„Atos“-Trio im Stadttheater
Brillante Dreieinigkeit

Als unglaubliches Klangteam begeisterte das "Atos"-Trio bei seinem Konzert im Amberger Stadttheater. Bild: Huber

Von Peter Donhauser

Amberg. Welch ein Finale der städtischen Konzertreihe 2015/16! Die drei "Atos"-Artisten präsentierten Klaviertrio-Kunst vom Allerfeinsten, von Mozart, Mendelssohn und Korngold. Die genannte Besetzung hat ihre Tücken. Die bei den Instrumenten zu Zeiten von Mozart bis Mendelssohn natürlich gegebene Klangbalance muss bei modernen mit kluger Klangregie mühsam zurückgewonnen werden. Ein Streichquartett findet leichter zu einem Teamgeist, ein Klaviertrio dividiert sich oft in drei Solisten auf.

Klar, sonor, expressiv


Wenigen Musikern gelingt die Lösung dieser Problemstellung so überzeugend wie dem "Atos"-Trio. Die Drei brauchen keinen Vergleich selbst mit Autoritäten wie dem legendären Beaux-Arts-Trio zu scheuen. Beim "Atos"-Trio hören wir eine warme, klare und füllige (Stradivari-) Violine (Annette von Hehn), ein ungemein präsentes Cello (Stefan Heinemeyer) mit sonoren Bässen und expressiven Höhen sowie ein außerordentlich feinsinnig registriertes Klavier, das nie zu laut ist ohne dabei eingeschüchtert zu wirken. Thomas Hoppe nimmt die linke Hand zurück und schafft dem Celloklang Raum. Er formiert mit den Streichern ein unglaublich homogenes Klangteam. Man darf drei Hüte ziehen!

Diese Qualitäten offenbaren sich gleich beim B-Dur-Trio KV 502 des 30-jährigen Mozart, ein "Wunderkind" wie die beiden weiteren Komponisten des Abends. Wir hören ein lucides Mozartspiel, die Streicher artikulieren klar wie der Flügel, der Flügel singend wie die Streicher. Die Phrasen laufen wellenartig an und aus als könnte es nicht anders sein, nichts wirkt aufgesetzt oder gar aufgemotzt, man vertraut zu Recht auf die Prozesse in Mozarts Musik. Das Schluss-Allegretto hat Hintersinn und Witz, bei aller Ausgefeiltheit rücken aber die frechen Staccato-Achtel etwas zu sehr ins abgeklärte.

Das zweite "Wunderkind" Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) hat sein Trio op. 1 mit unerhörten 12 Jahren komponiert. Mit präpubertärem Selbstbewusstsein fordert er die Profis als wäre er ein Alter. Beachtenswert sein Gespür für Klang: Er hebt die Streicher oft über den Klavier-Klangraum, lässt das Cello ungewöhnlich oft in hohen Tenorlagen spielen, was ihm je nach Können Sorgenfalten oder Sympathie einbringt. Er sucht noch seinen Weg: Würde dieser in den Geleisen tonaler Musik zu finden sein (Brahms, Reger, Strauss) oder auf neuen Pfaden (Schönberg, Strawinsky)?

Schier überwältigend


Sein Trio c-Moll op. 66 schrieb Mendelssohn mit 36 Jahren, es ist ein reifes Werk, die Musiker brauchen neben besonders flinken Fingern glühende, doch beherrschte Leidenschaft. Es gelingt dem Trio hinreißend, schier überwältigend. Ein Ereignis sind hier wie bei Mozart die lebendig gestalteten Haltetöne der Streicher, die nie statisch-belanglos erklingen. Eine echte Sternstunde des Triospiels.
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