100. Todestag des Amberger Tenors Max Schlosser: Ausnahmetaltent spielte in Uraufführungen von ...
"Unfehlbarer Meister" an Wagners Seite

Max Schlosser gilt auch heute - an seinem 100. Todestag - immer noch als musikalisches Ausnahmetalent aus der Oberpfalz. Bild: hfz

August - Sommer, Sonne, Festspielzeit in Bayreuth. Die Meistersinger von Nürnberg stehen in diesem Jahr nicht auf dem Spielplan auf dem Grünen Hügel. Dennoch ist das Jahr 2016 Anlass, an den Meistersinger von Amberg zu erinnern: Den Tenor Max Schlosser, dessen Todesjahr sich am Freitag, 2. September, zum 100. Mal jährt.

Max Schlosser verkörperte den Lehrbub David in der Uraufführung der "Meistersinger" am 21. Juni 1868 in München. Der Intendant der Hofoper, Freiherr von Perfall, hatte den bis dahin unbekannten Sänger dazu animiert, diese Partie Richard Wagner und dem Dirigenten Hans von Bülow vorzutragen. Sie waren beeindruckt, Schlosser wurde sofort engagiert. Er war von 1868-1904 Mitglied der Hofoper, des heutigen Nationaltheaters in München.

Reisendes Wagner-Theater


1876 sang er bei der ersten Gesamtaufführung des "Rings" in Bayreuth die Partie des Mime. 1882/83 war Schlosser Mitglied des reisenden Wagner-Theaters unter Angelo Neumann, das den "Ring" in vielen europäischen Ländern aufführte, unter anderem auch in "Her Majesty's Theatre London. Die Karriere des Max Schlosser begann aber unscheinbar. Am 17. Oktober 1835 wurde er in Amberg als Sohn eines Stadtschreibers geboren. Wegen seiner auffallend schönen Stimme bekam er einen Freiplatz im Seminar Sankt Emmeram in Regensburg. Bereits mit 17 Jahren wechselte er auf die Bühne und trat (zuerst unter Bömly in Bayreuth) als Schauspieler, Operetten- und dann auch Opernsänger auf.

"Anständiges Handwerk"


Nach Bayreuth folgten die Stationen Bamberg, Bad Kissingen (Nestroys "Lumpacivagabundus"), Hildburghausen (Auber, "Fra Diavolo"), Dillingen, St. Gallen, Zürich und Augsburg. Augsburg sollte zu einer besonderen Wendung in seinem Leben werden: Max Schlosser verliebte sich dort 1860 in die Tochter eines Bäckermeisters. Der potenzielle Schwiegervater stellte vor einer Vermählung die Bedingung, dass Max ein "anständiges Handwerk" erlerne.

Max fand in seiner Schulstadt Regensburg einen Ausbildungsplatz als Bäckerlehrling. So konnte er in Augsburg seine große Liebe heiraten und übte den nährenden Beruf dort vier Jahre lang aus. 1902 verabschiedete er sich vom Münchener Publikum mit der Rolle des "Nachtwächters" in den "Meistersingern". Es folgte ein glücklicher Ruhestand von 14 Jahren auf seinem Landsitz in Utting am Ammersee, wo Max Schlosser am 2. September 1916 im Alter von 81 Jahren verstarb.

Der Sänger ist mit seiner Begabung klug umgegangen, er hat seine Stimme nicht "überschrien", seine Kräfte nicht verschlissen, sie nicht kommerziellen Interessen geopfert. Leider finden sich nur wenige Anmerkungen in den Kritiken über Bayreuth: Das Wiener Tagblatt schreibt 1876 über die "Götterdämmerung": "Vollendet - mustergültig war die Darstellung Einzelner, so der Mime Schlossers".

Das "Fremdenblatt" Wien pflichtete bei: "Ganz vorzüglich - wie im Rheingold - war wieder Herr Schlosser aus München als Zwerg Mime". Wagner versah ein Exemplar des "Rings" für seinen Freund mit einer pointierten Widmung: "Seinem vortrefflichen Lehrbuben, dem lieben Gesellen und unfehlbaren Meister, Schuster, Sänger und Schlosser von Richard Wagner."
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