Amberg komplettiert den Kunstwanderweg Naturpark Hirschwald
Die Kunst des Wandels

Die Objektion ist Ambergs Beitrag zum Kunstwanderweg des Naturparks Hirschwald. Ein einzigartiges Projekt, mit dem das Aschacher Künstler-Paar Hanna Regina Uber und Robert Diem acht Gemeinden des Naturparks miteinander verbindet. Im Zentrum des Bronze-Kunstwerks steht der Mensch in einem Tor: Letzteres symbolisiere die Stadt, wie Uber erklärt - und diese wiederum stehe für das, was uns prägt, für den sozialen Kontext. Die Bildhauerin hat hier auch Ambergs Wandel von der Militär- zur Schulstadt verarbeite
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
02.07.2016
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Was prägt und formt uns? Hanna Regina Uber und Robert Diem haben sich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt. Und ihre Erkenntnisse in Bronze gegossen.

Entstanden ist dabei die Skulptur Objektion. Der eher selten verwendete Begriff bezeichnet die Übertragung einer seelischen Erlebnisqualität auf einen Gegenstand. Nicht nur im abstrakten Sinn, sondern auch ganz konkret ein großes Werk, das den Kunstwanderweg Hirschwald komplettiert: Die Objektion ist Ambergs Beitrag zu diesem einzigartigen Projekt, mit dem das Künstler-Paar Uber/Diem acht Gemeinden des Naturparks Hirschwald miteinander verbindet.

Im Zentrum des Amberger Kunstwerks steht der Mensch in einem Tor: Letzteres symbolisiere die Stadt, wie Uber erklärt - und diese wiederum stehe für das, was uns prägt, für den sozialen Kontext. Dieser Prozess, die Veränderung, ist das Thema.

"Eine tolle Entwicklung"


Für Uber war Ambergs "augenscheinlichste Veränderung, dass die Militärstandorte zurückgefahren wurden - die US-Kaserne Pond Barracks wurde aufgelöst, aus der Kaiser-Wilhelm-Kaserne wurde die Ostbayerische Technische Hochschule. Parallel dazu habe aber Ambergs Bedeutung als Bildungsstandort mit vielen verschiedenen Schulen zugenommen. Das sei ja eigentlich "eine tolle Entwicklung", meint Uber.

Hilfestellung bei der eingehenden Beschäftigung mit diesen beiden Aspekten von Ambergs Geschichte bekam das Künstlerpaar von Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger. Er lieferte Antworten auf die Fragen, "wann die ersten Kasernen urkundlich erwähnt wurden, wie viele es einmal waren und zur Bedeutung Ambergs als Militärstandort". Dazu kamen Hintergrundinfos zur Schulgeschichte, angefangen von der ersten beurkundeten Lehranstalt, der Amberger Lateinschule, gegründet im 13. Jahrhundert.

Stück für Stück


Jahreszahlen, die man beim genauen Blick auf die Skulptur entdeckt, beziehen sich auf Schulen oder Kasernen. So gesellen sich zur Lateinschule beispielsweise das Erasmus-Gymnasium als eine der ersten Lehranstalten, die aus einem Kloster hervorgingen, und natürlich die OTH. Deren Gründung war laut Uber "schon nochmal ein Knall: als aus dieser Riesenkaserne eine Hochschule wurde" - mit einer herausragenden Bedeutung für die ganze Region. Die Details des Amberger Wegs vom Militär- zum Bildungsstandort erklärt eine Infostele, die sich, wie bei allen anderen Kunstwanderstationen, zur Skulptur gesellt.

Das Modell des Kunstwerks entstand 1:1 zunächst aus Wachs im Atelier. Dann nahmen es die Künstler Stück für Stück wieder auseinander, um daraus erst Formen und dann Bronzegussteile zu fertigen. "Bestimmt 25" seien es gewesen, schätzt Robert Diem - "die hinterher auch wieder zusammengesetzt werden müssen".

"Für Laien etwas grob"


Auch wenn die Skulptur für den Laien etwas grob aussieht, ist daran doch alles ganz bewusst gestaltet. "Ich hab' nichts dem Zufall überlassen", erklärt Uber. Deshalb sei es wichtig, die fertigen Guss-Teile genau nach dem ursprünglichen Schema zusammenzusetzen. So entsteht die 2,40 Meter hohe Skulptur.

Sie soll bei der Plätten-Anlegestelle in der Nähe des Seniorenspielplatzes beim ACC stehen - und damit sowohl ein Beitrag zum Kunstwanderweg Hirschwald als auch zum Amberger Skulpturenweg sein. Für Mitte Juli sei die Einweihung geplant, sagt Uber: Dann ist das Hirschwald-Kunstprojekt vollendet.

Bildung als einziger Ausweg"Für mich liegt die Lösung der Konflikte der Welt eher in der Bildung, nicht im Militär", fasst Hanna Regina Uber ihre Gedanken zum Amberger Kunstwerk zusammen. Sie deutet auf Zahlen auf der Skulptur: "Da ist ein militärischer Konflikt, da der nächste, der nächste, der nächste. Der einzige Ausweg ist für mich die Bildung", sinniert sie, aber natürlich nicht nur die intellektuelle Bildung - es gab ja auch gebildete Nazis. Sondern Herzens-, Charakter-, Menschenbildung."

Die Skulptur dazu ist unten "ganz dick, plattenartig, ganz dunkel und schwer, in Schichten und groben Strukturen. Nach oben wird sie immer heller, lichter und luftiger." Die Frauenfigur, die daraus erwächst, stellt laut Uber "das Menschwerden, die Entwicklung des Menschen, dar: Sie ist unten noch elementarisch, grob - und je mehr sie in die Zukunft kommt, um so mehr ist sie ausformuliert."

Für Uber auch ein Sinnbild dafür, von einfachen, primitiven Strukturen ("Das ist meins - wenn du mir das wegnimmst, hau' ich dich") zu einer anderen Form der Kommunikation zu kommen, zu anderen Möglichkeiten der Konfliktlösung: Das ist das Thema." (eik)


Für mich liegt die Lösung der Konflikte der Welt eher in der Bildung, nicht im Militär.Hanna Regina Uber


Eine PremiereNatürlich freuen sich Künstler über Resonanz auf ihre Arbeit - das gilt auch für den Kunstwanderweg des Naturparks Hirschwald. "Viele erzählen uns, dass sie da hingewandert oder per Zufall drauf gestoßen sind", berichtet Hanna Regina Uber über erste Rückmeldungen. Ist sie selbst schon mal alle Stationen abgewandert? Die Künstlerin lacht: "Das sind 70 Kilometer!"

Es sei das erste Mal, "dass so viele Gemeinden auf künstlerische Art verbunden sind", bilanziert sie zufrieden. Aber das sei auch genau das, was den Verantwortlichen des Naturparks wichtig gewesen sei bei diesem Projekt: "Sie wollten etwas, was die Hirschwaldgemeinden verbindet." Auch für das Künstlerpaar war dieser Auftrag eine Premiere: "Das war schon ungewöhnlich - über vier Jahre. Bei uns dauert ein Projekt normalerweise ein halbes Jahr", bilanziert Uber. (eik)
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