Bauwerk in Amberg: die Glaskathedrale
Der letzte Gropiusbau

Kultur
Amberg in der Oberpfalz
13.12.2014
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Eigentlich ist es nur eine Fabrikhalle. Doch unter Kunsthistorikern ist diese "fast etwas Heiliges", sagt Stadtheimatpflegerin Beate Wolters. Insofern passt der Name, unter dem man das Bauwerk in Amberg kennt, ziemlich gut: Die Glaskathedrale am Bergsteig.

Der Bau wurde ursprünglich für die Produktion der Rosenthal-Glaswerke gebaut, erläutert die Heimatpflegerin. Nicht nur seine Form ist außergewöhnlich: "Es ist der letzte Gropiusbau", betont Wolters - das mache die Produktionsstätte zu einem Schatz für Kunsthistoriker. "Aber die Amberger gehen da mit deutlich weniger Respekt an ,dieses graue Ding am Bergsteig' ran", bedauert sie.

Etwas Einzigartiges

Seinen Namen Glaskathedrale bekam das Gebäude wegen des Werkstoffs, der dort verarbeitet wird - und wegen seiner herausragenden Giebelkonstruktion. 1968 wurde es von Bauhaus-Gründer Walter Gropius am Rand des Bergsteigs errichtet. Die Fertigstellung hat der Architekt laut Wolters aber nicht mehr miterlebt: Ein Jahr nach seinem Tod, 1970, sei das Werk seiner Bestimmung übergeben worden.

Auf wenig reduziert

"Gropius hat - wie auch bei seinen Wohngebäuden - immer auf wenige Formen reduziert gearbeitet", erläutert Wolters: "Ganz wenige Grundformen sind es auch bei der Glaskathedrale - aber ich finde, sie ist trotzdem etwas sehr Einzigartiges, sehr Individuelles." Gropius' Wohnsiedlungen erschienen im Vergleich dazu "ein bisschen austauschbar", meint Wolters. Sie verweist darauf, dass dem Bauhaus-Gründer oft der Vorwurf gemacht worden sei, "dass er praktisch den Plattenbau der DDR vorbereitet hat - mit seiner Art, zu bauen". Typisch für diesen Architekten sei, "dass er etwas ganz dem Bauablauf unterordnet, dass es, wie es gemacht wird, möglichst schnell geht und dass dabei sehr nüchterne Formen herauskommen".

Bei manchen seiner Bauten könne man durchaus nachvollziehen, dass viele sagen, diese würden sich nicht besonders von einem beliebigen Gebäude unterscheiden, räumt sie ein: "Aber bei der Glaskathedrale ist ihm schon etwas Besonderes gelungen."

"Die Halle selbst ist so in das Erdreich gesetzt, dass nur die Dachflächen und das Mittelschiff aus dem Boden ragen", erklärt Wolters - "also insgesamt schon eine sehr kühne Anlage". Die Reduzierung auf die Baustoffe Glas und Beton sei typisch für Gropius. "Das schafft natürlich Geschlossenheit für den Bau." Interessant findet Wolters, "dass Gropius zu seiner Zeit immer schon darauf aus war, wie man das Gebäude aus der Luft sieht - vom Flugzeug aus: Das war ihm wichtig."

Wie ein Ornament

Gut nachvollziehen lässt sich das im Amberger Luftkunstkalender von 2013: Für das Oktoberblatt hat der Regensburger Fotograf Herbert Stolz die Glaskathedrale direkt von oben aufgenommen. Sie erfülle schon Gropius' hohen Erwartungen an ein Gebäude dahingehend, dass es auch von oben gestaltet werden muss, ist Wolters überzeugt. "Das sieht aus der Luft wirklich fantastisch aus, wie ein geometrisches Ornament", schwärmt sie und konkretisiert diesen Eindruck: "Vom Dachfirst, der als Rinne ausgebildet ist, gehen Streben weg, auch als Rinne, und dazwischen sitzen dann treppenartig die Fenstereinbauten. Das hat schon eine faszinierende Struktur. Aber die kommt nur zum Tragen, wenn man sie von oben anschaut."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/
1 Kommentar
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Elisabeth Prüser aus Amberg in der Oberpfalz | 30.04.2016 | 00:28  
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