Beuys: "Ein bisschen verrückt"
Die Reaktionen von Ausstellungsbesuchern sind gemischt

Seit einigen Wochen ist im ACC eine Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys zu sehen. Einige Besucher sehen diese durchaus kritisch. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
18.08.2016
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Ran an die Spaten und zuschaufeln hieß es für (von links) Oberbürgermeister Michael Cerny, Sandra Hofmann (ACC), Stadtkämmerer Franz Mertel, Norbert Wellnhofer (Stadtgärtnerei) und ACC-Geschäftsführerin Petra Strobl, damit die gut fünf Meter hohe Eiche auch anwächst. Bild: gf

"Danke Amberg für diese tolle Ausstellung" und "Ich fand's eher langweilig", sind zwei Reaktionen von Besuchern auf die Beuys-Schau im ACC. Wie zu seinen Lebzeiten spaltet Joseph Beuys die Betrachter seiner Werke.

Zu lesen sind diese Meinungen im Gästebuch zur Ausstellung, das im ACC ausliegt. Unterschiedlicher können die Reaktionen auf Joseph Beuys' Kunstwerke kaum sein. Blättert der Leser durch die Seiten, findet er weitere Reaktionen.

"'Mann' muß verrückt sein und sich Künstler nennen, um solche Exemplare als Kunst zu veröffentlichen", schreibt Renate, die mit den Objekten nicht zufrieden war. Damals wie heute polarisiert Beuys die Betrachter seiner Werke. Manche Besucher outen sich als große Fans und finden ihn "sehr inspirierend", andere "irgendwie komisch". Auffallend ist, dass über die Führungen, die das ACC zur Beuys-Ausstellung anbietet, kaum ein schlechtes Wort verloren wird und die Besucher sie loben.

Eine Frau aus Erbendorf (Landkreis Tirschenreuth) sieht sich gerade einen Zeitungsartikel an, den Beuys in Rot übermalt hat. Sie habe sich vor dem Besuch der Ausstellung über den Künstler informiert, erläutert sie. "Ich habe schon viel von ihm mitbekommen", sagt die Frau und berichtet sofort von der politischen Karriere des Künstlers. "Ein bisschen verrückt war er auch", gibt sie zu. Die Erbendorferin lobt das ACC für die Ausstellungen großer Künstler, die es alle zwei Jahre organisiert und die sie stets besucht: "Es ist sehr wertvoll, dass es so etwas in der Region gibt."

Thomas Kuhn aus Lauf an der Pegnitz kennt Beuys' Kunst schon lange. "Ich bin extra nach Amberg gefahren, weil mich die Ausstellung interessiert", erklärt er. Früher habe er gedacht, dass das, was Beuys Kunst nennt, jeder könne. Doch inzwischen sehe er das etwas objektiver. "Ich war kritisch gegenüber dem, was Beuys gemacht hat." Auf einer Infotafel in der Ausstellung habe Kuhn gelesen, dass Beuys als Scharlatan bezeichnet wurde. Bei manchen Objekten könne er diesen Titel nachvollziehen, meint der Besucher.

Keine Kartenzahlung


Einen Umweg auf der Strecke Regensburg-Heidelberg nahm Alexandra in Kauf. Denn ihre Kinder Zoe, Nikolas und Baby Victor sollen die Ausstellung unbedingt sehen. "Ich war total überrascht, dass es Beuys in Amberg gibt", erzählt Alexandra, die mit ihrer Familie in Heidelberg lebt. Sie erklärt Zoe Beuys' "Stuhl mit Fett", der auf einem Foto zu sehen ist. Vor sich trägt sie Victor in einem Tuch. Doch nicht jedes ihrer Kinder lässt sich für den Künstler begeistern: "Eine interessiert sich, einer kann sich nicht wehren und einer rebelliert", sagt sie lachend über den Kunstsinn der drei. Geärgert habe sie sich, weil sie den Eintritt an der Kasse im ACC nur in bar bezahlen konnte und deshalb lange nach einem Bankautomaten suchen musste. Die drei Erwachsenen erfreuen sich an der Ausstellung. Voll des Lobes war auch dieser Besucher, der in Anlehnung an Beuys' Hasen-Bilder ins Gästebuch schrieb: "Hallo Beuys, schön dir zu begegnen! Gruß, Hase."

