Bischof Rudolf Voderholzer warnt vor Geschlechtergleichstellung
Mahnung an die Mädchen

Mit einem Pontifikalgottesdienst in der Basilika St. Martin feierten die Dr.-Johanna-Decker-Schulen am Freitag ihr 175-jähriges Bestehen. Am Altar standen (von links) Dekan Markus Brunner, Domkapitular und bischöflicher Schulreferent Johannes Müller, Bischof Rudolf Voderholzer und Pfarrer Stefan Hirblinger (nicht auf dem Bild). Bild: Hartl

Es war eine Predigt wie aus dem Lehrbuch: Vor rund 300 Schülerinnen der Schwesternschule warnte Bischof Rudolf Voderholzer am Freitag vor einer übertriebenen Gleichstellung der Geschlechter. Ein "Aufstand gegen die Schöpfungsordnung" sei in Gang gekommen.

Seit 175 Jahren erziehen die Dr.-Johanna-Decker-Schulen Mädchen zu selbstbewussten Frauen, "die auch im beruflichen Leben ihre Frau stehen", wie Diözesanbischof Rudolf Voderholzer durchaus anerkennend bemerkte. Den Gottesdienst zum Abschluss des Jubiläumsjahres am Freitag in der Basilika St. Martin nutzte der Oberhirte, um die Verdienste der Schule zu würdigen. Er nahm die Messe aber auch zum Anlass, gegen die "Gender-Ideologie" zu wettern, die bereits den "Marsch durch die Institutionen" angetreten habe.

Opfer der Sexualindustrie

Das übertriebene Gender-Denken ignoriere die natürliche Realität, erklärte der Bischof. Er habe von einem Kindergarten gehört, der in seinen Elternbriefen nicht mehr von Vater und Mutter spreche, sondern nur noch geschlechtsneutral von "Elternteil I und Elternteil II". Oder von einem Kinderbuch, in dem der Prinz nicht mehr die Prinzessin heiratet, sondern einen anderen Prinzen, "damit man das vermeintlich althergebrachte Festlegen auf verschiedene Geschlechter vermeidet". Voderholzer: "Das ist ein Aufstand gegen die Schöpfungsordnung. Das kann nicht gutgehen!" Es sei verhängnisvoll, "wenn man den Kindern - statt ihnen zu helfen, ihre Identität zu finden - ein Durcheinander und eine Wurstigkeit serviert." Letztendlich würden sie durch eine systematische Leugnung der natürlichen Geschlechterrollen einer "kommerziellen Sexualindustrie ausgeliefert". Der Bischof appellierte an die Schülerinnen der Decker-Schulen, das Frau-Sein anzunehmen und als Gabe zu verstehen. "Gott hat Mann und Frau geschaffen", betonte er.

Christliche Glaube ist das Fundament

Die Dr.-Johanna-Decker-Schule sei wie ein Haus, das - wie im Matthäus-Evangelium beschrieben - auf Fels gebaut sei. Fundamente seien zwei starke Frauen: die Gründerin des Ordens der Armen Schulschwestern, Maria Theresia Gerhardinger (1797 bis 1879) und die von Terroristen ermordete Missionsärztin Dr. Johanna Decker (1918 bis 1977). "Der christliche Glaube aber ist das Fundament überhaupt", erklärte der Bischof. Christliche Bildung integriere die Fähigkeiten des Geistes, des Herzens und des Gemüts, halte fächerübergreifend den Blick für das Ganze offen. Es gehe nicht nur darum, Fachleute auszubilden, sondern den Gesamtzusammenhang zu erschließen. Und dazu gehöre natürlich die Frage nach Gott, "die letzten Fragen nach dem Wohin, dem Sinn des Ganzen". "Bildung bedeutet mehr, als Multiple-Choice-Fragebögen auszufüllen", zitierte Voderholzer einen österreichischen Wissenschaftler.

Gebet für Pfarrer Meiler

Zu Beginn des Gottesdienstes gedachte Voderholzer dem schwer erkrankten Stadtpfarrer Franz Meiler. "Wir sind im Geiste mit ihm verbunden und beten für ihn, damit er mit Gottes und ärztlicher Hilfe seine Krankheit überwindet." Der Schulchor, verstärkt von Sängern des Ensembles Piccorolo - darunter der Kümmersbrucker Bürgermeister Roland Strehl und Ex-Bundestagsabgeordneter Hermann Fellner -, sang die "Freudenberger Bläsermesse", die Musiklehrer Franz Hanauska im Jahr 2002 komponiert hatte. An der Orgel saß Bernhard Müllers.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.