Unterwegs in der Kehl
Durch ein Paradies der Frühblüher

Ein Ort des stillen Gebetes ist die Kehlkapelle in der Waldeinsamkeit bei Höhengau. Bilder: Moser (3)
 
Anfahrt

Die Ausflüge in der Region starten in die neue Saison. Dieses Jahres beginnen wir mit einem Weg durch die Kehl bei Höhengau (Kreis Amberg-Sulzbach), wo zu dieser Jahreszeit der violette und weiße Lerchensporn unter dem noch lichten Dach des Waldes blüht.

Ausgangspunkt ist an der Dorfkapelle von Höhengau. Nicht gleich losstürmen, lautet jetzt der gute Rat. Zwischen riesigen Linden kann man auf einem Bankerl den weiten Blick ins Hahnbacher Becken genießen, die Landmarken Annaberg und Frohnberg suchen, Sulzbach und die beiden Windräder auf der Bernrichter Höhe entdecken.

Zuerst gehen wir über offenes Gelände mit einigen markanten Feldahornen. Hier war früher die Dorfhut von Höhengau. Der Weg führt entlang der Rhätsandsteinkante, wo früher Steinbrüche waren. Nach wenigen Minuten schon erreichen wir die Kehlkapelle. Aus einem pyramidenförmigen Sandsteinblock mit gut zweieinhalb Metern Höhe, hat 1749 der Bauer Johann Georg Winkler von Höhengau die Kapelle herausgemeißelt. Der Anlass für diese mühevolle Arbeit ist nicht mehr bekannt. Auf alle Fälle legte er damit den Grundstock für eine Wallfahrt. Spenden, man spricht von 40 bis 50 Gulden jährlich, landeten im steinernen Opferstock. Das missfiel dem Gebenbacher Pfarrer. Das darauf folgende Szenario mit Anzeige bei der Obrigkeit, Zumauern, Gnadenbild rauben und Bestrafung, gäbe Stoff für ein deftiges Bauerntheater.

Großer Artenreichtum


Das nun folgende Wegstück bitte langsam angehen. Ein Teppich von Lerchensporn breitet sich aus, Waldschlüsselblumen, Leberblümchen, Lungenkraut, Weiße und sogar Gelbe Buschwindröschen setzen Akzente dazwischen. Dieser Artenreichtum ist auf den fruchtbaren Schwarzjuraboden zurückzuführen, der bei Starkregen über die Hangkante abgeschwemmt wird. Die Wurzeln mächtiger Fichten, Bergulmen und Bergahornen umklammern die Felsen.

Nach etwa 30 Minuten kommen wir zum Kehlgraben mit seinem Bach, der im Laufe der Zeit bizarres und nun grün bemoostes Wurzelwerk freigeschwemmt hat. Nach dem Steg biegen wir rechts, verlassen die Rot-Kreuz Markierung und steigen Richtung Mimbach hangaufwärts durch einen Schluchtwald. Noch zwei kleine Stege gilt es zu überschreiten und wir kommen an die Waldgrenze, wo wir uns links halten. Wohltuender Kontrast nun auf einem Feldweg über weite Wiesenflächen mit Blick bis zu den Sandgruben von Atzmannsricht, die am Horizont erscheinen. Bald taucht der Bildstock "Maria Königin des Friedens" auf. Hier folgen wir dem Sträßchen hinunter nach Mimbach.

Wo die Teerstraße nach links biegt, gehen wir gerade weiter zwischen Maschendrahtzaun und Buchenhecke den Hang hinab. Unten an der Straße kurz nach rechts, dann leitet uns ein Schild mit der Rot-Kreuz Markierung links zum Mausberg weiter. Auf nahezu ebener Forststraße sind wir in etwa 20 Minuten an der Wallfahrtskirche Mariä Geburt. Leider können wir nur durch ein kleines Fensterchen an der hinteren Türe einen Ausschnitt des Kircheninnenraums sehen.

Den Kreuzweg nun hinunter in Richtung Gebenbach. Ob sie nun einen Abstecher hinauf in den Ort machen, ist der Frage geschuldet, ob die spätgotischen Fresken im Chorgewölbe der St. Martinskirche genügend Anziehungskraft besitzen.

Wellige Landschaft


Ansonsten folgen sie im Talgrund dem unmarkierten Weg nach rechts und halten sich nach 300 Metern links, am Wald entlang. In einer anmutigen, welligen Landschaft führt uns der Weg empor in Richtung einer einzeln stehenden Linde mit Flurkreuz. Vorher biegen wir jedoch rechts ab, halten direkt auf den Wald zu und marschieren auf einer Forststraße immer gerade aus weiter. Nach einem AOVE-Bankerl geht es halblinks hangaufwärts, dem Wegweiser Steiningloh folgend.

Kurz darauf erreichen wir den Kamm und folgen der Grün-Kreuz Markierung. Weit sind nun die Blicke in die Talsenke des Krumbachs und hinüber zum Tannachrücken, der im 572 Meter hohen Blauberg kulminiert. Schier endlos erscheinen die Wälder. Von dort drüben kommt auch ein Teil des Amberger Trinkwassers. Schon 1893 wurden die Urspringer Quellen gefasst, und seitdem fließt das Wasser in freiem Gefälle zum Hochbehälter "Am Anger" auf dem Mariahilfberg. Es ist ein aussichtsreicher Weg, im Norden der Monte Kaolino, im Süden der Mariahilfberg. Nun nur noch wenige Hundert Meter auf der Straße, dann sind wir wieder an der Kapelle in Höhengau.


Tipps zum AusflugAnfahrt: Von der Staatsstraße Amberg - Hirschau nach Steiningloh abbiegen und weiter hinauf nach Höhengau. Parkplätze direkt neben der Kapelle.
Strecke: Rundwanderung, ohne Abstecher nach Gebenbach knapp 10 Kilometer. Waldwege, Forststraßen und Wiesenwege, sehr fußfreundlich.
Festwoche:Die Mausbergfestwoche findet immer um den 8. September, dem Fest Mariä Geburt statt.
Sehenswürdigkeiten: Der heutige Kirchenbau der Mausbergkirche wurde in den Jahren 1753 bis 1755 errichtet. Der Hochaltar aus der Werkstatt des Amberger Schreinermeisters Bacher trägt ein Gnadenbild ähnlich dem vom Amberger Mariahilfberg. Das Deckengemälde im Nazarener Stil zeigt die Himmelfahrt Mariens.

St. Martin in Gebenbach geht in ihren Anfängen zurück bis in die Zeit der Karolinger. Von der Kirche des späten Mittelalters ist nur noch der Chor erhalten. Sehenswert in ihm sind die spätgotischen Fresken mit der Darstellung der Evangelisten.
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Georg K aus Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg | 10.04.2016 | 19:45  
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