Migranten und Einheimische machen gemeinsame Sache
Interkultureller Schrebergarten

Ohne Fleiß kein Gartenbeet: Kräftig schaufeln die jungen Leute, schließlich wollen sie ihr Gemüse selbst ziehen. Bild: Steinbacher

Was daraus wird? Andrea Rausch und Oliver Endres wissen es noch nicht. Die Sozialpädagogen vom CJD-Migrationsdienst stehen vor einem brachliegenden Areal an der Vils, das an die Umweltscheune auf dem Landesgartenschaugelände grenzt. Die beiden warten.

Amberg. (san) Sie sind gespannt, wie viele kommen werden. Astrid Knab, die sich ebenfalls für das Projekt Jugendgarten engagiert, ist den Schotterweg in Richtung Jugendzentrum Altes Klärwerk gegangen. Dort wartet sie auf alle, die diesen Garten zum Leben erwecken sollen. "Die Jugendlichen sollen selber sagen, was sie machen sollen", sagt Andrea Rauch. Deswegen hat Oliver Endres auch ein Flipchart mitgebracht. Darauf sollen die Ideen notiert werden, die in der Runde geboren werden.

Klar ist, dass im Garten natürlich etwas angebaut werden soll. "Zum Beispiel Tomaten", stellt sich Knab vor. Die Lintacherin hatte im Vorfeld bereits mit einigen Interessenten gesprochen. "Sie haben auch Avocados und Bananen vorgeschlagen", erzählt sie lachend. Doch die werden in diesen Breitengraden wohl kaum gedeihen. Diese Früchte aber kennen viele der jungen Menschen aus ihrer Heimat. Denn das Projekt richtet sich an Migranten. Aber nicht nur an sie. Willkommen sind auch Einheimische. Entstehen soll eine Art interkultureller Schrebergarten.

Stockbrot zum Auftakt


Andrea Rausch und Oliver Endres haben vorsorglich eine Feuerschale und Brennholz mitgebracht. Denn nach der Stoffsammlung der Ideen soll's gemütlich werden - bei Stockbrot am Lagerfeuer. "Es soll ein Treff im Grünen werden", sagt die Sozialpädagogin. Das Stück Land, auf dem die grünen Gedanken umgesetzt werden sollen, gehört der Stadt. Momentan firmiert das Projekt noch unter dem Namen Jugendgarten Amberg - aber wer weiß, vielleicht haben auch dafür die Jugendlichen eine zündende Idee. Astrid Knab kehrt zur Umweltscheune zurück. Im Schlepptau hat sie 15 junge Migranten, die Interesse haben, sich einzubringen.

Geworben wurde für das Projekt in den Berufsschulklassen für Flüchtlinge, in der Wohngruppe für unbegleitete Minderjährige, im Kolping-Sprachkurs und in den Übergangsklassen der Luitpoldschule. Und die Pfadfinder von St. Georg haben ebenfalls schon zugesagt, sich einzubringen, freut sich Andrea Rausch. Ein wichtiger Projektpartner ist die Umweltwerkstatt. Auch die Stadtgärtnerei will die angehenden jungen Hobbygärtner unterstützen. Deshalb ist deren Chef Norbert Wellnhofer gekommen. Ob Fräsen der Beete oder Mähen des Geländes: Der Leiter der Stadtgärtnerei sichert Hilfe zu.

Zaun als erste Aufgabe


Erste Aufgabe der jungen Leute ist es, den Jugendgarten einzuzäunen. Dabei bekommen sie professionelle Hilfe vom Forstrevier Burglengenfeld der Bayerischen Staatsforsten. "Deren Azubis machen mit", freut sich Endres. "Das wird eine ganze Woche dauern, das ist die erste große Aktion." Angedacht ist, einen alten Wohnwagen oder einen ausrangierten Bauwagen auf dem Areal zu parken - als Domizil für die Beteiligten.

