Beethovens 9. in Amberg
Ode an die Freude

In der Amberger Klangwerksatt probt der Oratorienchor für das große Ereignis. Bilder: Steinbacher (2)
 
Dirigent Thomas Appel stimmt den Chor auf das große Projekt ein.

"Alle Menschen werden Brüder" - dieser Satz aus Friedrich Schillers "Ode an die Freude" (1786) hat nicht zuletzt durch Beethovens 9. Sinfonie weltweite Bekanntheit erreicht. Der Oratorienchor Amberg und der "Coro Maria Maddalena Desenzano" wagen sich im Januar an die Neunte.

Die Melodie "Freude, schöner Götterfunke" brachte es 1985 zur Europahymne. Die 9. Sinfonie d-Moll op. 125 erklang unter Kurt Masur auch am 2. Oktober 1990, dem Vorabend der deutschen Wiedervereinigung. Eine Verbrüderung in Form der Städtepartnerschaft Amberg - Desenzano del Garda (sie feiert 2016 ihr zehnjähriges Bestehen) ist der Anlass, dieses Werk am 3./4. Januar mit Musikern aus beiden Städten im Amberger Congress Centrum aufzuführen. Die Kulturredaktion führte dazu ein Gespräch mit Thomas Appel, dem Dirigenten des Konzerts.

Mutiges Projekt


Die Idee entstand 2013 bei einem Freundschaftskonzert des Amberger Oratorienchors in Desenzano del Garda, einer Stadt in der Provinz Brescia mit rund 28 000 Einwohnern. Thomas Appel und Gigi Bertagna (seit 1975 Leiter des dortigen "Domchors") dachten sie an, begeisterten sich dafür, suchten Unterstützer. Der jetzige Oberbürgermeister Michael Cerny war damals mit in Italien, Bürgermeisterin Rosa Leso, die Stadt Amberg, das Kulturamt stiegen mit ins Boot, Förderer und Sponsoren wurden gewonnen. Das mutige und kühne Projekt schien tatsächlich realisierbar: Bürger beider Städte würden ihre Verbundenheit leben, erleben, musizieren und sie mit Literatur und Musik artikulieren.

Zwei Jahre sind gar nicht soviel Zeit, um ein Projekt dieser Dimension auf die richtigen Gleise zu setzen. Über 100 Sänger, 50 Instrumentalisten, die vier Gesangssolisten müssen gebucht oder vorbereitet werden. Die beiden Chorleiter müssen sich über Tempi und Interpretation abstimmen. Anreise, Unterkunft, Probenpläne, Raumbelegungen, Personal, Feuerwehr, Sanitätsdienst, Catering, Internetpräsenz, Plakate, Flyer, Programmhefte, all das erledigt sich nicht gänzlich von alleine. Mit Nadia Engheben und Theodora Baka, mit Christos Kechris und Luke Milugja konnten erfahrene, international tätige Vokalsolisten gewonnen werden. Die aus dem nordbayerischen Raum stammenden Musiker des Amberger Sinfonieorchesters mussten engagiert werden und für diese Zeit Urlaubsenthaltsamkeit schwören.

Kein Gefälligkeitswerk


Seine 1824, neun Jahre nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress komponierte Sinfonie spiegelt das neue Selbstbewusstsein des Bürgertums wider. Sie ist kein Auftrags- oder Gefälligkeitswerk für einen Adligen oder Fürsten mehr. Sie touchiert Grenzen: 80 Minuten Spieldauer, die Einbeziehung von Chor und Solisten in die an sich rein instrumentale Gattung Sinfonie sind Neuland. Die spieltechnischen Anforderungen, der vokalen Ansprüche bei den polyphonen Passagen, bei den extremen Höhen schonen kein Stimmband.

Die Botschaft der Musik, ausgesprochen mit den Worten Schillers hat eine ungeahnte Bedeutung erhalten: "Alle Menschen werden Brüder" - immer wieder weist Thomas Appel im Gespräch darauf hin: Das Konzert soll Schwellen und Grenzen in den Köpfen abbauen, zwischen Ambergern und den Desenzanern, zwischen Deutschen und Italienern, zwischen Einheimischen und Menschen, die vor Krieg und Verzweiflung aus ihrer Heimat fliehen und in Europa Schutz suchen. "Seid umschlungen, Millionen!"

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Aufführung: 3./4. Januar 2016 um 19 Uhr im ACC Amberg. Tickets in der Tourist-Information Amberg. (Telefon: 09621-10233) und beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0
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