Peter Fochtner betreut über 70 Kilometer Wanderwege
Der Wegweiser

Peter Fochtner betreut rund 73 Kilometer Wanderwege rund um den Markt Schmidmühlen (Kreis Amberg-Sulzbach).
     
Verblasste oder zerschlissene Markierungen ersetzt Peter Fochtner häufig. Für einen Plausch mit Passanten bleibt dabei immer Zeit.

Wandern hat sein angestaubtes Image verloren. Wo früher "Wandervögel" mit Kniebundhose und Spazierstock unterwegs waren, marschieren nun Outdoorer in Funktionskleidung. Damit sich die modernen Pfadfinder nicht verlaufen, gibt es Menschen, die Wege markieren und nach dem rechten schauen - wie Peter Fochtner aus Schmidmühlen.

"Servus, i bin da Peter." Peter Fochtner begrüßt seinen Gastwanderer. Der Umgangston ist unkompliziert und herzlich. "Wenn wir schon miteinander wandern, bleiben wir gleich beim 'Du'." Seit zwölf Jahren betreut der 67-Jährige Wanderwege rund um den Markt Schmidmühlen (Kreis Amberg-Sulzbach) und begleitet Touren.

Als Wegemeister im Fränkischen Albverein und Wegewart für den Heimat- und Kulturverein Schmidmühlen sorgt der Pensionär dafür, dass Wanderer problemlos den Weg finden. Er markiert die Routen mit Hinweisschildern, geht die Strecken in regelmäßigen Abständen ab, und kümmert sich um die Sicherheit auf der Strecke. Bei seinen geführten Touren für Senioren, Kinder und Kulturinteressierte zeigt er nicht nur die Schönheit der Natur rund um den Markt am im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach. Peter Fochtner ermöglicht mit seiner Funktion im Verein und den guten Kontakten zu den Verantwortlichen für den Truppenübungsplatz Hohenfels auch regelmäßig Wanderungen in das ansonsten abgeriegelte Sperrgebiet.

Umhängetasche als Marschgepäck


"Gemma, pack mas." Peter Fochtner greift zur schwarzen Umhängetasche. Für die geplante Tour mit dem Gast reicht das kleine Marschgepäck: Plastikschilder, Aufkleber und eine Rosenschere. Ziel des kurzen Ausfluges ist ein Teilabschnitt des Jurasteigs. Eine der 13 Etappen des 237 Kilometer langen Qualitätswegs führt im Zuständigkeitsbereich von Fochtner durch das Vils- und Lauterachtal. "Den 15er, 16er und 17er mach ma a anders mal. Heit gehts in den Blaugrund." Der 67-Jährige hat alle Namen, Nummern und Markierungen der Routen im Kopf. Er ist rund 70 Stunden pro Jahr auf den Wegen unterwegs, braucht keine Karten oder GPS-Tracks (Digitale Kartenführung).

"Da bleibm, Lucky." Fochtners Hund wird nervös. Der Magyar-Vizsla-Mischling möchte mit. Darf aber nicht. Im Frühling ist zu viel Wild unterwegs in den Wäldern rund um Schmidmühlen. Wandern, Wege markieren und zusätzlich auf den Jagdhundmischling aufpassen, geht einfach nicht. Fochtners Einsatz für die Wanderwege ist eben nur Teil seiner Naturverbundenheit und des bewussten Umgangs mit Flora und Fauna. Außerdem ist Hund Lucky trotz seiner imposanten Größe eher ein "Kuschelhund". "Letztens hamma an Fuchs troffen. Da hot se der Lucky gscheit erschreckt."

