Anwalt-Thriller von Siegfried Schröpf
Die langen Schatten der Festung Breslau

Siegfried Schröpf liest aus seinem Buch "Breslauer Schatten" - hier bei der Premiere in der Prager Musikkneipe Napa. Bild: Herda
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
31.03.2016
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Anwalt Schöngeist ermittelt in Breslau. Axel Dielmann Verlag (2013), 308 Seiten, ISBN-10: 3866381824.

Ein unentdeckter Mordfall zieht Anwalt Thomas Schöngeist in die schlesische Vergangenheit. Der Amberger Autor Siegfried Schröpf schickt seine Kunstfigur auch auf Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte.

Breslau im eiskalten Winter 1945, kurz bevor die Stadt zur Festung erklärt wird. Ein Hitlerjunge beobachtet einen Mord, begangen von einem hohen Parteifunktionär. Er wagt es nicht, seine Beobachtung zu melden. In der von Gauleiter Karl Hanke zur Festung erklärten Stadt ist ein Menschenleben nicht mehr viel wert. Doch wer ist der Autor des Tagebuchs, in dem dieses Verbrechen dokumentiert ist?

"Während sich ein leuchtender Sternenhimmel über dem verdunkelten stillen Breslau wölbt, scheint der nordöstliche Horizont zu brennen. Ein roter Glutstreifen zieht sich waagerecht durch die ferne Schwärze der Nacht. Es ist die herannahende Front."

Dritter Schöngeist-Thriller


Ein Einzelschicksal in den Wirren der alliierten Schlussoffensive ist Hintergrund für den dritten Schöngeist-Thriller des Amberger Autors Siegfried Schröpf. "Das Thema hat mich schon lange gereizt", sagt der Geschäftsführer eines Solarunternehmens. "Zum einen trieb mich das Flüchtlingsschicksal zu dem es auch familiäre Bezüge gibt, zum anderen beschäftigt mich das Motiv, dass ein auf Lügen aufgebautes Leben noch Jahrzehnte später im Desaster für alle Beteiligten enden kann."

Schröpf verwebt die Handlungsebenen aus der Weltkriegsfestung - Mord, Flucht und Identitätsraub - und den tragischen Freitod einer in den Westen geflohenen Unternehmerpersönlichkeit aus der schlesischen Metropole zu einem spannenden Wirtschaftsthriller mit gesellschaftskritischem Tiefgang.

600 Kilometer weiter westlich im winterlichen Würzburg von heute gerät Anwalt Thomas Schöngeist in den Strudel der braunen Vergangenheit. Sein Jugendfreund Peter Schneider ist verschwunden. Im Auftrag von Helma, dessen Frau, nimmt der Wirtschaftsanwalt die Spur auf, bei der er schnell auf Ungereimtheiten stößt. Peter hat in die Unternehmerfamilie Brosinski eingeheiratet, wo er als Geschäftsführer des Elektro-Mittelständlers durch seine Eigensinnigkeit für heftigen Unmut sorgt.

Um eine Insolvenz zu verhindern, plädierte Schneider für den unvermeidlichen Verkauf des Betriebs, was ihn für Seniorchef Klaus und dessen Sohn Michael zum Verräter stempelte. Als sich - Jahre nach der vermeintlich feindlichen Übernahme - Klaus Brosinski das Leben nimmt, eskalieren die Angriffe auf Schneider. Durch gezielt lancierte Pressemeldungen wird er als Profiteur und Betrüger diffamiert, dann sogar von einer osteuropäischen Schlägertruppe verprügelt. Und plötzlich ist Peter Schneider spurlos verschwunden ...

"Aus ist deine Zeit und die Laut zerschlagen / Nachts aus der stillen Stadt nun mußt du gehn / Die Wetterfahnen nur im Wind sich drehn / Dein Tritt verhallt, mag niemand nach dir fragen."

Diese mysteriösen Zeilen aus einem Eichendorff-Gedicht findet Helma nebst erotischem Liebesbrief. Sollte Peter tatsächlich wegen einer Affäre auf und davon sein?

Kulminationspunkt Breslau


Siegfried Schröpf versteht es blendend, in der lakonischen Sprache eines Gegenwartsthrillers menschliches Schicksal zu verkleiden, das die handelnden Personen mit der Zwangsläufigkeit der griechischen Tragödie in seinen Strudel zieht. Dabei reflektiert Anwalt Schöngeist mal als Bon Vivant in den Betten schöner Frauen, mal als grübelnder Langstreckenläufer die Grenzen persönlicher und kollektiver Schuld und die Fallstricke historischer Komplexität der deutsch-polnischen Stadt Wroclaw/Breslau.

Lesung in AmbergDer Amberger Autor Siegfried Schröpf liest aus seinem aktuellen Roman "Breslauer Schatten" am Freitag, 22. April, um 19 Uhr in der Buchhandlung Mayr (Schrannenplatz 3) in Amberg. Die Lesung begleitet der Singer/Songwriter George Pacurar aus Prag - mit kritischer Poesie von Bob Dylan und rauer Gegenkultur-Romantik von Tom Waits.

Reservierung unter Telefon 0176/91 14 51 81.
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