Erich Rohrmayer erklärt Schafkopf - Kurs mit Oberpfalz Medien
Zählen lernen mit Ober, Unter, Sau

Erich Rohrmayer erklärt Schafkopf. Der 45-Jährige geht von Tisch zu Tisch und gibt Tipps zu Karten und Taktik. Das Schaubild mit den wichtigsten Karten an der Wand bleibt als Gedächtnisstütze eingeblendet.
"Weiter, weiter, weiter, Spiel. Alte, Blaue, Schell'n-Sau." Erich Rohrmayer stimmt die Kursteilnehmer schon auf eine typische Geräuschkulisse in einem beliebigen bayerischen Wirtshaus ein. Den 16 Gästen an diesem Abend sagt das noch wenig. Sie wollen die Kunst des Schafkopfspiels erst lernen. Ungläubig, fast verwirrt lauschen sie den Worten des Oberpfälzers aus Schierling.


"Fang ma oo", durchbricht Erich Rohrmayer das Schweigen im Raum. An den vier Tischen sitzen jeweils vier Teilnehmer des Schafkopfkurses von Oberpfalz Medien. Die Gruppen sind zufällig entstanden. Nur wer sich als Paar oder Gruppe angemeldet hat, sitzt im Medienraum im Verlagsgebäude in Weiden zusammen. Ansonsten treffen sich die zukünftigen Schafkopfer zum ersten Mal. Der Umgangston ist locker, das "Du" ist Pflicht. Fremdeln geht nicht. Erich Rohrmayer erklärt. Grundbegriffe, die jeder aus dem Effeff beherrschen muss. Wie in jeder Sportart, in jedem Spiel, gibt es eine gemeinsame Fachsprache. Auch wenn sich Bezeichnungen regional ändern, manchmal gegensätzlich sind. Eines ist, so Rohrmayer, klar: "Wir spielen nach den offiziellen Schafkopfregeln."

Schafkopfregeln für Anfänger


Von Schaffen und DeckelnDas Kartenspiel gehört wohl zu den ältesten Kartenspielen in Bayern. Die Wurzeln gehen bis in das Jahr 1500 zurück. Das Spiel wurde wohl anfangs auf den Deckeln (Köpfen) von Fässern (Schaffen) gespielt. Aus dem Schaffkopf wurde der Schafkopf.
Offizielle Regeln? Für ein Wirtshaus-Kartenspiel?Vor etwa 500 Jahren entstand das Spiel. Seit dieser Zeit sitzen immer wieder vier Spieler zusammen zum Sauspiel, zum Solo, zum Wenz. Niedergeschrieben wurde das Regelwerk vermutlich schon 1896. Noch einmal knapp 100 Jahre hat es gedauert, bis 1989 ein offizielles Regelwerk daraus entstand.

Noch bleibt es übersichtlich. Dass es in einem bayrischen Kartenblatt kein Pik gibt, erschließt sich den Kursteilnehmern sofort. Zu eindeutig sind die Karten, um Zweifel daran aufkommen zu lassen. Einen König gibt es auch. Kein Problem, Damen und Buben? Fehlanzeige. Ober und Unter. Verstanden. Allein die Bezeichnung gibt die Hierarchie der Karten vor. Zehner, Neuner? Kein Problem. Die Zahlen stehen auf jeder abgerundeten Ecke der Karte. Achter, Siebener, Sechser? "Brauch ma ned", sagt Rohrmayer. "Wir spielen den Kurzen." Wobei er aber zugeben muss, dass der "Lange" mit allen Karten in Oberbayern die Stammtische beherrscht. "Des is a wengal langsamer, gmütlicher. Aber nur dort." Das Ass? Fehlanzeige. Im Schafkopf gibt es die Sau.

Farben im Schafkopf-Universum


Die Blicke der Kursteilnehmer wandern zwischen Rohrmayers Schaufolien, den eigenen Notizen und dem des Tischnachbarn hin und her. Abschreiben ist erlaubt. Vom Lehrer und vom Nachbarn. An den Tischen herrscht gute Laune. Das neue Spiel ist übersichtlich. Bisher. Die Eigenheiten des Schafkopfs kommen noch. Farben gibt es ja auch noch. Herz und Eichel sind gut an den Symbolen zu erkennen. Schellen erschließen sich auf den zweiten Blick - mit mehr oder weniger Fantasie. Warum aber die Karten mit grünem Laub-Symbolen Gras heißen? Manche Bezeichnungen aus dem Schafkopf-Universum muss man eben einfach hinnehmen. Auch, dass das Ass, die Sau dieser Farbe, die Blaue und der Ober in der gleichen Farbe DER Blaue ist. Schafkopf hat eben seine eigene Sprache. Notiz auf dem Spickzettel machen. Weiter.



An den Tischen herrscht Einigkeit: "Verstanden." Nächste Stufe in der Einweihung in das Regelwerk. Worum geht es im Spiel? Der Gewinner der Runde hat mehr als die Anderen. Klar. Aber wovon? "Punkte", ruft ein Schafkopfnovize. Erich Rohrmayer legt die Stirn in Falten. Irgendwie hat der Neuling ja recht. Das heißt hier aber Augen. Die Kursteilnehmer erlernen eben nicht nur ein Spiel, sondern auch eine Sprache. Für den Mikrokosmos Stammtisch. Die Übungen laufen gut. Warum jetzt gerade eine Sau elf Augen wert ist, der scheinbar noble König nur vier und eine so unscheinbare Karte wie der Zehner eben genau zehn Augen hat, der Neuner aber gar keine? Fragen, die nicht gestellt werden. Die Kursteilnehmer haben akzeptiert, dass es eben anders ist. Der Spickzettel füllt sich. Die zweite Seite auf dem Schreibblock wird von Zahlen dominiert. Erich Rohrmayer lässt nicht locker. Er lässt üben. Er wirft Schaubilder an die Wand. Zählen lernen mit Sau und Unter.

