Musik aus zweiter Hand
Erster Nachtflohmarkt im Musikomm

Annegret Weiß und Helga Kustner (von links) hatten zu Hause aussortiert: Langspielplatten, Bücher und alte Radios legten sie auf ihren Verkaufstisch.

Die alte Blockflöte aus der Grundschulzeit, die Diatonische aus dem Keller, auf der man sowieso noch nie spielen konnte, oder die CD der Lieblingsband, die früher das Leben war, aber heute einfach nicht mehr zum Musikgeschmack passt: Beim Nachtflohmarkt im Musikomm erzählten die Verkäufer gerne Geschichten.

Als am Freitagabend um 18 Uhr zum ersten Mal die Pforten für diese Veranstaltung geöffnet wurden, drängten sich die Besucher um die Verkaufstische. Der Sound dazu kam aus der Jukebox. Auch sonst drehte sich vieles um die Musik. Die Verkäufer brachten hauptsächlich Platten, Kassetten, Instrumente, Videos oder CDs mit, allerdings waren auch andere Gegenstände aus Kunst und Krempel erlaubt.

Leute suchen gezielt


Veranstalterin Sophie Meier-Rastl, Eventmanagerin vom Amberger Kulturwerk, bezeichnete sich selbst als "leidenschaftliche Flohmarkt-Gängerin". Mit der Resonanz auf den Basar, dem ersten seiner Art im Musikomm, war sie vollauf zufrieden. "Die Leute suchen meistens etwas Bestimmtes", urteilte Helga Kustner über die Kunden, die sich durch die Tonträger wühlten. Sie hatte alte Radios, Tonbandgeräte und jede Menge Langspielplatten auf dem Tresen. "Ich gehe sonst nie auf den Flohmarkt", sagte die Hahnbacherin. Von diesem Musik-Basar habe sie aus der Zeitung erfahren und sich sofort angesprochen gefühlt. Da ihr Mann alte Radios sammle, sei sie mit der Idee bei ihm auf offene Ohren gestoßen. "Und ich habe sogar einen verkauft", freute sie sich.

"Loslassen können"


"Man muss loslassen können", sagte Erika Brönner. Behutsam richtete sie ein Couchensemble in Puppengröße an. Auf den Miniatur-Holztisch platzierte die Ambergerin eine Tischdecke, selbst genäht aus Gardinenstoff. "Mit dem habe ich als Kind gespielt", erzählte sie und deutete auf eine weitere Rarität: "Paradekissen. Das ist die Aussteuer meiner Schwiegermutter gewesen." Annette dagegen pries ihre selbstgemalten Bilder an. "Kaufen Sie doch eines. Nur 50 Euro das Stück", betonte sie. Ihre bisherigen Einnahmen reduzierten sich auf den Verkauf eines Papageien-Puzzles aus ihrer Kindheit.

Tischnachbar Heiner hatte echte Raritäten auf dem Tisch: Sein Lieblingsstück ist eine Richard-Wagner-Maske. Aber auch goldene Taschenuhren fanden sich in seinem Angebot. Er selbst blies zwischendurch Klezmer-Stücke in die Klarinette - auch davon verkaufte er einige. Am Tisch von Gerd Kaiser reihten sich Kellerfunde aneinander. Besonders stolz sei er auf die Diatonische, "eine echte Hohner". Aber spielen könne er sie leider nicht, deshalb benötige sie einen neuen Besitzer.

Was für die einen alt und unnütz gewesen ist, wechselte an diesem Freitagabend in neue Besitzerhände. Von noch größerem Wert waren allerdings die Geschichten, die sich zum Teil hinter den Waren versteckten.
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