"Blaupause" im Kunstkombinat
Mach mal Pause

Vier Frauen, ein Ziel: Mit der Vernissage "Blaupause" eröffneten Michaela Peter, Helga Sichelstiel, Heike Lepke und Marion Mack (von links) ihre erste gemeinsame Ausstellung. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
07.06.2016
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"Blaupause" - so haben Michaela Peter, Marion Mack, Heike Lepke und Helga Sichelstiel ihre erste gemeinsame Ausstellung im Kunstkombinat Amberg überschrieben. Jede der Künstlerinnen hat das Thema auf eigene Weise interpretiert.

Mittels Malerei, Gravur, Nähnadel, Chemie, Stoff, Papier, Ablichtungstechnik, Druckwalze und Klebemittel entstanden die unterschiedlichsten Exponate. Im Zentrum steht einmal die Farbe Blau, dann die Ruhepause, einmal die Vervielfältigungstechnik und dann Lichtpausen: mit Cyanotypie hergestellte Fotos.

Heike Lepke bedient sich dieser Technik. Seit Jahresanfang hat sie ihr Atelier unter dem Dach des Kunstkombinats. Eigentlich ist sie Informatikerin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH). Als Gegenpol zu ihrer digitalen Arbeits- und der digital beherrschten Alltagswelt, hat sie sich der analogen Fotografie verschrieben. Nicht nachbearbeitet, sondern wohldurchdacht macht sie ihre Fotos. Im unteren Galerieraum hat sie zehn technisch aufwendige Tafeln mit dem Verfahren der Cyanotypie als Wandinstallation "Wal" aufgebaut. In der Reihe "ling blim" porträtiert sie Reste eines ausgebrannten Bauernhofes, der von den Eigentümern zwar ausgeräumt wurde, aber alles, was nicht mehr gebraucht wurde, ist einfach "ling blim". Auch das verbeulte Ölfass, auf dem noch 'BP' zu entziffern ist, gehört zu dem Gerümpel. Die Doppeldeutigkeit der Großbuchstaben könnte ebenfalls einen Hinweis auf den Ausstellungstitel geben.

Neu verwenden


Helga Sichelstiel ist Schneidermeisterin und hat seit dem Frühjahr ihr außergewöhnliches Designer-Schneideratelier "Sichelstiel" im Kunstkombinat. Aus recycelten und bearbeiteten, teils gefärbten Stoffen, kreiert sie Neues. Ihre Kissen laden natürlich zur Pause ein. Sie sind aus blau bedrucktem Stoff genäht und nehmen so Bezug auf das alte Verfahren des Blaudrucks.

Auch zum Schürzenkleid "Mary Sue", das mit sehr unproduktiven Handschuhen verziert ist, fällt einem nur das Motto "Pause" ein. Vielleicht entwickelt sich daraus ja ein unerwartetes, erotisches Abenteuer? Frau Sichelstiel meint dazu: "Zu diesem Modell kann sich jeder seinen Teil denken." Marion Mack nimmt mit ihren Monotypien "Blueprint of my life" Bezug auf den Ausstellungstitel und auf einen Song der Gruppe "Rainbirds". Mit der Arbeit "Radiolarien" kehrt sie zu ihren Ursprüngen als Glasgraveurin zurück. Die feinen und sehr zarten Arbeiten im Glasdruckverfahren zeigen Strahlen- oder Gittertierchen mit kunstvollen, glasartigen Gehäusen, die im Meer schweben.

Sie erfordern sowohl bei der Gravur als auch bei der Vervielfältigung großes technisches Können. Wie bei einem Kupferdruck wird Farbe aufgetragen und dann auf feuchtes Papier gedruckt. Die Rohlinge bestechen in ihrer fragilen Glas-Eleganz, die Drucke mit feiner Farb-Transparenz.

Reizvolle Technik


Michaela Peter, Künstlerin und Kunsttherapeutin, leitet gemeinsam mit Mack seit vier Jahren das Kunstkombinat. Sie hat sich dem Thema zunächst ganz pragmatisch genähert. "Ich habe angeknüpft an einen kindlichen Spaß, nämlich dem Pausen mit Pauspapier." Entstanden sind sehr persönliche, dichte "Pausenberichte". Mit der Collage "The Border" aus Plakatresten und dem verwendeten Pauspapier will sie Grenzen im Kopf und im Handeln aufzeigen.

"Das Verwenden von Collagematerial hat für mich einen großen Reiz, denn es ist ein direktes Hereinnehmen der Welt, einer Zeitsequenz, eine Abbildung von dem aktuellen- oder vergangenen Geschehen an einem Ort, oder in einer Gegend. Ich strukturiere um und ergänze, ordne und sortiere damit all die Eindrücke, Abdrücke und Erfahrungen, die das Leben für mich bringt", soweit ihre Erläuterungen.

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Weitere Informationen:

www.amberger-kunstkombinat.de

AusstellungDie Ausstellung des Amberger Kunstkombinats (Neustift 47) dauert bis Freitag, 26. Juni (Freitag, Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr), sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0179/9628089. Zusätzlich hat sie auch während der Reihe "Das Weiße vom Ei" des Amberger Altstadtfestes geöffnet.
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