Kirche und Wirtshaus: St. Georg und Casino
Viel Pracht auf engstem Raum

Er weiß alles über das Casino, den dazugehörigen Saal und die Geschichte des ehemaligen Franziskanerklosters: Hans Graf führte seine Zuhörer durch das Gebäude und erklärte zum Beispiel, dass an dieser historischen Stätte einst kein Geld vorhanden war, um einen Turm bauen zu können. Bild: wpt

Stadtheimatpflegerin Beate Wolters steht im Mittelgang einer großen Kirche. "Betrachten Sie die barocken Kunstwerke und Fresken, die Sie umgeben! Es ist unbeschreiblich, wie so viel Pracht auf so engem Raum existieren kann", schwärmt die Kunsthistorikerin.

Amberg. (wpt) Wolters und ihre Zuhörer befinden sich inmitten der Georgskirche. Die Führung, an der sie teilnehmen, ist Teil der seit Jahren beliebten Veranstaltungsreihe "Kirche und Wirtshaus mit Pfiff". Neben St. Georg wird auch noch das ehemalige Franziskaner-Kloster besichtigt, das heute aus Theater und Casino besteht. Auch die als Industriedenkmal geltende Dampfmaschine der ehemaligen Malteserbrauerei ist Ziel.

Im Innenraum des Gotteshauses geht Beate Wolters genauer auf die Elemente ein. "Die barocke Kunst hat mehrere wesentliche Aufgaben. Zunächst soll sie den Menschen mit ihrer Pracht aus dem Alltag entrücken", erklärt sie. "Die Kirche wurde in gewisser Weise modernisiert. Die Gotik will in die Höhe und das Barock in die Breite. Deshalb wurden die ganzen Verzierungen angebracht, um die Kirche breiter wirken und die spitzen Elemente wie die Fensterbögen runder erscheinen zu lassen."

Jesuiten ab 1628


Um das zu verstehen, müsse man wissen, wem die Kirche gehörte. Amberg wurde zunächst reformiert, dann nach der Niederlage von Friedrich V., dem sogenannten Winterkönig, wieder katholisch. "1628 wurden die Jesuiten mit dieser Aufgabe betraut", beschreibt Beate Wolters.

Kaum ein Besucher des Stadttheaters oder des Casino-Wirtshauses sei sich heutzutage noch besonders bewusst, dass der Boden, auf dem er steht oder sitzt, einst ein Franziskanerkloster war. "Auf der Höhe des heutigen Theaters befand sich damals das Kirchenschiff, der Altar ungefähr auf der Höhe des heutigen Wirtshauseingangs", erklärt Hans Graf. Dass das Kloster 1455 gegründet wurde, belege eine Tafel am Äußeren des Gebäudes.

Da die Franziskaner ein Bettelorden waren, hat die Kirche auch keinen Turm. Lediglich ein Dachreiter ziert den Giebel. Nachdem das Kloster während der Säkularisierung aufgelöst wurde, ersteigerte es die Familie Bruckmüller im Jahr 1803. Ab diesem Punkt befand sich dann das Wirtshaus "Zum König von Bayern" im heutigen Casino-Saal. Seinen eigentlichen Namen bekam das Gebäude um 1830, als es von der Casino-Gesellschaft aufgekauft wurde.

Zunächst ein Herrenclub


Diese Theatergesellschaft betrieb dort einen Herrenclub und veranstaltete prunkvolle Bälle. "Unser heutiges Wirtshaus ist angesichts der Geschichte des Gebäudes eigentlich erst relativ kurz das, was es heute ist", erklärt Hans Graf.

Nach Beendigung des Klosterlebens war dort zunächst eine Markthalle. Erst ab den 20er-Jahren sei der Raum zum Wirtshaus umfunktioniert und die dunkle Täfelung angebracht worden. Gleiches gelte für die etwas älter wirkenden Buntglasfenster.
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