37. Erlanger Universitätstage in Amberg
Thema: "D@tenflut"

Sie stehen hinter den Unitagen (von links): Kulturamtsleiter Thomas Boss, Bürgermeister Martin Preuß, Kulturfachkraft Barbara C. Frey, Prof. Dr. Rudolf Freiburg und Kulturreferent Wolfgang Dersch. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
05.02.2016
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Die Region sehnt sich noch nach Datenautobahnen, da sieht die Wissenschaft in der Welt der IT schon Anzeichen, dass der Mensch daran arbeitet, sich selbst zu entmündigen. Die Erlanger Unitage liefern einleuchtende Stichwörter.

Er macht einen eher bodenständigen Eindruck, Attitüden wissenschaftlicher Abgehobenheit scheinen ihm nicht zu liegen. Prof. Dr. Rudolf Freiburg, ein Anglist, hat jedoch bereits "Datenmengen, die von keinem menschlichen Bewusstsein mehr erfasst werden können", vor Augen. "Die Menschheit wird sehr weit kommen, aber auch verarmen", prognostiziert er. Nicht für die ferne Zukunft, sondern in ein paar Jahren schon. Die 37. Erlangener Universitätstage in Amberg vom 16. Februar bis 15. März im Historischen Rathaussaal tragen den Titel "D@tenflut". Vorgestellt wurde das Programm am Freitag bei einer Pressekonferenz im Amtszimmer des Oberbürgermeisters.

Sein Stellvertreter Martin Preuß hat sich "bereits etwas ausgekuckt" und möchte nicht missen, dass die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg jährlich diese Akzente im kulturellen Leben der Stadt setzt. "Wir steuern auf den nächsten Höhepunkt der Vortragsreihen in Amberg zu", kündige Preuß an. Was als Industrie 4.0 beispielsweise im hiesigen Siemens-Werk Wirklichkeit werden solle, mache offenbar auch vor anderen Wissenschafts- und Lebensbereichen nicht Halt.

Daran besteht für Freiburg nicht der geringste Zweifel. Denn die IT stehe derzeit an der Schwelle eines Paradigmenwechsels. So arbeiten klassische Suchmaschinen wie Google derzeit noch mit Algorithmen, die nach Regeln von Wahrscheinlichkeitsberechnungen funktionieren. Das Kausalitätsprinzip trete vor dem Hintergrund einer unermesslichen Datenfülle an diese Stelle. Damit werden etwa Krankheitsverläufe vorhersehbar, Texte maschinell übersetzbar, PCs programmieren sich selbst, Wetter- und sonstige Ereignisse haben nichts Überraschendes mehr an sich.

Freiberg ist überzeugt, eigentlich schon jetzt vor einem "explosionsartigen Zuwachs von Wissen" zu stehen, mit all den damit verbundenen Gefahren. Denn das Netz vergesse nie und die menschliche Hybris kenne keine Grenzen. Allerdings "kann man sich hier auch eine Welt ohne Mensch vorstellen". (Das Programm)

Das ProgrammDie Vorträge der Universitätstage von 16. Februar bis 15. März beginnen jeweils dienstags um 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr) im Rathaussaal. Der Eintritt ist frei.

"Außer Kontrolle ...

... und auch noch aus der Form - Zur Digitalisierung des Publikationswissens", Prof. Dr. Svenja Hagenoff. Die Buchwissenschaftlerin beleuchtet Aspekte der Individualisierung der Prozesse zur (massenmedialen) Verbreitung von Wissen und Nachrichten.

"Wie Big (Spatial) Data ...

... und Crowdsourcing uns alle zu Kartographen macht - ob wir das wollen oder nicht", Prof. Dr. Georg Glasze. Der Geograf betrachtet Folgen der Nachverfolgbarkeit von individuellen Mobilitätsdaten.

"Der vermessene Mensch ...

... Wissen wir, was wir alles über uns preisgeben?", Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch. Der Mathematiker befasst sich mit der permanenten Erhebung gesundheitsrelevanter Messdaten und denen, die Interesse daran haben.

"Algorithmen, ...

... Datenkraken und gläserne Bürger: Big Data als Herausforderung für die Gesellschaftsanalyse, Dr. Sebastian Büttner. Der Soziologe zeichnet nach, wie die umfassende Datenerhebung von Privatunternehmen gesellschaftliches Verhalten prägen.

"Erstmal einfach alles ...

... speichern: Big Data als Aufgabe für die Informatik", Prof. Dr. Klaus Meyer-Wegener. Der Informatiker zeigt auf, welche Konzepte der Datenspeicherung es gibt, und wie sie einer Auswertung zugeführt werden. (zm)
Weitere Beiträge zu den Themen: Industrie 4.0 (21)Universitätstage (3)
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