Bob-Dylan-Songs auf Oberpfälzisch
So gut wie das Original

Ein paar von den weniger bekannten, aber dennoch recht eindrucksvollen Liedern von Bob Dylan trug Vilswanderer Wolfgang Ignatz auf Oberpfälzisch vor - so gut, dass man meinen konnte, die Songs wären im Original in diesem Dialekt verfasst worden. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
09.06.2016
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Auf Schwäbisch geht's nicht, auf Fränggisch a ned und auf Sächsisch schon gar nicht, erklärte Felix Muth, ehemaliger Englischlehrer und ausgemachter Bob-Dylan-Kenner im Kunstkombinat.

Von Johann Frischholz

Zum 75. Geburtstag des Sängers und Songwriters am 24. Mai haben sich er und der Vilswanderer Wolfgang "Aitschi" Ignatz etwas Besonderes einfallen lassen: Dylan-Songs in Mundart. Dies gelang bisher nur einem so richtig gut. Das ist aber mehr als ein Vierteljahrhundert her, als Austropop-Legende Wolfgang Ambros im dem oberpfälzischen artverwandten Idiom der Alpenrepublik mit seinen Coverversionen die Hitparaden stürmte.

Weniger bekannte Lieder


Für seinen Auftritt hatte sich der Vilswanderer ein paar von den weniger bekannten, aber dennoch recht eindrucksvollen Liedern von Robert Zimmermann - so steht der Name des Meisters der Verwandlungen im Pass - ausgewählt. Und das Publikum musste feststellen: "Auf Oberpfälzisch geht's wirklich gut!" Ignatz brachte nicht einfach Übersetzungen zu Papier, sondern übertrug Sprachmelodie und Inhalte in den Heimatdialekt so, als wären die Lieder ursprünglich so geschrieben.

Die schwermütigen und oft auch schwerblütigen Kompositionen Dylans hatten Felix Muth, der die passenden Worte der Erklärung zu Entstehung und Bedeutung der Songs im zeitgeschichtlichen Kontext fand, und Wolfgang Ignatz in chronologische Reihenfolge gebracht.

Also zuerst die alten Songs aus der Folkpoetenzeit im Greenwich Village, dann aus der bei den Fans nicht unumstrittenen Phase Mitte der 1960er- Jahre des vergangenen Jahrhunderts, und gegen Ende hin einige aktuellere Nummern, wenn man die zeitlosen Dichtungen überhaupt in dieser Form einteilen kann. Sich selbst auf der Gitarre begleitend, interpretierte der Vilswanderer die Bob-Dylan-Lieder ohne den Versuch, den unnachahmlichen charakteristischen Tonfall des Originals zu kopieren, in einer höchst eigenständigen Weise.

Dass selbst die Storyteller-Songs des Robert Zimmermann, in denen er auf aktuelle Ereignisse einging, zeitlos und nicht an bestimmte Orte gebunden sind, zeigte Wolfgang Ignatz in einem Lied, das den erweiterten Suizid eines bankrotten Farmers beinhaltete.

Und wäre nicht auf den ankündigenden Plakaten der Name des liederschreibenden Chamäleons Dylan gedruckt gewesen, hätte Wolfgang Ignatz das Programm durchaus als eigenes ausgeben können. Nur wenige ausgemachte Dylan-Fans hätten es gemerkt. Das beweist das Talent des Vilswanderers, die Texte in unsere Sprache zu übertragen, auf seine eigene Weise zu singen und damit etwas Neues geschaffen zu haben.

Musiker und Maler


Zu dem Eindruck des Neuen, den dieses Konzert hinterlassen hat, trugen die Experten-Statements von Felix Muth bei, der dem staunenden Publikum eröffnete, dass die Lieder seines Idols auch und manchmal vor allem von anderen Interpreten erfolgreich dargeboten werden, wie etwa jüngst "Make you feel my Love" mit der britischen Sängerin Adele.

Ein weiteres Talent Dylans konnten die Konzertbesucher sehen: Per Projektion wurden einige Bilder des sich auch in der Malerei betätigenden Songwriters gezeigt.
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