Beuys-Ausstellung geht, aber zwei Hinterlassenschaften bleiben
Kehraus fällt aus

Mehr Bilder machen mehr Arbeit: Ursprünglich sollten nur 150 Beuys-Werke im ACC ausgestellt werden. Doch dann brachte man über 250 unter. Die mussten nun wieder feinsäuberlich verpackt und auf die Reise nach Ilmmünster geschickt werden. Bilder: Steinbacher (3)
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
16.09.2016
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Marketing-Koordinatorin Sandra Hofmann rettete den Beuys'schen Besen vor der versehentlichen Einstufung als gemeines Werkzeug.

Der Besen steht etwas gefährdet in der Ecke. Ist er nun ein geniales Werk von Beuys, oder braucht ihn der Aufräumtrupp im ACC, um rauszukehren, wenn Exponate und Stellwände erst einmal verräumt sind? Zwischen diesen beiden Möglichkeiten liegt nur eine kleine Unterschrift.

Wie leicht könnte man im Trubel des Abbaus der Beuys-Ausstellung im ACC das Werkzeug für ein solches halten und die höheren Weihen der Kunst gar nicht bemerken, die ihm durch den Schriftzug "Joseph Beuys" verliehen wurden. ACC-Marketing-Koordinatorin Sandra Hofmann brachte das gute Stück vorsichtshalber mal in Sicherheit.

Zehn Mann hoch machten sich die ACC-Mitarbeiter am Donnerstag an den Abbau der Ausstellung, die seit dem 25. Juli lief und bis Mittwochabend noch geöffnet hatte. Um 15 Uhr mussten die mehr als 250 Exponate wieder sauber und ordentlich in ihren Transportbehältern verstaut sein. Da war schon der Aufbau für die Landeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt angesetzt.

Die Beuys-Werke gehen zurück an den Leihgeber, die Korff-Stiftung im oberbayerischen Ilmmünster. Marian von Korff hat die Exponate laut Sandra Hofmann teilweise selbst von Privatleuten erhalten und verteilt sie nun wieder.

Keine roten Zahlen


Obwohl das ACC die Besucherzahlen und die Abrechnung der Beuys-Schau noch nicht genau überblickt, geht die Marketing-Koordinatorin davon aus, dass man damit kein Minus gemacht hat. Was man für Leihgebühren, Versicherung und Werbung auf der einen Seite ausgegeben habe, dürfte nach Hofmanns Einschätzung auf der anderen Seite durch die Eintrittsgelder und die Leistungen der Sponsoren wieder reingekommen sein.

Der Besucherzuspruch entwickelte sich in altbekannter Manier: großer Zulauf am Anfang und am Schluss, dazwischen eher mau. Auffällig viele Gäste kamen heuer aus dem Nürnberger Raum, während die Einheimischen wie immer etwas schwächelten und allenfalls gegen Ende größeres Interesse zeigten. Als etwas unglücklich empfand es Sandra Hofmann, dass man die Ausstellung gleich nach Schulbeginn beenden musste, "denn wenn es länger ging, sind schon immer noch einige Schulklassen gekommen. So blieb es bei den zwei Klassen, die am Mittwoch die letzte Gelegenheit nutzten.

Provokation bei Vernissage


Was bei Sandra Hofmann an Resonanz ankam, war "durchweg positiv" - gelegentlich garniert mit der Anmerkung, dass bei Beuys eine Führung schon sinnvoll sei, "weil er als Künstler so komplex ist". Aber insgesamt doch mit der Versicherung, den Besuch der Ausstellung nicht bereut zu haben. Auch das Begleitprogramm oder die lange Kunstnacht seien gut angenommen worden. Für Gesprächsstoff sorgten zudem die (Fremd-)Installation aus Geschirr, die jemand zur Vernissage provokativ in einer Ecke aufgebaut hatte ("die kam aber schnell wieder raus"), sowie der Mango-Stecker, den eine 19-jährige Abiturientin aus Sulzbach-Rosenberg in die Ausstellung schmuggelte (wir berichteten).

Immer wieder fragten die Besucher auch nach den aufgesprayten Hasenspuren, die quer durch die Stadt zum ACC führten. Spätestens vor der großen Hasenwand des Meisters dürfte jedem der Bezug klar geworden sein. Ein Hase ist es übrigens auch, der Amberg von der Beuys-Schau bleiben wird: die von Anne Dreiss geschaffene Bronze-Skulptur, die derzeit noch vor dem Haupteingang thront, aber wohl bald einen anderen Standort erhält. Vielleicht ja bei der frisch gepflanzten Amberger (Beuys-)Eiche, der zweiten dauerhaften Hinterlassenschaft der Ausstellung.

Wieder ein GroßerFür die Sommerferien 2018 ist die nächste Kunstausstellung im ACC geplant. Das Thema steht noch nicht fest, es soll aber keine thematische Ausstellung werden, sagt Sandra Hofmann, sondern "sicher ein großer Name, die kommen beim Publikum einfach besser an". Welcher Künstler es wird, müsse spätestens bis zum Sommer 2017 festgelegt sein. (ll)
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