Akrobatik "made in Africa"

Atemberaubend war nicht nur die menschliche Pyramide. Bilder: Hegen (3)

Hütten aus Blech, Holz und Pappe bestimmen das Bild des Townships "Khayelitsha" am Rande von Kapstadt. Die wenig einladende Siedlung, in der Hunderttausende Menschen leben, dient immer wieder als Kulisse für Kunstprojekte.

Am Freitagabend wurde die Bühne des ACC für zwei Stunden zum Schauplatz Khayelitsha. Der Name bedeutet auf Deutsch "neue Heimat". Die Menschen im Township leben auf einer Fläche vergleichbar mit der Nürnbergs in ärmlichsten Verhältnissen. Winston Ruddle's "Circus der Sinne" - Mother Africa - hat sich dieser Kulisse bedient, um der Show einen Rahmen zu geben.

Aus sieben Nationen

Und so taucht der Zuschauer zunächst in das Bild spielender Kinder und Jugendlicher ein, die sich allmählich zum Klang der Musik in einer Tanzgruppe formieren. Mit viel Schwung und Rhythmus wird das Publikum in den Bann gezogen, den nun die vielfältigsten Akrobaten und Artisten aus sieben afrikanischen Nationen erweitern.

Da gibt es nicht nur den Einradfahrer, der auf außergewöhnlichen Untersätzen balanciert und jongliert, sondern auch den Mann mit den Leitern oder den Künstler auf der Baustelle, dem es gefällt, sich mit unterschiedlichem Baumaterial wackelig in die Höhe zu bewegen. Die ungewöhnlichen Requisiten unterstreichen den Gedanken, die Show in einem Township spielen zu lassen. Allerdings könnte man manchmal den Ursprung der Künstler vergessen, wäre da nicht die Musik. Mit ihren ausdrucksstarken Stimmen und typischen Klängen bringen uns die Sängerinnen in ihre Heimat zurück.

Die Arrangements der Band und die Aktionen der Artisten sind perfekt aufeinander abgestimmt - da passt jeder Schlag der Trommel zum Sprung oder Fall.

Die Tänzer zeigen eine eigene Art von Breakdance in einem atemberaubenden Tempo. Der "Mensch aus Gummi" auf einem Handkarren lässt einen erschauernd staunen, wozu der menschliche Körper fähig ist. Und auch das Herumwirbeln eine Kindes auf den Füßen eines liegenden Erwachsenen ruft Bewunderung beim Publikum hervor, das mit tosendem Applaus die Akrobaten anfeuert. Schöner Nebeneffekt eines gelungenen Abends: Der Circus "Mother Africa" unterstützt soziale Projekte in Südafrika. 50 Cent pro Ticket werden an Einrichtungen wie "Menschen für Menschen", "Ärzte ohne Grenzen" und andere weitergegeben.
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