Ausstellung über berühmte Persönlichkeiten in der Provinzialbibliothek in Amberg
"In Böhmen und Mähren geboren"

In seinem Vortrag erzählte Dr. Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein, über Persönlichkeiten, die dem deutsch-böhmischen Sprach- und Kulturkreis entstammen. Siglinde Kurz, Leiterin der Provinzialbibliothek, freute sich über die Ausstellung in ihrem Haus. Bild: Huber
Zwölf ausgewählte Lebensbilder herausragender deutsch-böhmischer, beziehungsweise deutsch-mährischer Persönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts hat Kurator Dr. Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder vom Adalbert-Stifter-Verein in München, herausgepickt und stellt sie sowohl auf großen Transparenten als auch in einem flüssig-spannenden, bebilderten Vortrag vor: Adalbert Stifter, Johann Gregor Mendel, Marie von Ebner-Eschenbach, Bertha von Suttner, Sigmund Freud, Gustav Mahler, Karl Kraus, Rainer Maria Rilke, Ferdinand Porsche, Franz Kafka, Oskar Schindler und Otfried Preußler.

Denkmal und Park

Wer weiß denn schon, dass Sigmund Freuds Kindheitserlebnisse in seinem mährischen Geburtsort Freiberg/Príbor in seine Psychoanalyse einfließen? Dass der Räuber-Hotzenplotz-Erfinder Otfried Preußler den Namen des Erzschlawiners vom gleichnamigen Ort namens Hotzenplotz/Osoblaha übernommen hat, wie er überhaupt in seinen erfolgreichen Kinderbüchern auf Sagen aus dem böhmischen Isergebirge zurückgreift.

Dass dem berühmten Gustav Mahler ein Denkmal und ein Park in Iglau gewidmet ist, wo er seine Kindheit verbrachte? Während in seinem Geburtshaus in Kalischt lediglich ein kleiner Gedenkraum an den großen Komponisten erinnert. Unbekannt dürfte vielen sein, dass die unrühmliche NS-Vergangenheit des genialen wie fanatischen Technikers Ferdinand Porsche (1875 in Maffersdorf) sicherlich der Grund für den Streit um einen Gedenkort in seinem Geburtsland Böhmen ist?

Keine "kritiklose Heroisierung" von prominenten Deutschen aus Böhmen und Mähren stellt die komplett zweisprachige Ausstellung dar. Die Zusammenstellung von biografischen Texten und Fotografien solle vielmehr dazu beitragen, auf Gemeinsamkeiten, Zusammenhänge und Wechselwirkungen in der Kulturgeschichte dieser Länder hinzuweisen, die Bindung und Beziehung zur Heimat Böhmen und Mähren zu erfragen und prägende Eindrücke herauszuarbeiten.

Ausdrückliches Ziel ist es, eine gemeinsame Erinnerungskultur zu entwickeln. Zu sehen war die Exposition unter anderem bereits in Pilsen, Ostrau und Prag, in Salzburg, Regensburg, Passau und Sulzbach-Rosenberg. Nun ist sie bis zum 31. Oktober im Barocksaal der Provinzialbibliothek präsent.

Bindung an die Heimat

Die Biografien und Äußerungen der Persönlichkeiten zeigen, dass ihre Bindung an die Heimat sehr unterschiedlich ausgeprägt war. Auch Prominente wie Hellmuth Karasek, Friedrich von Thun, Alfred Biolek oder Ruth Maria Kubitschek äußern sich dazu sehr unterschiedlich, was Schwarz am Ende seines Referats bei der Eröffnung am Dienstagabend anriss. Der Kreis der Interessierten war bedauerlicherweise sehr klein.

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Die Ausstellung - in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Amberg-Sulzbach - wurde vom Kulturreferenten für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein Dr. Wolfgang Schwarz konzipiert und ist bis zum 31. Oktober im Barocksaal zu sehen. Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag: 10 - 17 Uhr, Mittwoch: 10 - 18 Uhr.
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