"Links umme!" Fochtners Weg führt in Richtung Rathaus. Davor steht eine Tafel, die im Erholungsort Schmidmühlen auf die Wanderwege hinweist. Wie ein Spinnennetz liegen Routen rund um den Ort. Eigentlich, berichtet Fochtner, sollte man da schon mal eine neue Tafel aufstellen. Und auch auf Unterkünfte, Gasthäuser oder Sehenswürdigkeiten hinweisen. "Nur ein Weg allein reicht schon lange nicht mehr." Fochtner weiß, dass sich die Menschen auf den Strecken auch für Geschichte und Kultur interessieren. Bei seinen Touren, die er für den Heimat- und Kulturkreis Schmidmühlen organisiert, geht es auch vorbei an Kirchen, Kapellen und Ruinen. Die Teilnehmer wollen etwas wissen zu den Gebäuden, haben Fragen zur Geschichte, und sie freuen sich über Anekdoten aus der Region. Fochtner berichtet von einer Tour in der Nähe des Rauhen Kulms, die er vor kurzem selbst gemacht hat. Entlang der Strecke gab es Informationstafeln zur Geschichte und Landschaft. "Mia hom alle durchglesen."

Nasenmarkierung war gestern


"Des geijt goa niad." Bereits kurz nach dem alten Schloss, in dem das Rathaus untergebracht ist, führt der Weg auf einem eisernen Steg über die Lauterach. Die Markierung, die den Wanderern die Richtung weisen soll, ist schwer zu erkennen, der Aufkleber schon arg mitgenommen. Der Wegewart ist vorbereitet, greift in die Tasche und holt einen neuen Aufkleber heraus. Auf Metall, so berichtet er, sei das kein Problem. "Ohzeijgn, Owawuzln, draufklebn." Problematischer sind Bäume. Fichten und Kiefern mit ihrer groben Rindenstruktur stellen immer wieder eine Problem dar. Fochtner hält dann nach Buchen und Eichen in der direkten Umgebung Ausschau. Früher habe man mit einer Schablone und Farbe gearbeitet und Bäume markiert. Wind und Wetter hätten den Hinweisen aber so stark zugesetzt, dass man dauernd unterwegs war. Ein wetterfestes Plastikschild ist mittlerweile die erste Wahl als Marker. Nicht nur das Material hat sich geändert. Auch die Strategie der Beschilderung ist Entwicklungen unterworfen. Die sogenannte Nasenmarkierung ist der Ohrenmarkierung gewichen. Hatte man noch vor Jahren nur ein einziges Schild am Wegesrand angebracht, das man nur erkannte, wenn man direkt draufschaut - sozusagen mit der Nase drauf gestoßen ist - sollen es heutzutage zwei Schilder sein. Eines rechts und eines links. "Wo auch die Ohren am Kopf sind." Trotzdem kämen ab und zu Klagen, weil Wege vermeintlich mangelhaft oder schlecht beschildert seien. "A wengal aufpassen, moußt halt scho a beim Wandern."

"Owacht!" Fochtner bleibt kurz stehen, er hat eine Blindschleiche, die den Wanderweg quert, entdeckt. Für den 67-Jährigen gehören solche Momente zu den schönsten auf seinen Touren. Heimat und Natur gehören für ihn zusammen. Wenn Gäste hierher kommen und die Strecken gehen, erzählt er, seien sie begeistert von der Ursprünglichkeit und Naturbelassenheit der Region. Entlang eines Wegabschnittes, habe er sogar selbst Arnika gesammelt und eine Tinktur daraus hergestellt. Gegen Muskel-und Gelenkschmerzen. So wie es früher viele gemacht haben. Großstädter, die die Strecken nur ablaufen, kennen das nicht mehr. Der Weg führt entlang zwischen durch einen lichten Wald, Moos hat umgestürzte Bäume überwuchert. Im Sonnenlicht, das durch die Baumkronen des "Urwalds" fällt, leuchten die weißen Blüten vom Sauerklee und das Blau der Veilchen. Ob diese Blumen dem Tal den Namen Blaugrund gegeben haben, ist nicht überliefert. "Owa stimma, dad des schoo." Peter Fochtner grinst und geht weiter.

