Kirwagemeinschaften unterstützen Integration
Anbandeln mit den Flüchtlingen

Die im Raum Amberg-Sulzbach geleistete Integrationsarbeit zieht Kreise - auch unter dem Kirchweihbaum. Zwei Kirwagemeinschaften haben sich zusammengetan, um Flüchtlingshelfer zu unterstützen. Bild: upl
 
Integrationsarbeit beim Feierabend-Seidel (von links): Michael Gradl, Andreas Lobenhofer (beide Kirwaverein Traßlberg), Alexander Seitz, Florian Feldmann (beide Kirwaverein Ammersricht), der ehemalige Kirwabursch Dr. Tobias Riedl und Anton Bruckmüller. Bild: hfz
Amberg: Brauerei Bruckmüller |

Der Bandltanz in Ammersricht steht wie ein Symbol für die Kirchweihen in der Region. Heimatverbundenheit und Traditionspflege haben sich die Kirwapaare auf die Brust geheftet. Doch heuer bandeln die Burschen und Moidln mit Flüchtlingen an.

Die Idee entstand aus einer Bierlaune. Im August vergangenen Jahres, als es den ersten großen Ansturm von Flüchtlingen über die Balkanroute gab, nahmen die Kirwaburschen aus Traßlberg Kontakt mit Brauerei-Chef Anton Bruckmüller auf. "Wir haben zusammen nach einem sozialen Projekt gesucht, das wir unterstützen können", erzählt der Amberger. "Das Thema Flüchtlinge lag da natürlich auf der Hand."

Am besten beim Bier


Es gab ein paar Telefonate zwischen dem Bräu und den Kirwaleuten. Sie holten Anne Kuchler, die Flüchtlingsberaterin der Caritas, und auch noch die Kirwagemeinschaft Ammersricht ins Boot. Und schon war das Hilfsprojekt im Zeichen des Kirwabaumes geboren. "Wir als Kirwaverein stehen ja ein für die Brauchtumspflege und wollen diese gerne der Gemeinschaft vermitteln", erklärt Stefan Weber aus Traßlberg. "Daher fanden wir, die beste Integrationshilfe ist es, den Flüchtlingen aus fremden Kulturen natürlich die Brauchtümer der Region vorzustellen." Die Kirchweih eigne sich dazu hervorragend. "Gerade in lustiger Gesellschaft lässt sich doch Integration am besten bewerkstelligen", zeigt sich Weber überzeugt.

Mehr als nur feiern


Das sehen die Burschen aus Ammersricht genauso. "Anton Bruckmüller hat uns auf die Spendenaktion aufmerksam gemacht. Wir fanden das Konzept vom ersten Moment an gut", sagt der Vorsitzende der Ammersrichter Kirwagemeinschaft, Florian Feldmann. "Wir wollen die vielen ehrenamtlichen Helfer, die maßgeblich an der Integration beteiligt sind, finanziell unterstützen. Zum anderen wollen wir nicht tatenlos zusehen und uns, so gut wir können, einbringen. Kirwa kann viel mehr als nur feiern." Feldmann hat für die Kirwa in Ammersricht (23. bis 25. April) bereits eine Einladung ausgesprochen. "Wir stehen schon in Kontakt mit den bei uns untergebrachten Flüchtlingen. Wobei es natürlich noch gewisse Sprachprobleme gibt."

Anne Kuchler von der Caritas ist voll des Lobes: "Ich war wirklich positiv überrascht, wie viel Energie die Kirwaleute in dieses Projekt stecken." Ihr kommt besonders entgegen, dass die Kirwaleute so zielgerichtet Spenden sammeln wollen, "die wir für die praktische Arbeit, zur Unterstützung der ehrenamtlichen Projekte gut gebrauchen können".

Für Kuchler ist die Aktion auch Beleg dafür, dass die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung nicht nachgelassen hat. "Freiwillige Helfer, die sich für Flüchtlinge einsetzen, sollten sich nicht verunsichern lassen", sagt sie. "Hilfe ist notwendig. Und die Integration kann nur gelingen, wenn viele mithelfen."

Nun gilt es, Spenden zu sammeln und weitere Unterstützer zu gewinnen. "Wir freuen uns über jede Kirwagesellschaft, die sich anschließen will", gibt Bruckmüller die Marschrichtung vor. Wer sich in das Kirwa-Flüchtlings-Netzwerk einklinken möchte, kann sich an das Brauereibüro in Amberg (09621/4 88 00) oder an Anne Kuchler von der Caritas wenden. Sie ist unter der Telefonnummer 09621/ 47 55 15 erreichbar.
Wir finden, die beste Integrationshilfe ist es, den Flüchtlingen aus fremden Kulturen natürlich die Brauchtümer der Region vorzustellen.Stefan Weber, Kirwagemeinschaft Traßlberg
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