Autor Eckard Henscheid feiert 75. Geburtstag
Bissiger Autor mit leichter Altersmilde

Der Oberpfälzer Autor Eckhard Henscheid feiert 75. Geburtstag - und blickt zurück auf ein bewegtes Leben. Bild: dpa

Eckard Henscheid hat sich in seinem Leben mit vielen Kollegen angelegt. Jetzt wird der erfolgreiche Autor und Satiriker 75 Jahre alt - und sieht manche Dinge etwas versöhnlicher.

Frankfurt/Amberg. Wenn Eckard Henscheid aus der Oberpfalz in seine alte Wahlheimat Frankfurt kommt, begibt er sich zuerst in den Stadtteil Bornheim. Dort gibt es seit zwei Jahren eine Kneipe, die sich nach dem Autor benannt hat. "Ich muss schauen, ob das Lokal noch besteht", sagt der Amberger trocken. Das "Henscheid" verspricht "Satire und Schnaps" - und eine "junge Frankfurter Küche". Eine kleine Anspielung auf die "Neue Frankfurter Schule". Henscheid, der am 14. September 75 Jahre alt wird, gehört zu den zentralen Figuren dieser Gruppe von Satirikern.

Bürgerliches Feuilleton


Diese ging aus der Zeitschrift "pardon" hervor, die in der Studentenbewegung großen Einfluss hatte. Zur Gruppe gehörten Zeichner wie F. K. Waechter und F. W. Bernstein oder Autoren wie Robert Gernhardt und Henscheid. Beide erzielten mit ihren Büchern große Auflagen - und fanden mit allmählicher Etablierung auch Eingang ins große bürgerliche Feuilleton.

Henscheid wurde vor allem mit seiner zwischen 1973 und 1978 erschienenen "Trilogie des laufenden Schwachsinns" bekannt, von der er bis heute eine runde halbe Million verkauft hat. Im ersten Band "Die Vollidioten" beschreibt er, wie die Frankfurter Szene regelmäßig in einer damals legendären Kneipe versumpft. Es ist zugleich eine ironische Milieustudie der den Müßiggang pflegenden Sponti-Kultur, deren geistige Heimat Frankfurt war. Henscheid gelang es aber zugleich in seinen Büchern, der damals eher trostlosen Provinz noch Komik abzugewinnen. Die entsprechende Erfahrung brachte er mit. Er ist 1941 in Amberg in der Oberpfalz geboren und dort zur Schule gegangen. In seiner Heimatstadt lebt er heute wieder. Doch Henscheid ist vielseitig: Er hat auch Glossen, Essays, Hörspiele, Nonsens-Dichtung, ernste Lyrik und Musikkritiken geschrieben. Zu Goethe hat er ein Lesebuch gemacht und Woody Allens "Stadtneurotiker" übersetzt.

Für das Wörterbuch "Dummdeutsch" sammelte er einst fragwürdige Wortkompositionen, die Schriftstellern und Journalisten als abschreckendes Beispiel dienen sollen. Mit Kollegen hat er sich auch gerne angelegt: Heinrich Böll hat er einmal bissig als "steindummen, kenntnislosen und talentfreien Autor" bezeichnet. Was ihm eine Klage von dessen Sohn eingebracht hat.

Henscheid kümmerte sich nie um politische Korrektheit. Er habe nie Zugeständnisse machen müssen, da er früh finanziell unabhängig gewesen sei, sagt er. Nachdem er jahrelang viel ausgeteilt hat, ist er jetzt ein bisschen altersmilde geworden. Einiges sehe er heute differenzierter, räumt er ein.

"Gar zu viel ist es nicht", fügt er aber schnell hinzu. Es gilt aber für seine Fehde mit Marcel Reich-Ranicki, der in Frankfurt einst bei Henscheid um die Ecke wohnte. Schließlich sei Deutschlands 2013 gestorbener Literaturpapst trotz seiner "zweischneidigen Natur" eine fast freundliche Erscheinung gewesen, sagt Henscheid versöhnlich.

Skurriles und Abstruses


Frankfurt hat ihn inzwischen besonders geehrt. Vor vier Jahren wurde die ganze Stadt zur Bühne für die "Vollidioten" - das Buch mit all seinen Verästelungen wurde zwei Wochen lang auf 70 Veranstaltungen zum großen Thema. Ein Lesefest, das auch Henscheid "ans Herz ging", wie er einräumt. Um Anrührendes geht es auch bei seinem neuen Projekt: Henscheid sammelt derzeit für ein Buch Heiligenlegenden. Er ist dabei auf viel Skurriles und Abstruses gestoßen. Daneben schreibt er noch für die Satirezeitschrift "Titanic", die er 1979 mitbegründet hat. Und er tourt mit Gerhard Polt, mit dem er seit Jahrzehnten befreundet ist.

Henscheid ist auch ein großer Fußballkenner. Der Frankfurter Eintracht und dem 1. FC Nürnberg war er - auch wegen seiner Wohnorte - stets besonders verbunden. Beim entscheidenden Relegationsspiel der beiden Traditionsvereine um den Erstligaplatz saß er im Mai in Nürnberg auf der Tribüne. Dass die Eintracht bei einem wenig ansehnlichen Spiel letztlich gewann, fand er okay. "Sie waren ein bisschen besser, aber nicht viel."
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