Bayerisches Landesjugendorchester präsentiert Ergebnisse seines Kammermusikkurses
Unglaubliche Motivation hörbar

Beim Konzert des Bayerischen Landesjugendorchesters im Kongregationssaal begeisterte auch das Quintett mit Alexandra Forster (Flöte), Lukas Käßer (Oboe), Joseph Schillinger (Horn), Nora Hartmann (Fagott) und Verena Haberkorn (Klarinette). Bild: Hartl

Bereits zum sechsten Mal ging heuer der Kammermusikkurs des Bayerischen Landesjugendorchesters (BLJO) in Amberg über die Bühne. Wer hier aufgenommen wurde, musste ein anspruchsvolles Auswahlverfahren absolviert haben. So kamen zum Kurs nur ausgewählte junge Musiker. In einer intensiven Probenwoche unter Anleitung von erfahrenen Dozenten, meist als Solisten im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks engagiert, erarbeiteten sich die Teilnehmer Werke der verschiedensten Epochen. In zwei Konzerten am Samstagabend und Sonntagvormittag wurden die Ergebnisse dieser konzentrierten Arbeit dem Publikum vorgestellt.

Geschlossenheit überzeugt


Dabei reichte die Spanne der Kompositionen von der beginnenden Romantik eines Antonin Reicha über Mendelssohn-Bartholdy, Debussy, Dvorak bis zu Strauss und Schostakowitsch im Konzert am Samstag und von Beethoven über Schubert, Dvorak, Saint Saéns hin zu Hindemith und Schostakowitsch bei der Matinee tags darauf. Bei allen Interpretationen waren nicht nur das sichere Beherrschen der Instrumente, die virtuosen Fähigkeiten zu bewundern, sondern insbesondere die nahezu vollkommene Geschlossenheit, das zusammen Musizieren in den jeweiligen Ensembles. Das war fesselnd sowohl in den Besetzungen bei Streichquartett, -quintett und -sextett, als auch bei Flötenquartett und der Besetzung mit neun Bläsern.

Gleichermaßen staunend machte die Altersspannbreite der jungen Akteure von 14 bis zu 20 Jahren. Am Samstag begrüßte zunächst der Organisationsleiter des BLJO und von "Jugend musiziert", Andreas Burger, die zahlreichen Zuhörer. Er hatte mehrfachen Grund zu danken: Neben weiteren Beteiligten vor allem den Verantwortlichen des Max-Reger-Gymnasiums, die erneut ihre Räume für die ausgiebige Probenarbeit zur Verfügung stellten. "Für junge Leute ist dieser Kurs eine unglaubliche Motivation", verdeutlichte Burger. Wie fruchtbar die Probenwoche war, konnte man anschließend in den gespielten Werken hören.

Es begann mit einem reizvoll und mit Schwung gespielten Quintett von Antonin Reicha, wo sich Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn nach anfänglichem Abtasten zu einem unbeschwerten Spiel zusammenfanden mit einer tollen Schlusskadenz der Flöte. Im Streichquartett f-moll von Mendelssohn-Bartholdy überwog eine düstere Spannung, fast glaubte man in diesem letzten Werk Mendelssohns eine Todessehnsucht zu hören. Mit ihrem Dozenten an der Viola gelang den Künstlern eine unglaublich zwingende Interpretation.

Kaum bekannt ist der französische Komponist Marc Berthomieu (1906-1991). Von ihm stand mit "Arcadie" ein dreisätziges Flötenquartett auf dem Programm. Man hörte dem Impressionismus nahe verspielte, verwobene Klangbilder, stark melodiös geprägt und mit rhythmischen Effekten, die im letzten Satz, Dyrades, in einem originellen Schluss mündeten.

Dresdens Schreckensstunde


Schostakowitschs Streichquartett c-moll op. 110 wurde 1960 in Dresden komponiert. Es ist ein düster komplexes Werk, das er in Erinnerung an die Bombardierung Dresdens geschrieben hat. Diese Düsternis, nur scheinbar von einem Allegretto aufgehellt, wurde in einer zwingenden, von fast unerträglicher Spannung geprägten Darstellung gestaltet. Klagende Melodiefolgen, reibende Dissonanzen, ein fast aggressiv jagender Rhythmus bildeten den Spiegel der Schrecken dieser Katastrophe 1945.

Da musste Entspannung folgen: Sie gelang mit "Thule ultima" von Stephen Montaque. Dieser amerikanische Komponist hat ein witziges Stück geschrieben, in dem Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn nur mit ihren Mundstücken eine fast irrwitzige, mit effektvollen Einfällen gespickte Show gestalten, um dann im Schlussakkord mit einem seriösen Instrumentalklang zu enden.

Im zweiten Teil konnte man sich zunächst an einem Streichquartett von Debussy erfreuen, bei dem in homogenem Spiel die fließenden Klänge in spannender Dynamik wirkungsvoll präsentiert wurden. Ein hoch emotionelles, sinnliches Werk ist das Streichsextett aus "Capriccio" von Richard Strauss. Diese spätromantische Komposition glänzte mit verführerischen Melodien und klanglichen Raffinessen und wurde von den musizierenden Jugendlichen (je zwei Geigen, Bratschen und Celli) in eindringlicher Gestaltung mit einem ausgeprägten Gespür für den spätromantischen Charakter gespielt.

Zum Genießen und Freuen


Zum Schluss dann ein Werk so richtig zum Genießen und Freuen. Franz Krommer (1759-1831) hat sein Stück "Harmonie in C" getauft. Hier konnten die neun Bläser ihre Spielfreude, ihr Können und ihr Zusammenspiel so richtig ausleben. Es war eine schöne, unkomplizierte Musik, in der jede Instrumentengruppe mit effektvollen Passagen bedacht wurde - und das in vollkommener Harmonie, schwungvoll und mit virtuosem Glanz (Oboen und Klarinetten). Großer Beifall, alle Mitwirkenden kamen nochmals auf die Bühne - mit diesem fröhlichen Gruppenbild endete das Konzert.
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