Hand anlegen an den Kurzen


Kartenwert? Verstanden. Trümpfe? Verstanden. Farben? Akzeptiert. Es wird ernst. In medias Res würde der Lateiner sagen. Erich Rohrmayer spricht es anders raus: "Damma an Kurzen." Matthias (37), Manfred (71), Brigitte (67), und Sabine (43), eine dieser Zufallsgruppen, greifen zum Kartenspiel. Mischen, abheben, geben. Links rum, im Uhrzeigersinn, zwei Runden zu je drei Karten. Keinesfalls anders, sonst geht das Spiel von vorne los. Noch bevor die Karten in die Hand genommen werden können, gilt es Regeln einzuhalten. Ein Verstoß dagegen könnte sonst am Stammtisch für Unmutsäußerungen oder freundliche Beschimpfungen sorgen. Dann der erste Blick auf das, was man in Händen hält, das Neuland erschließen und ordnen. Schafkopflehrer Erich Rohrmayer lässt die Neulinge nicht allein. Er geht von Tisch zu Tisch, hilft beim Ordnen der Karten. Die Trümpfe nach links, die Schmier - schon wieder ein Fremdwort - nach rechts. Oder anders rum, je nach Laune. Eine der wenigen Freiheiten beim Spiel.



Die Taktik für das Sauspiel, das an diesem Abend erlernt wird, hat Erich Rohrmayer kurz umrissen. Zwei spielen miteinander gegen die anderen zwei. Wer die Partner sind, ist aber nicht bekannt, darf nicht verraten werden. "Wie weiß ich das dann?" An jedem Tisch kommt die Frage hoch. Erich Rohrmayer: "Gar nicht." Momente später weicht das Entsetzen in den Gesichtern der Zuversicht. Gepflogenheiten im Spiel, taktische Überlegungen zeigen erfahreneren Spielern klar "Freund oder Feind" an. Mit offenen Karten tasten sich die Kursteilnehmer an das Spiel, helfen sich gegenseitig, erklären, was sie machen und warum. Fragen zu Karten oder Taktik werden offen angesprochen und diskutiert. Jeder lernt durch das, was er selbst versucht und durch das, was der Mitspieler am Tisch erklärt. Da ist es hilfreich, dass nicht jeder der Teilnehmer ein absoluter Anfänger ist. Manche haben es "vor langer Zeit gelernt, aber nicht mehr gespielt", andere wollen ihr "Grundwissen erweitern" oder es ist wie bei Sabine am Tisch. Ihr Opa wollte dieses Spiel einem "Weiberleut" nicht erklären.



Die Fortgeschrittenen helfen den Anfängern. Erich Rohrmayer hilft allen. Auch als Ersatzspieler für die, die eine kurze Pause brauchen, als Brunzkarter. Schon wieder ein Fremdwort. Was das ist und wie man nicht nur Sau spielt sondern auch Solo oder Wenz, lernen die Schafkopfneulinge in einer weiteren Unterrichtseinheit. Mit einer Woche Pause, damit sich die neuen Karten, das neue Spiel, die neue Sprache erst mal setzen kann.

GlossarSauspiel: Zwei gegen zwei, wer zusammengehört, darf nicht verraten werden.
Solo: Einer gegen drei. Der Ober sticht.
Wenz: Einer gegen drei, der Unter sticht.
Kurzer und Langer: Spielvarianten mit 24 (kurz) oder 32 (lang) Karten. Die Achter, Siebener, Sechser kommen nur beim Langen zum Einsatz
Schneider: Magische Grenze für den Verlierer. Eine Art "besonders schlimm verloren". Noch schlimmer als den Wert von 30 oder 31 (nur für den Spielmacher) Augen nicht zu erreichen, ist, keinen einzigen Stich zu machen, keine Runde zu gewinnen. Dann ist man je nach Region "Schneider durch" oder "Schneider schwarz".
Farben: Eichel, Gras, Herz, Schellen
Trumpf: Ober, Unter, Herz - zumindest beim Sauspiel
Schmier: Karten mit hohen Punktwerten (Augen)



Schafkopfen lernen mit Erich RohrmayerDie Schafkopfabende mit Erich Rohrmayer sind Teil des Kursprogramms bei Oberpfalz Medien. Im Angebot sind oder waren Koch- und Tanzkurse, Selbstverteidigung oder ganz neu der Schafkopfkurs. Das Angebot wird regelmäßig erweitert und in der Tageszeitung und auf onetz.de bekanntgegeben. Die Veranstaltungen sind nicht auf den Standort Weiden beschränkt. Je nach Kurs und Teilnehmerzahl finden sie an verschiedenen Orten im Erscheinungsgebiet von Oberpfalz Medien statt.

Erich Rohrmayer (45) kommt aus Schierling (Kreis Regensburg). Er ist Autor des Buches "Lerne Schafkopfen – Eine Spielanleitung für Anfänger". "Geboren im Kloster Mallersdorf, aufgewachsen im Wirtshaus", beschreibt Rohrmayer sein Leben. Er blickt auf 30 Jahre Schafkopferfahrung zurück und, so betont er, hat "schon einen Turniersieg" erreicht. Rohrmayer unterrichtet nach den offiziellen Regeln, der Schafkopfordnung des Bayrischen Schafkopfvereins.





Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.