Ausstellung zum 4. Symposium des Amberger Kunstkombinats
Warnweste Pflicht: Vorsicht Kunst

Vernissage mit Abschlussfest zum 4. Symposium des Kunstkombinats im Kulturstift: Nicht nur das Leben, auch die Kunst ist eine einzige Baustelle. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
21.08.2016
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Ein Elfenbeinturm-Dasein wird Kunstschaffenden oft vorgeworfen. Das 4. Symposium tritt den in seinen ästhetischen Ansätzen lebendigen Gegenbeweis an. Hineinkommen müsste man halt.

Von Marielouise Scharf

Denn wenn das Thema "Off limits" lautet, dann ist es ja wohl selbstverständlich, dass der Zutritt verboten ist. Erst nach intensiver Leibesvisitation und Körperscanning durch Aktionskünstler Stefan Wolfsteiner wurden die vielen Besucher am Samstagabend zur Ausstellung des 4. Amberger Kunstsymposiums zugelassen. Eine Woche lang haben Kurt Etzold, Heike Lepke, Marion Mack, Michaela Peter, Stefan Stock, Johann Sturcz, Marcus Trepesch, Hanna Regina Uber, Erika Wakayama sowie Stefan Wolfsteiner und als Gäste Anja Roehnelt-Kamm (Ammersee) sowie Marion Steger (Deggendorf) miteinander gearbeitet, gelebt, diskutiert und philosophiert.

Offen für Fragen


Ausstaffiert mit grellen Sicherheitswesten lenkten sie nun am Ausstellungsabend des Symposiums den Besucherstrom durch Grenzen und Tabus. Sie erläuterten ihre Arbeiten, verrieten ihre Gedanken und Ziele, Empfindungen. Gleich am Eingang heißt es "None Shall Pass". Hinter einer unscheinbaren Baumarkt-Holztüre hat Stefan Stock rote und grüne LEDs und Lautsprecher verkabelt und mit einer elektronischen Steuerung verbunden. Wer sich traut und den Türgriff drückt, der löst Licht- und befehlsartige Tonsignale: "Zurück, geh auf deinen Platz!", etwa. Hier gibt es kein Durchkommen. Zum dritten Mal ist Stock bei dem Symposium des Kunstkombinats mit dabei. "Für mich ist es ein anders Arbeiten", verweist er auf sich als eine "Nachteule". Hier bringe das Miteinander ganz neue Impulse. Hanna Regina Uber entdeckt mit ihrer fragilen, heißgeliebten "Overhead-Powerline" politische, spirituelle und emotionale Verbindungen. Dazu spannt sie Video-Tesa-Bänder zwischen Edelstahlstangen und verbindet sie mit dünnem Fadengeflecht. Aus dem roten Nähkästchen plaudert Marion Mack. Versteckt hat sie darin "Pandora's Secret". Das Geheimnis sind natürlich ihre Glasarbeiten, Gravuren, Güsse, Formen, die jeder ganz nach Lust und Laune interpretieren darf.

Grenzgänger unterwegs


Michaela Peter ging dagegen auf die Straße. Sie sammelte Ideen, Informationen und Gefühle, die beim Thema Grenze oder Eingrenzung aufkommen. Sie nimmt die Impulse von außen auf und setzt sie, inspiriert von Beuys, künstlerisch großformatig auf Leinwand um. "Trau dich" fordert Anja Roehnelt-Kamm im doppelten Sinn. Ihre Installationen gehen Tabus auf den Grund und legen Zwänge offen. Dazu versteift sie etwa ein Brautkleid und umwickelt es mit Stacheldraht oder legt sie Feuer unter Vorschriften, verbrennt Verbote oder vernäht Kinderseelen in kleine Kokon-Säcke.

Der nächste Halt ist bei Johann Sturcz und seiner "Laughing Laugh"-Serie. Die Accessoires unter anderem: eine Bierbank und "Burda"-Hefte. Stahl verwendet Kurt Etzold für seine imposanten Objekte, und aus Holz schnitzt Marion Steger Figuren, die schnell die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Bauklötze staunt das Vernissagepublikum über das flexible "Instant Boarder System" von Erika Wakayama. Einen Christus am Kreuz, mit siegessicherem Lächeln im Gesicht, steuert Marcus Trepesch bei. Zum Schluss hält Heike Lepke den Gästen ihren "Off-Ego"-Spiegel entgegen und fabriziert einen umwerfenden Blick vom "Ich" in die Unendlichkeit.
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