Michael Schittko eröffnet Schießl-Wirtshaus
Prost auf das Stammlokal

Der neue Pächter des Schießl-Wirtshauses, Michael Schittko (links), stößt mit seinen ersten drei Stammgästen Manfred Kalb, Gerhard Schubert und Harry Paulus (von links) auf die Wiedereröffnung und die Zukunft an. Bild: Huber

Sogar die Krüge der Stammgäste hängen noch am selben Platz. Als Michael Schittko am Freitag als frischgebackener Wirt des traditionsreichen Schießl-Wirtshauses Punkt 10 Uhr aufsperrte, war alles so wie es die Gäste lieben: einfach wie immer.

Michael Schittko positionierte noch Blumenschmuck. Ein Besucher rauchte im Innenhof eine Zigarette zu Ende. Schließlich nahmen die ersten drei Stammgäste die Plätze ein, die sie schon immer besetzt hatten. Bedienung Conny Kugler schenkte aus. In allen Gesichtern spiegelten sich Glück und Erleichterung, den Rest erfuhr man am Tisch: "Die letzten drei Monate, das war vielleicht eine blöde Zeit", sagte Peter Hammer (62). Sein Tischnachbar pflichtete ihm bei. "Gell, wir haben uns überhaupt nicht mehr gesehen", so Manfred Kalb und trank einen Schluck.

Der Grund für die Misere der Stammgäste war, dass ihr Lokal geschlossen hatte. Inhaber Michael Schießl machte das Wirtshaus aus privaten Gründen zu und fand in seinem Nachbarn, Metzgermeister Michael Schittko, einen würdigen Nachfolger.

Dieser betonte auch am Eröffnungstag: "Ich werde hier nichts ändern. Es soll genauso weitergehen wie bisher." Und das gefiel auch den Gästen. "Ich konnte es kaum erwarten, dass wieder aufgesperrt wird", sagte Manfred Kalb, einer der ersten Gäste am Tag der Wiedereröffnung. Abends werde er auch wieder kommen. "Ich hab' einen Tisch für meine Spezln und mich reserviert." Und samstags gehe er sowieso immer vormittags zum Schießl. Das sei Pflicht. Der Mann, der seine Arzttermine nach den Öffnungszeiten des Wirtshauses legte, erinnerte sich noch genau an den letzten Tag vor der Schließung. Die Zukunft der Gaststätte war zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss: "Als ich mich von dem Personal verabschiedet habe, hatte ich wenig Wasser in den Augen", gibt der 52-Jährige unumwunden zu.

"Geschockt und traurig", war Gerhard Schubert, ebenfalls Stammgast aus der Runde, als ihn die Nachricht vom Schießl-Aus erreichte. Für Harry Paulus, der sich die Räume als ehemaliger Abteilungsleiter im Kaufhof bereits 1972 als Stammlokal auserkor, war es besonders wichtig, dass die Tradition erhalten bleibt. "Es gibt doch so viele Traditionsgaststätten, die leider zumachen müssen." Conny Kugler arbeitete seit 2007 in der Unteren Nabburger Straße.

"Unsere treue Seele", hörte man vom Stammtisch, und sie lächelte. "Drei Wochen habe ich schon gebraucht, bis ich realisiert habe, dass der Schießl zugemacht hat", erinnerte sie sich zurück. Aber jetzt ist dieser Abschnitt Teil der Geschichte des Wirtshauses. Und es gibt wieder allen Grund, zum Schießl zu gehen. Denn dort warten die Freunde. Wie immer.
Das Schießl-Wirtshaus gehört zu Amberg und wir gehören zum Schießl.Stammgast Manfred Kalb


Historie des Schießl-WirtshausesDas Anwesen in der Unteren Nabburger Straße 8, in dem das Schießl- Wirtshaus untergebracht ist, stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert. Die Liste der Vorbesitzer reicht bis 1571 lückenlos zurück. Seit 1617 ist das Anwesen mit dem Braurecht von Kurfürst Friedrich Wilhelm V., dem späteren Winterkönig, ausgestattet.

Im 18. und 19. Jahrhundert war der Hausname Drahtmüller, da der damalige Besitzer zugleich Eigentümer des Drahthammer war. 1894 erwarb Michael Schießl (1852 bis 1912) das Anwesen. Seit dieser Zeit bewirtschaftete die Familie Schießl das Anwesen (bis 1994 auch mit Brauerei).

Am 7. März 2004 wurde das Haus durch einen Großbrand fast völlig zerstört. Nach fast dreieinhalbjähriger Wiederaufbau- und Restaurierungszeit konnte das Wirtshaus im August 2007 wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Die Stadt Amberg würdigte 2008 die vorbildliche Sanierung des Anwesens mit der Verleihung des Wolfgang-Dientzenhofer-Preises. (roa)
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