Sportcafe wird dem Erdboden gleichgemacht
Das Parapluie ist Geschichte

Jeder Pokal erzählt eine Geschichte. Nicht nur Billard-Tische und Dart-Automaten ziehen um, sondern auch die Trophäen, die die Sportler gesammelt haben (von links): Peter Ritter (Dart-Liga), Wirtin Beate Götz, Erwin Stangl (Poker-Club), Stefan Schmidt (Steel-Dart), Wolfgang Breitschaft (Dart-Liga) und Hermann Degel (Pool-Billard).
Freizeit
Amberg in der Oberpfalz
01.04.2016
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Amberg: Parapluie |

Zwischen Berufsschule und Gregor-Mendel-Gymnasium ist eine Ära zu Ende gegangen: Das Parapluie hat endgültig zugesperrt. Wo sich mehr als 20 Jahre lang Billardspieler, Darter und Pokerrunden trafen, werden schon bald nur noch Autos parken.

Alle sind sie gekommen, alle verdrücken sie eine Krokodilsträne: "Hier war unser Zuhause", sagt der Chef des Steel-Dart-Vereins, Stefan Schmidt am letzten Öffnungstag des Parapluie. Er und sein Team müssen sich eine neue Heimat suchen, denn von dem Sportcafé in der Raigeringer Straße soll in ein paar Wochen nichts mehr übrig sein. Die Stadt hat das Gebäude Ende 2014 gekauft, um es abzureißen. Auf dem Gelände sollen Parkplätze entstehen.

"Was wir hier alles erlebt haben, passt auf keine Kuhhaut", sagt Schmidt. Er spricht auch für die anderen Vereine, die die Gaststätte regelmäßig genutzt haben: Den Poker-Club Hot River 007, die Dart-Liga Amberg-Sulzbach und den Pool-Billard-Verein. Zwischen Zockern und Pfeilewerfern sind Freundschaften entstanden. Dartspieler Wolfgang Breitschaft zückt sein Handy. "Schauen Sie mal, was hier los war", sagt er und zeigt Bilder von legendären Faschingsfeiern mit der Rock-Band Eastwind oder von Karaoke-Abenden mit mehr als 800 Besuchern. Auch den Pokerfreunden hat es in der Kneipe gefallen. "Wir fanden es schön hier, weil wir mittendrin saßen", erklärt Hot-River-Frontmann Erwin Stangl. "Das hat dazu beigetragen, das Hinterzimmer-Image loszuwerden." Deswegen bleiben Stangl und die 60 Mitglieder des Poker-Clubs Wirtin Beate Götz auch treu. Die Parapluie-Pächterin hat bereits ein Nachfolge-Domizil gefunden, das wie gemacht für sie scheint: Die ehemalige Spielothek Kö in der Regensburger Straße. Götz mietet sich im ersten und zweiten Stock des in den 90er-Jahren errichteten Gebäudes gegenüber dem Multiplex-Kino ein, hat dann Platz für 14 statt für 9 Billard-Tische. "Das passt super für uns", zeigt sich die Gastronomin vom neuen Standort überzeugt. "Ob das neue Sportcafé wieder Parapluie heißt, steht noch nicht fest." Spätestens im Juli will sie Eröffnung feiern.

Bis dahin ziehen Poker-Club, Dart- und Billard-Spieler erst einmal in das Gasthaus Neumühle um, das der frühere Parapluie-Koch Tomy Lii-Husak übernommen hat. Die Darter werden wohl dauerhaft in dem Traditionswirtshaus am nördlichen Stadtrand bleiben. Wie Stadt-Sprecher Thomas Graml mitteilt, läuft derzeit die Ausschreibung für den Abbruch des Parapluie. "Der Auftrag soll noch im April vergeben werden. Ende April oder Anfang Mai ist dann der Abriss geplant." Im Anschluss werden soll das Areal so hergerichtet werden, dass etwa 100 Autos dort abgestellt werden können. Ein Provisorium, wie Graml anmerkt. Im städtischen Haushalt sind dafür rund 300 000 Euro eingestellt.

Ob das neue Sportcafé wieder Parapluie heißt, steht noch nicht fest.Wirtin Beate Götz
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