"Es soll ein wirklicher Treff entstehen", sagt Andrea Rausch. Doch sie, ihr Kollege Oliver Endres und Astrid Knab wollen erst einmal abwarten, welche Ideen die Beteiligten noch haben und wie sie es sich vorstellen - schließlich soll es ja ihre 500 Quadratmeter große neue Heimat sein.

Wie Stadtgärtnerei-Chef Norbert Wellnhofer erklärt, gehörte das Gelände neben der Umweltscheune wie die Scheune einst zum Ausstellungsbeitrag des Landwirtschaftsministeriums während der Landesgartenschau vor 20 Jahren. Auf dem Areal weideten damals Schafe, wurden verschiedene Getreidesorten vorgestellt. Später dann wurde es umfunktioniert zu einem Wildkräuterpfad.

"Schön, dass ihr gekommen seid", sagt Oliver Endres, als er in die Runde der Jugendlichen blickt. Sie haben Bierbänke aus der Umweltscheune geholt und machen es sich im Kreis auf der Wiese, die mal ihr Jugendgarten werden soll, gemütlich. "Wir werden viel mit euch hier sein", kündigt Astrid Knab an.

Ideen am Lagerfeuer


Ein Blick genügt, um zu sehen, dass ganz viel zu tun sein wird. Das fängt beim Mähen an und hört beim Anlegen von Beeten noch lange nicht auf. Doch genau deswegen sind die Jugendlichen hier. Bei Stockbrot am Lagerfeuer können sie Ideen entwickeln, wie sie es sich vorstellen. Beim nächsten Treffen packen die jungen Leute dann schon tatkräftig mit an.

Sie greifen zu den Spaten und stechen ein mit Trassierbändern abgestecktes Fleckchen Erde um - entstehen soll ein Beet. Sie urbanisieren ein erstes Stück Wiese, sie pflanzen Salat an und kochen eine Suppe am Lagerfeuer. Zu tun gibt es viel, als nächstes Projekt ist der Zaunbau dran.

Helfer und WerkzeugDas Projekt Jugendgarten richtet sich nicht nur an junge Migranten, sondern auch an interessierte Einheimische. Gesucht werden nicht nur zupackende Mitstreiter, sondern auch Betreuer, die sich um die Jugendlichen ein bisschen kümmern. Diesbezüglich wurde bereits über die Freiwilligenagentur Amberg ein Aufruf gestartet, erklärt Andrea Rausch vom CJD-Migrationsdienst aus Sulzbach-Rosenberg.

Um in ihrem Jugendgarten werkeln sowie Obst und Gemüse anbauen zu können, benötigen die jungen Menschen zudem Werkzeug. Wer Exemplare hat, das er nicht mehr braucht und abgeben möchte, kann es dem CJD-Migrationsdienst in Sulzbach-Rosenberg (09661/9434) anbieten. Ebenso gerne werden auch gespendete Pflanzen und Sträucher angenommen. (san)


7000 Euro als Förderung für Jugendgarten"Es war ganz klar ein Vorteil, dass wir schon sagen konnten: Wir haben ein Grundstück", erklärt Andrea Rausch. Denn mit dem Jugendgarten Amberg bewarb sich der CJD-Migrationsdienst um eine Aufnahme im Projekt "Umweltbildung und Bildung zur Nachhaltigkeit in der Jugendsozialarbeit", das durch das bayerische Umweltministerium gefördert wird. Bewilligt wurde eine Förderung von 7000 Euro. "Wir sind die Einzigen, die die volle Fördersumme bekommen haben", freut sich Oliver Endres vom CJD-Migrationsdienst. Ziel ist, dass die Jugendlichen das Areal nutzen, um Gemüse und Obst anzubauen, dass sie sich mit Umweltthemen befassen und die dortigen Obstbäume hegen und pflegen. Sie sollen zudem Nachhaltigkeit beim Umgang mit Energie (Klarkommen ohne Strom) und Wasser (zum Gießen muss es aus der Vils geholt werden) lernen. (san)
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