Amberger Stadttheater vor dem Umbau
Neues Konzept für Casino-Saal

Oben eine edle Holzkassettendecke und Kronleuchter, unten 700 junge Discogänger, die zu Elektro-Musik tanzen. Nicht nur Hubert Heinl (auf der Leiter) schätzt das besondere Flair des Casino-Saales. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
28.02.2016
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Ein Eingang - drei Locations: Stadttheater, Casino-Saal und das dazugehörige Wirtshaus locken die Nachtschwärmer in die Altstadt. Bild: Hartl
Amberg: Casino-Saal |

Hubert Heinl ist schon wieder am Werkeln. Die Scheinwerfer müssen montiert werden. Jede Woche rückt er den Casino-Saal als Party-Location ins rechte Licht. Doch wie lange er das noch tut - um diese Frage hüllt sich der Disconebel.

Der traditionsreiche Casino-Saal ist zu neuen Ehren gekommen. Längst tafeln unter den Kronleuchtern nicht mehr die Honoratioren der Stadt. Stattdessen tanzt Ambergs Jugend zu lauten Elektrobeats über das altehrwürdige Parkett. So leidenschaftlich, dass die Lokalität mittlerweile bayernweit einen ausgezeichneten Ruf genießt. "Wir haben immer wieder Live-Acts hier, die in der ersten Liga spielen", sagt Hubert Heinl, einer von drei jungen Unternehmern, die sich mit ihrer Firma des an das Stadttheater angegliederten Saales angenommen haben.

Felix Kröcher war am Samstag da. Der 32-jährige DJ aus Frankfurt am Main gilt in der Elektro-Szene als Virtuose, spielte auf Festivals in Japan, den Vereinigten Staaten, Frankreich und Spanien - und eben im Amberger Casino-Saal. "Wir holen solche Künstler manchmal direkt vom Flughafen ab", erzählt Heinl. Das Engagement zahlt sich aus. Weniger in barer Münze, wie Heinl anmerkt, aber ideell. "Unser Ziel ist es, in Amberg und der Region etwas loszumachen", sagt er. Beim Kröcher-Auftritt war die Bude wieder einmal voll. Um die 700 Gäste dürften es gewesen sein, die sich am Samstagabend unter den Casino-Lüstern vergnügten. Seit wenigen Wochen bieten die Party-Unternehmer in dem Gemäuer ein weiteres zugkräftiges Format an: das "Hard-Rock Casino", eine Disco, eher für das Publikum über 30. "Das schlägt voll ein. Wir haben halt gesehen, wie die Leute bei der Musik abgehen. Darauf haben wir reagiert."

Der Erfolg gibt dem Unternehmer-Trio recht, doch ein bisschen mulmig ist Heinl schon zumute. Die Stadt will den Gebäudekomplex sanieren und umbauen. Genaue Pläne sind zwar noch nicht bekannt. Aber es ist eine Variante in der Diskussion, die wohl das Ende der Party-Location bedeuten würde. Bei diesem Konzept würde der Casino-Saal zu einem noblen Foyer für das Stadttheater umgebaut. Eine Garderobe könnte dort untergebracht werden und vielleicht eine Bühne für kleinere Veranstaltungen.

Da ist für alle was dabei. Für die Theater-Gänger, die Disco-Gänger und die Schafkopf-Freunde. Das ist einzigartig in Amberg.Christian Braun, Casino-Saal GbR

"Eine ideale Nutzung"


Die Jungs vom Casino-Saal äußern sich nicht zu den Planspielen. Von Zukunftsmusik sprechen sie und verweisen stattdessen auf das Hier und Jetzt. "Wir halten die derzeitige Nutzung für ideal", sagt Co-Unternehmer Christian Braun, der das Nebeneinander von Stadttheater, Casino-Saal und -Wirtsstube ein "Drei-Generationen-Haus" nennt.

Umbau des StadttheatersAb Frühjahr 2018 sollen nicht mehr Schauspieler, sondern Bauarbeiter im Rampenlicht stehen: Die Sanierung und der Umbau des Stadttheaters stehen an. Wie berichtet, gibt es bereits erste Gedankenspiele. Der Stadtrat hat 200 000 Euro für einen Architektenwettbewerb zur Verfügung gestellt, der noch heuer über die Bühne gehen soll.

Als besonders wichtig wurde bei der Diskussion die Barrierefreiheit des Hauses erachtet, damit künftig alle Menschen mit Behinderung Theateraufführungen oder Konzerte besuchen können. Dazu gab es bereits Gespräche mit dem Bündnis für Inklusion und dem Behindertenbeauftragten der Stadt.

Nach dem Architektenwettbewerb und einer intensiven Planungsphase im Jahr 2017 soll schließlich von Mai 2018 bis September 2019 - also innerhalb einer einzigen Spielzeit - der Umbau erfolgen. Dieser sei auch deshalb erforderlich, weil in einigen Teilen des in den 1970er Jahren letztmalig umfassend renovierten Gebäudes Sanierungsbedarf bestehe, heißt es in einer Presseerklärung der Stadt.

Die Kommune habe zusammen mit den Freunden des Theaters von 2008 bis 2012 für Erneuerungsmaßnahmen mehr als 2,5 Millionen Euro ausgegeben und in eine neue Obermaschinerie sowie in Ton-, Licht- und Bühnentechnik investiert. Wichtig sei es neben einer barrierefreien Gestaltung auch, in Sachen Brandschutz tätig zu werden. (upl)
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