Beglückende Höllenfahrt

Das "Amberger Sinfonieorchester" unter Dirigent Thomas Appel lieferte mit der Mezzosopranistin Theodora Baka im Stadttheater Amberg ein Silvesterkonzert nach Maß. Bild: Huber

So oft und an so vielen Ecken der Welt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten die Hölle aufgetan - da kann es kaum verwundern, dass auch die alljährliche Silvestergala im Stadttheater in düsterem d-Moll begann.

Freilich sind die Tutti-Schläge des Orchesters in Mozarts "Don Giovanni"-Ouvertüre nur der Vorgeschmack auf die Höllenfahrt seines ewig geilen Helden. Bevor ihn zum Schluss nämlich der Abgrund verschlingt, kommen erst einmal ein paar höchst vergnügliche Opernstunden. Wahrscheinlich tut man gut daran, nicht all zu viel in diesen eher ungewöhnlichen Auftakt hinein zu interpretieren. Wahrscheinlich ging es schlichtweg nur darum, mit einem ebenso faszinierenden wie genialen Stück Musik zu beginnen. Bemerkenswert bleibt das Ganze dennoch.

Zum Glück aber war es bei weitem nicht das einzig Bemerkenswerte dieses außergewöhnlichen Abends. Tatsächlich haben das "Amberger Sinfonieorchester", sein Dirigent Thomas Appel und die Mezzosopranistin Theodora Baka im Stadttheater eine ganz große Show abgeliefert, ein Silvesterkonzert nach Maß sozusagen, unterhaltsam, schwungvoll und musikalisch hochklassig.

Übliche Verdächtige

Sicher, die Stückeauswahl war, sieht man mal von "Don Giovanni" ab, wenig innovativ. Und auch der Ansatz, je eine Opern- oder Operettenouvertüre mit jeweils einer Arie daraus zu kombinieren, ist nun alles andere als neu. Rossini, Strauss junior, Offenbach und Bizet gehören als Komponisten nun mal zu den üblichen Verdächtigen einer derartigen Veranstaltung. Rossinis "Barbier von Sevilla" und die Arie der Rosina "Una voce poco fa" gehen immer. Strauss' "Fledermaus" natürlich auch. Von Bizets "Carmen" ganz zu schweigen. Egal: Wirklich wichtig ist eh nur, was man daraus macht.

Von süffiger Eleganz bis zur packenden Attacke, vom verhalten Intimen bis hin zur famosen musikalischen Noblesse fächerten Appel und das Orchester einen wunderbaren Klangkosmos vor den Ohren des Publikums auf, musizierten mit Verve, ohne dabei über das Ziel hinaus zu schießen. Schwung und Effekt: Ja! Vordergründige Effekthascherei: Nein! Theodora Baka ergänzte die Instrumentalisten dabei mehr als einnehmend. Mit ihrem dunkel abgetönter Mezzo kann sie wunderbar warm und geschmeidig agieren, ist aber wie selbstverständlich auch zu dramatischer Schärfe in der Lage. Kaum Vibrato, ein unverstellte Herangehensweise und nicht zuletzt auch eine große Portion darstellerisches Talent sorgten schlussendlich für ein rundum beglückendes Erlebnis.

Wenig geistreich

Nur die wenig geistreichen Moderationen von Katja Tschirwitz hätte es an diesem Silvesterabend nicht gebraucht. Aber spätestes beim obligatorischen "Radetzky-Marsch" zum Schluss waren auch die vergessen - genauso wie hoffentlich dieses furchtbare Jahr.
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.