"7000 Eichen"Die Soziale Plastik "7000 Eichen" stellte der Künstler Joseph Beuys 1982 bei der Documenta 7 in Kassel vor. Die Aktion betitelte er mit "Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung". Seine Idee war, die Stadt durch die Bäume grüner zu gestalten und den Menschen einen Anreiz zu bieten, über Ökologie nachzudenken und die Natur bei der Stadtplanung zu berücksichtigen. Neben jeder Eiche ließ Beuys eine Basaltstele als Wächter aufstellen. Über die Aktion, die fünf Jahre lang bis zur Documenta 8 lief, können sich Interessierte in der Beuys-Ausstellung im Kongresszentrum informieren. Künstlerin Anne Dreiss, die durch die Präsentation führt, weiß, dass Beuys Probleme hatte, die 7000 Eichen und Steinsäulen zu finanzieren. Er fand zunächst nicht genügend Spender und musste viel eigenes Geld in das Projekt stecken. Unter anderem organisierte er eine Auktion mit beigesteuerten Werken von Künstlerfreunden, darunter Andy Warhol, und machte Werbung für einen japanischen Whisky. Vier Millionen Deutsche Mark steckte er in dieses Projekt. Um die in Kassel bis heute 6962 gepflanzten Bäume samt Steinblöcke kümmert sich eine Stiftung. Seit 2004 steht das Kunstwerk "7000 Eichen" unter Denkmalschutz. (esa)

Die langen Schatten von Joseph Beuys

Amberg. (esa) Joseph Beuys hinterlässt seine Spuren. Der Künstler erregte 1982 mit seiner Aktion "7000 Eichen" Aufsehen in Kassel, wo er die Bäume nach und nach einpflanzen ließ. Warum eine Eiche nun auch in Amberg stehen soll, erklärt Petra Strobl, Geschäftsführerin des Amberger Congress Centrums, im Interview.

Was plant das ACC?

Strobl: In Anlehnung an das Landschaftskunstwerk "7000 Eichen" von Joseph Beuys führen wir diese sogenannte Soziale Plastik in Amberg in gewisser Weise fort und haben eine Eiche gepflanzt, die von einem Basaltstein begleitet wird. Von 1982 bis 1987 setzte Beuys 7000 Bäume zusammen mit jeweils einem Basaltstein an unterschiedlichen Standorten in Kassel. Ein Jahr nach Beuys' Tod pflanzte Wenzel Beuys, der Sohn des Künstlers, den letzten Setzling neben die erste Eiche vor dem Fridericianum, in dem die Documenta stattfindet.

Wo steht die Amberger Eiche?

Zu finden ist die "Amberger Eiche mit Basaltstein" auf der direkt an das ACC angrenzenden Grünfläche nahe des Springbrunnens. Der Original-Spaten, mit dem Beuys einst Eichen pflanzte, ist übrigens im bei uns ausgestellt.

Was hat der Baum mit Amberg zu tun?

Mit dem Baum soll nicht nur an die inzwischen zehnte große Kunstausstellung in Amberg, sondern auch an das 20-jährige Jubiläum des Kongresszentrums erinnert werden. Die Eiche, bzw. der Baum, steht für Entwicklung und Beständigkeit - so wie es das ACC und dessen Ausstellungen in den letzten 20 Jahren bewiesen haben. Die Eiche ist ein weiteres Objekt für den Amberger Skulpturenweg.

Eine interessiert sich, einer kann sich nicht wehren und einer rebelliert.Mama Alexandra, die die Ausstellung mit ihren drei Kindern besucht
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