterschlag erhalten hatte und sich seitdem dem Marschiererkreis zugehörig fühlen darf. "Dreimal war ich zur Probe dabei", erzählt er im Schatten eines Pavillons, unter dessen Dach sich die Gruppe unterhalb des Gipfels des Mariahilfbergs trifft, um auf das 30-jährige Bestehen der Runde das Glas zu erheben.

Fleißig wie Bienen

Ein lauschiges Plätzchen am Waldrand, an dem Alfons Schneider seinem Imker-Hobby nachgeht - sich aber auch als Meister im Fach des Gastgebers erweist. Zur Vorspeise trägt er Brezen heran - "mit und ohne Salz, mit oder ohne Butter" - , um gleich darauf "mein Krematorium anzuschüren". Sagt's und steuert auf die Grillecke. Fleißig wie seine Bienen, legt er Steak um Steak auf und ist dabei immer darauf bedacht, dass später alle gleichzeitig mit dem Essen beginnen können.

Unterdessen tauschen die anderen am Tisch Erinnerungen aus. Josef Willfahrt, fast von Anfang dabei und Senior der Runde, spricht eine der ersten Touren an, die damals im Fränkischen von Behringersmühle bei Gößweinstein nach Streitberg geführt habe: "Ständig bergauf und bergab." Dabei habe man nicht immer die kürzeste Verbindung ausgesucht. Querfeldein ging's, wenn Schorsch Scharl einst Start und Ziel festlegte: "Das waren dann die Scharl-Wege", schmunzelt Alfons Schneider.

Heute sind die Distanzen kürzer und meist wählt man am Vormittag die etwas längere Strecke, um sich nach dem Mittagessen nicht mehr großartig verausgaben zu müssen. Auch wenn kürzlich das Waldnaabtal auf dem Programm stand, bewegen sich die Wanderer überwiegend im Raum Amberg-Sulzbach. Manchmal wird mit dem Auto zum Ausgangspunkt gefahren, einfach um den Aktionsradius nicht zu sehr einzuengen. "Kummts nur wieder, heißt es in den Wirtshäusern, wenn wir wieder gehen", weiß Gerd Bones - egal, ob in Schmidmühlen, Königstein, Kirchenreinbach, Gaisheim, Oed, Engelsdorf, Etsdorf, Erlheim, Oberleinsiedl oder auf der Buchberghütte.

Decke auf Gulasch

Fest im Kalender vermerkt sind die Bergfeste in Amberg, Sulzbach, Hahnbach und Gebenbach sowie - aber nur wenn das Patrozinium auf Mittwoch fällt - der Johannisberg bei Freudenberg. Früher zählte St. Englmar zu den festen Terminen. Dann gleich eine ganze Woche, weil dort auch zu arbeiten war. Die Luitpoldhütte besitzt im Bayerischen Wald zwei Hütten, und die setzten die Ex-Meister mit handwerklicher Routine stets ordentlich instand. Wie nötig dies damals war, belegt eine kleine Episode: Als das Gulasch schon auf dem Tisch stand, fiel plötzlich die Zimmerdecke herunter: "Da musste der Mauerer-Sepp (Willfahrt) ran", weiß Hans Schertl grinsend und fügt - als ehemaliger Büromensch - hinzu: "Mir hams die Oarbat gschafft, die koana macha wollt, weil ich nix Gscheits glernt hob."

Das war noch zu Zeiten, als die fast schon elitären Luitpoldhütten-Männer keine Betriebsfremden bei sich aufnahmen. "Als die Ersten gestorben waren, hat sich das Ganze ein wenig aufgeweicht", klärt Werner Seidl auf. Er hatte es zumindest auf ein paar LH-Jahre gebracht, ehe er zur Post und später zur Polizei wechselte. So wie er, auf Empfehlung aus der Gruppe, stießen auch der "Bahnerer-Sepp" (Baumgartner) und der "Preiß" (Bones) hinzu. Letzterer stammt zwar aus Amberg, war aber jahrelang außerhalb des Freistaats tätig und hat dabei den Oberpfälzer Zungenschlag zumindest zu Teilen verloren. Aber: "Der Schwiegervater war bei der Luitpoldhütte."
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