Aufführung im Stadttheater
"Das Lächeln der Frauen"

Ganz Paris träumt von der Liebe. Auch Aurélie, die ein kleines Restaurant in Saint Germain führt, und André, der Lektor und gleichzeitig Autor Robert Miller, tun das im Boulevardstück "Das Lächeln der Frauen". Erzählt wird die Verwirrgeschichte um Liebe, Wahrheit und Literatur von Julia Stinshoff und Hubertus Grimm. Bild: gf
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
05.02.2016
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Ein Roman sorgt für Verwirrung, Lügen und ein Happy End. Das Theaterstück "Das Lächeln der Frauen" im Amberger Stadttheater glänzt durch seine Schauspieler, weist aber auch einige Schwachpunkte auf.

Zauberhafte Liebesgeschichte im Stadttheater als Kontrapunkt zum wilden Hexentreiben auf dem Marktplatz, das sollte eigentlich passen. Doch das Boulevardstück "Das Lächeln der Frauen", wie es das Tournee-Theater Thespiskarren am Weiberfaschings-Donnerstag auf die Bühne brachte, hätte durchaus etwas prickelnder sein dürfen. Nicolas Barreau schrieb den gleichnamigen Roman, der wochenlang die Bestsellerlisten anführte: leichtverdauliche Kost, süße Lese-Nascherei, amüsant und kurzweilig. Die Bühnenfassung von Gunnar Dressler tut sich dagegen schwer. In langen Monologen muss die Story, die in Paris spielt, erzählt werden.

Tango und Striptease


Verlassene Frau sucht geheimnisvollen Romanschreiber. Verliebter Lektor, der der eigentliche Autor ist, unternimmt alles, um die Schöne für sich zu gewinnen. Es hagelt falsche Briefe und fette Lügen, ein schmackhaftes Liebesmenü und einen neuen Roman für "the Only-One", bis es schließlich doch zum Happy End kommt. Die bunten Tangotanz-, Chansons- und Soft-Striptease-Konfettis peppen die Komödie auf, gehen aber schnell wieder in den ausholenden Selbstgesprächen verloren.

Obwohl Regisseurin Karin Boyd mit Hubertus Grimm und Julia Stinshoff zwei ausgezeichnete Schauspieler zur Verfügung stehen, ist es nicht gelungen, mit spritzigen Inszenierungsideen, einen (ent)spannenden Theaterabend zu zaubern. Die Magie der Stadt der Liebe entdeckt das Publikum schon eher im Bühnenbild (Ausstattung: Eva Humburg) mit Eiffelturm und Invalidendom im Hintergrund.

Auf vier "Spielinseln" (Restaurant und Wohnung von Aurelie Bredin, Verlagsbüro von Andre Chabanais und berühmte Bar) dümpelt die Liebesgeschichte so vor sich hin. Der ständig sich wiederholende, schrille Klingelton der Telefone kringelt sich wie Luftschlangen um die Ohren der Theaterbesucher. Wenig Witz, wenig Abwechslung, wenig Glaubwürdigkeit und viele langweilige Worte, um die an sich sympathische Geschichte zu erzählen.

"Dieses Buch hat mein Leben gerettet", sagt Julia Stinshoff als Aurélie Bredin. Im braven Blümchenkleid mit rotem Strickwestchen darüber betritt sie als erste die Bühne, erzählt von ihrer Leidenschaft, dem Kochen, und ihrer Bewunderung für einen Autor, der in seinem Buch von ihrem Restaurant und ihrem Lächeln geschwärmt hat. Es gelingt der Schauspielerin ganz gut, sich in die unterschiedlichen Empfindungen der Romantikerin Aurélie einzufühlen.

Kluge Charakterwechsel


Hubertus Grimm meistert die schwierige Aufgabe sowohl den Lektor André, als auch den Autor Robert Miller, dazu seinen Freund Andrew und den hustenden Verleger zu markieren. Obwohl immer im korrekten grauen Anzug mit Weste, balanciert er von Charakter zu Charakter. Das macht er ganz klug und der Zuschauer weiß, wen er gerade vor sich hat.

Très charmant erzählen beide die Verwirr-Geschichte, wie nach einigen Turbulenzen Literatur, Leben und Liebe zu überraschenden Ergebnissen führen. Deshalb erhalten sie zum Schluss auch entsprechend wohlmeinenden Applaus.
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