[Aktualisierung] Starke Sänger im Stadttheater Amberg
"Sunset Boulevard" mit Licht und Schatten

Das Andrew-Lloyd-Webber-Musical "Sunset Boulevard", basierend auf dem gleichnamigen Film von Billy Wilder, sorgt trotz einiger Schwächen im Stadttheater Amberg für Begeisterung. Bild: Huber

Webber weiß, wie's geht: Das Musical "Sunset Boulevard" überzeugt im Amberger Stadttheater mit starken Sängern. Auch wenn die Geschichte an sich nicht ergiebig ist - sehens- und hörenswert ist sie allemal.

"Der beste Film, der je über das narzisstische Höllenloch, das Hollywood ist, gemacht wurde", schrieb eine Filmkritik über Billy Wilders Film "Sunset Boulevard". Daraus entstand mit der Musik von Andrew Lloyd Webber ein Musical, das 1993 in London uraufgeführt wurde. Dieses Musical erlebte im Amberger Stadttheater eine Aufführung, für die das Stadttheater Fürth verantwortlich zeichnet.

Eigentlich ist die Story nicht allzu ergiebig: Der erfolglose Drehbuchautor Joe gerät auf das Anwesen der gealterten Stummfilm-Diva Norma Desmond. Sie erhofft sich mit seiner Hilfe ein Comeback. Von ihrer noch immer aufflackernden Faszination eingefangen, arbeitet er bei ihr; führt aber parallel dazu ein "zweites Leben" mit seinen Freunden der Filmbranche und mit seiner Liebe Betty, einer jungen Produktionsassistentin. Scheinbar geht die Hoffnung Normas in Erfüllung, denn sie wird in ihr früheres Filmstudio eingeladen. Dort ist man aber nicht an ihr, sondern an ihrem Oldtimer interessiert. Als Joe ihr das unbarmherzig eröffnet, und sich von ihr trennen will, erschießt sie ihn, denn "niemand verlässt einen Star".

Unter die Haut

Lloyd Webber hat dies in eine Musik umgesetzt, die die beiden "Ebenen" der Handlung effektvoll wiedergibt. Für die Scheinwelt der Norma glückten ihm eindrucksvolle Songs und Duette. Die reale Sphäre Joes und seiner Freunde kleidete er in jazzige Big-Band-Klänge.

In der Amberger Aufführung kommt dies relativ wirkungsvoll "über die Rampe". Als Orchester sind die Musiker des Sinfonieorchesters aus Belarus (Weißrussland) im Orchestergraben. Sie können den Sound der Webberschen Musik wirkungsvoll zum Klingen bringen. Allerdings ist im ersten Teil die Aussteuerung der musikalischen Balance nicht optimal. Das Orchester überdeckt oft die Darsteller, die dadurch weder singend noch in der Textverständlichkeit glänzen können. Denn in den "dunklen" Szenen, die im Anwesen Normas spielen, haben die Hauptpersonen durchaus ihre starken Momente.

Oliver Arno, der als Joe die Geschichte "erzählt", kann singend und darstellerisch rundum überzeugen. Ihm glaubt man, dass er der Ausstrahlung Normas erliegt, aber auch, dass er dem verlogenen Spiel ein Ende setzen muss. Er wird übertroffen von Cornelia Drese, die als Norma bewegende Szenen hat und diese mit Intensität ausspielt. Sie "ist" die gealterte Diva, die sich an eine absurde Hoffnung klammert und noch immer auch einen jungen Mann zu fesseln vermag. Ihre Songs sind gleichermaßen kraftvoll wie von emotionaler Sentimentalität geprägt.

Julia Lissel hat es als Betty Schaefer im ersten Teil ziemlich schwer, sich in Szene zu setzen, hat aber im zweiten Teil sängerisch und schauspielerisch ihre beeindruckenden Szenen. Ausgezeichnet als Butler Max agiert Hardy Rudolz, der den noch immer liebenden Ex-Ehemann in distanziertem Spiel verkörpert und bei seinen Songs mit beeindruckender Stimmkultur überzeugt. Die Regie hat die Szenen bei Normas Scheinwelt gut ausbalanciert. Da gelingen Momente, die in ihrer Dichte unter die Haut gehen.

Großes Theater

Die Darstellung des "realen Lebens" ist dagegen weniger gut, hier wird zu hausbacken agiert, sind die Tanzszenen nicht eben einfallsreich. Der schnelle Wechsel zwischen "Scheinwelt Normas" und dem Leben "am Set" geschieht oft etwas zu plötzlich. So liegen im ersten Teil Licht und Schatten nah beieinander. Im zweiten Teil, als sich die Hoffnung Normas zunächst in Euphorie steigert, in Eifersucht gegenüber Betty umschlägt und dann dazu führt, dass Betty erst Joe verlässt und dieser dann Norma aus allen Illusionen stößt, erlebt man aber großes Musical-Theater.

Da ist die Aussteuerung der Sänger viel besser, da hört man vom Orchester auch intime Streicher, und der letzte Auftritt, wo sich die gebrochene Norma, Joe's Mörderin, den Fotografen und Reportern noch einmal im Scheinwerferlicht präsentiert, wird durch die Darstellung von Cornelia Drese ein ganz starker Schluss.
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