Grüne Inseln der Stadt
Sorgenfrei im Kleingarten

Barbara Fischer gartelt seit 28 Jahren in der Anlage An der Vils.
 
"Wald- und Nadelbäume sind verboten, kein Baum darf über drei Meter hoch sein." Zitat: Fachberater Werner Huber

Die Wohnung ist heiß, die Straße laut. Abkühlung und Ruhe in weiter Ferne: Im Wald müsste man sein. Einmal den engen Wänden und der stickigen Stadt entkommen. Doch der Wald ist weit und nach der Arbeit nicht viel Zeit. Viele kennen das und haben sich ein eigenes Stück Grün genommen.

"Wenn ich in den Garten geh', sind alle Sorgen weg. Da fühl' ich mich gleich zu Hause." Barbara Fischer steht in ihrem Kleingarten. "Es ist, als wenn ich ,Grüß Gott' zu den Pflanzen sage." Eigentlich lebt die 73-Jährige im Dreifaltigkeitsviertel in einer Wohnung im ersten Stock. "Da müsstest du sonst jeden Tag in den Biergarten gehen, um das zu haben." Seit 28 Jahren hat sie nun ihre kleine grüne Insel in der Gartenanlage am Schießstätteweg. "Man kommt mit den Nachbarn in Kontakt. Man ist eigentlich nie allein."

Früher hat sie als Polizistin in der Einsatzzentrale gearbeitet. "Ich war immer im Garten, jeden Tag nach dem Dienst. Hier kannst du Mensch sein", sagt Fischer. Auch ihre Betriebsfeste hat sie hier gefeiert. Ihre Kollegen hätten sie dazu angestiftet. Im Garten sei genug Platz für alle gewesen. "Da hat einer ein Fass Bier gespendet und man hat feiern können, ohne jemanden zu stören." Und das sei auch richtig so, findet Werner Huber: "Gesellschaftliche Treffen sind ausdrücklich erwünscht." Das habe sich der Stadtverband sogar in die Satzung geschrieben. Als Mitglied des Vorstands und Fachberater ist Huber erster Ansprechpartner.

Die eigene Scholle


Kleingärtner, das sind meist entweder junge Eltern mit ihren Kindern, oder ältere Menschen, die bald in Rente gehen, oder schon im Ruhestand sind. Viele wohnen in Mietshäusern. Die wollten das Leben im Grünen, "die eigene Scholle", meint Huber. Doch leider ist das alles nicht so einfach: "Oft überschätzen sich die Leute auch. Am Anfang meinst du, sie zerreißen sich, und dann lassen sie den Garten verkommen. Manchmal haben wir Probleme, sie ausfindig zu machen."

Für viele sei auch die Einhaltung der Regeln ein Problem. "Das Kleingartengesetz schützt uns." Manche Anlagen seien recht stadtnah. An diese Grundstücke würde die Bauwirtschaft gerne herankommen. Doch solange es das Kleingartengesetz gebe, sei das nicht möglich. "Wir wollen es deshalb genau einhalten: Ein Kleingarten hat der gärtnerischen Nutzung zu dienen sowie nichtkommerzieller Gewinnung von Gartenerzeugnissen und der Erholung", zitiert Huber die Regelungen.

Regeln einhalten


Seit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (2004) sei auch klar, in welchem Verhältnis: Die Kleingärten sollten zu jeweils einem Drittel aus Nutz-, Erholungs- und Ziergarten bestehen. "Viele kommen mit der Ein-Drittel-Regelung nicht zurecht." Die Einhaltung der Vorschriften überprüft Huber alle zwei Jahre. Bei seinen Begehungen achtet er darauf, dass die Gärten nicht verwahrlosen, wenn beispielsweise die Pächter keine Zeit mehr haben, oder zu alt sind, um sich um ihr Grün zu kümmern.

Der Fachberater prüft auch die Einhaltung einer Vielzahl an Vorschriften: "Wald- und Nadelbäume sind verboten, kein Baum darf über drei Meter hoch sein." Auch eine ordentliche bauliche Gestaltung der Gartenhäuschen hat er durchgesetzt. "Schauen sie sich diese Dächer an", sagt er beim Durchstreifen der Kleingartenanlage "An der Vils": "Hier ist kein Wellblech zulässig." Huber freut sich über die gepflegten Kleinode. "Wir haben hier auch Bienen", berichtet er stolz. "Wir sind immer froh, wenn ein Imker da ist."

Wege frei zugänglich


Die Gartenanlage "An der Vils" ist öffentlich zugänglich, erklärt das Vorstandsmitglied. Jeder kann die Wege entlang streifen oder das Lokal im Vereinsheim besuchen. Jederzeit kann jemand kommen und sich alles hier anschauen oder nur hindurch spazieren, sagt auch der Vorsitzende der Anlage, Peter Donhauser. Eine besondere Gelegenheit dafür bietet das Gartenfest. Es beginnt morgen um 14 Uhr, am Sonntag, 10. Juli, ist bereits ab 10 Uhr Einlass in die Kleingartensiedlung am Schießstätteweg.

Stadtverband der KleingärtnerIm Stadtverband organisieren sich zwölf Gartenanlagen. Jede davon ist ein eigener Verein. Neben den Anlagen Drahthammer, Vilstal, An der Vils und Anger I bis III gibt es noch jene am Degelberg, Schlackenberg, Erzberg, Steigerhaus, Lengenlohe und Bergsteig. Etwa 1000 Kleingärtner sind Mitglied im Dachverband. Dieser hat alle Gebiete gepachtet und gibt die Parzellen an Interessenten weiter. (dko)


Wald- und Nadelbäume sind verboten, kein Baum darf über drei Meter hoch sein.Fachberater Werner Huber
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