Atemberaubender Klavierabend von David Fray mit Schubert und Beethoven
Der antivirtuose Klangmagier

Locker, ruhig und klar: Pianist David Fray im Amberger Stadttheater. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
18.01.2016
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Der französische Pianist David Fray hat es sich selber eingebrockt: Nach seinem tiefgründigen Bach-Programm im Januar 2013 war eine erneute Einladung nach Amberg fast unausweichlich. Diesmal Beethoven und Schubert, Sonaten vor und nach dem Wiener Kongress 1815, ein aus Regensburg "eingeflogener" Steinway-D-Flügel.

Klarheit, Beweglichkeit und Kraft - das assoziiert man oft mit französischer Tastenkunst. David Fray verkörpert sie. Aus seinem wachen Verstand erwächst die Klarheit, aus Lockerheit die Virtuosität, aus Ruhe die Kraft. Er braucht sich nicht der überbordenden, pathetischen Emotionen, der muskelbepackten Power, der virtuosen Schaustellerei zu bedienen. Fray ist ein Anti-Virtuose, er lenkt Auge und Ohr weg von sich auf die Musik. Er spielt mit kühlem Kopf aber nie distanziert. Wenn es euphorisch, tragisch oder dramatisch wird, dann jubelt, trauert, leidet nicht der Spieler, sondern die Musik spricht die Emotionen aus.

Extrem und subtil


Die konträren Persönlichkeiten von Beethoven und Schubert spiegeln sich in ihrer Musik. Der eine der Pionier, der Bonner Extremist, dessen hitziges Temperament verstörte und aneckte. Der andere der Wiener Lehrerssohn, der seine Visionen subtil formulierte und verklausulierte. Fray hat die beiden sehr gut verstanden. Im Falle Schubert (Sonate G-Dur D 894) breitet er anfangs eine von Sanftmut getränkte biedermeierliche Idylle aus, um sie dann um so nachhaltiger zu brechen. In den Zügen eines lächelnden Gesichts scheinen Abgründe durch.

Im Falle Beethoven stellt sich David Fray den Extremen des Extremists: Das Adagio (Sonate op. 10/1) ist molto, seine wie improvisatorisch darüber gestreuten Notenwerte reichen ja auch bis zum 128stel. Das Pianissimo rückt er ins Minimale, das Fortissimo (Schluss der Sonate op. 57, der Appassionata) an die Grenze des Machbaren, doch ohne den Ludwig auf einen unbeherrschten Wüterich zu reduzieren.

Ein Klangmagier


Vom ersten Ton an entstehen subtile Psychogramme der beiden Komponisten, sie erwachsen aus der geradezu meditativen Versenkung Frays, seiner penibel genauen Kenntnis der Noten, seiner souveränen Übersicht über die großräumigen Strukturen und Entwicklungen der Musik. Noch mehr als vor Jahren ist er ein Klangmagier, der selbst die Töne eines einzelnen Akkords differenziert behandelt. Franz Liszt wurde bekanntlich als "Angreifer des Klaviers" karikiert, David Fray erscheint als Partner desselben, seine 10 Finger und die 88 Tasten bilden ein freundschaftlich-einverständliches Team. Auf einem Conrad-Graf-Flügel der 1820er-Jahre wäre dieses Team überwältigend. Hingerissen das Publikum, dreingegeben Bach und natürlich auch Schubert.
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