"Waldarbeiten" am Wegesrand


"Woad amal." Der Wanderwegewart greift in seine Umhängetasche und greift zur Rosenschere. Auch wenn es durch nahezu unberührte Natur geht. Der Weg soll nicht überwuchert werden. Die Triebe eines Holunderstrauches sind wegen der Regenfälle der vergangenen Wochen "ins Kraut geschossen" und beginnen ein schmales Wegstück schwer passierbar zu machen. Fochtner stutzt die Äste auf die nötige Länge. Auf einem Qualitätsweg wie dem Jurasteig soll nicht nur die Strecke abwechslungsreich sein, sondern auch gut begehbar. Da müsse das ab und zu sein, dass man einen scharfen Schnitt ansetzt. Ein Sturm, der vor wenigen Wochen über die Region gefegt ist, hat sowieso dazu geführt, dass manche Bäume umgestürzt seien und Teile des Weges blockiert haben. Dann helfen Mitarbeiter des Marktes Schmidmühlen und rücken mit schwererem Gerät an. "Mit der Motorsäge im Rucksack wandert es sich schlecht", lacht Fochtner. Bauhof und Marktgemeinde seien sowieso immer bereit, mit anzupacken und beispielsweise mit dem Balkenmäher ein Wegstück freizulegen.

"A guads Bankerl homma dou." An einer Kreuzung steht eine Holzbank mit zwei verschiedenen Markierungen. Viele Wege führen um Schmidmühlen. Fast schon zu viele, wie Fochtner meint. Man dürfe das auch nicht überfrachten. Wenn sich keiner mehr zurechtfinde mit Nummern, Symbolen, Wegen und Strecken geht der Spaß verloren. Manche der Routen seien aus diesem Grund "deaktiviert". Nur Einheimische oder Wanderer mit alten Karten gehen dann diese Strecken noch. Wie beispielsweise zu einer Burgruine, die so versteckt im Wald liegt, dass manche Einheimische noch nicht einmal wissen, wo das ist. Für die Tour, auf der Fochtner heute unterwegs ist gelten Kriterien um das begehrte Siegel eines Qualitätsweges zu erreichen. In regelmäßigen Abständen müssen Bänke oder Rastplätze eingerichtet sein, die Markierungen müssen gut sichtbar sein, und das Wegenetz an Zu- und Abwegen sowie an Schlaufen darf nicht maßlos sein. "Und a Wirtshaus sollt a am Weg liegn."

"Dou kumm her!" Am Tor zum Wohnhaus begrüßt Peter Fochtner seinen Hund. Lucky freut sich, dass sein Herrchen wieder zurück ist. Im Garten gibt es Streicheleinheiten für den Vierbeiner und Mineralwasser für den Wandergast. Wieder ist ein kleines Stück der 73 Kilometer an Wegen, die Peter Fochtner betreut, bewandert, markiert und in Schuss gebracht. Die nächsten Touren stehen schon an. Das Fotobuch, in dem der 67-Jährige alle geführten Touren, Senioren- und Kinderwanderungen im Ferienprogramm sowie seine beliebten Kirwawanderungen dokumentiert, hat noch einige freie Seiten. Wie lange er das noch macht? "Solang es Spaß macht."

Infos und Linktipps


Rund um Schmidmühlen betreut Peter Fochtner 73 Kilometer Wanderwege. Dazu gehören:

  • Wanderweg 15: Hammerberg
  • Wanderweg 16: Simandl
  • Wanderweg 17: Henglkapelle
  • Wanderweg 20: Emhof
  • Albrand Wanderweg
  • Jurasteig
  • Wacholder Wanderweg
  • Vilstal Wanderweg


Zu den Arbeiten, die er als sogenannter Wegemeister erledigt, zählen Kontrolle und Ersetzen von schwer lesbaren oder verschwundenen Wegmarkierungen, Prüfen der Strecken auf Begehbarkeit und das Aufstellen von neuen Markierungspfosten.

Für den Heimat-und Kulturverein organisiert und leitet Fochtner Touren für Kinder oder Senioren, organisiert Themenwanderungen sowie die Kirwawanderungen.

Infos zum Jurasteig
Kriterien für einen "Qualitätsweg
Wege um Schmidmühlen
Bericht über Kirwawanderungen
Naturpark Hirschwald
Tourenbeschreibung zur Wanderung Blaugrund
Fränkischer Albverein
Oberpfälzer Waldverein
Bayerischer Waldverein
Wanderbares Deutschland
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