Brasilianischer Samba trifft auf boarischen Dreig’sang
Silvesterkonzert im Amberger Rathaussaal

Während draußen schon die ersten Ungeduldigen mit der Silvesterböllerei loslegten, waren im Amberger Rathaussaal die eher leiseren Töne gefragt. Hier waren "Die Drei Damen" (von links Andrea Hermenau, Lisa Wahlandt und Christiane Öttl ) zu Gast, die mit eigenen Liedern und gecoverten Songs ihr Publikum auf den Jahreswechsel einstimmten. Bild: Hartl

Von Johann Frischholz

Amberg. Mit ihren ausgefeilten Arrangements haben Lisa Wahlandt, Andrea Hermenau und Christiane Öttl das Publikum gleich auf ihrer Seite. Die angejazzten Stücke, immer leicht und locker, manchmal sogar ein wenig unterkühlt, aber immer hinreißend schön, begeistern einfach jeden im Saal. Von den Klassikern der Unterhaltungsmusik der dreißiger Jahre bis hin zu poppigen Songs, die erst vor vergleichsweise kurzer Zeit die Hitparaden dominierten, reicht das Spektrum der "Drei Damen".

Vielfalt der Provenienz


Und natürlich lädt diese Vielfalt der Provenienz auch zum Spiel mit verschiedenen Stilen ein - oder zu besonderen klanglichen Experimenten. So klingt der Shocking-Blue-Hit "Venus" ganz anders als bei "Bananarama". Die Bestandteile mit nahezu wissenschaftlicher Akribie auseinanderdividiert, das unwesentliche Beiwerk eliminiert und mit der verbleibenden Substanz etwas völlig neues geschaffen - und schon wird aus einem radiotauglichen Oldie eine neue Cool-Jazz-Nummer.

Solchen künstlich unterkühlten Songs verleiht vor allem Andrea Hermenau mit kleinen melodiösen Farbtupfern auf dem Klavier ein wenig heitere Stimmung. An anderer Stelle zeigt sie sich als hervorragende Solistin auf ihrem Instrument. Aus minimalen Fragmenten entwickelt sie - oft im stetigen Crescendo - ihre Improvisationen, die verdientermaßen mit dem bei Jazzern üblichen Zwischenapplaus belohnt werden. Auch als (Background-)Sängerin sorgt sie zusammen mit Christiane Öttl für eine höchst angenehm anzuhörende Klangbasis für Lisa Wahlandt. Kurz gesagt: Brasilian Samba meets boarischen Dreig'sang!

Weltentrückt und verträumt


Christiane Öttl am E- und Steh-Bass zupft ihre butterweichen Tieftöne derart weltentrückt und verträumt, dass man die ultracoole Musikerin scheinbar gar nicht mit ihrer zweiten Persönlichkeit in Verbindung bringen kann. Sie übernimmt nämlich auch die Aufgabe eines Conferenciers, wenn man das bei einer bayerischen Native-Speakerin überhaupt so nennen kann. Beinahe wäre sie allerdings beim Publikum in Ungnade gefallen, weil sie sich über die gutturalen Laute, die den Oberpfälzer Kehlen entspringen, ein wenig lustig macht.

Mit viel Charme quatscht sie sich aber aus dieser Nummer wieder raus, indem sie besonderen intellektuellen Fähigkeiten der deutschen Südstaatler betont, die schließlich zweisprachig aufwachsen. Außerdem kann man einer Frau, die so sanft mit ihren Bässen umgeht und damit den Ohren der Zuhörerinnen und Zuhörer schmeichelt, nicht lange böse sein.

Vielseitige Sängerin


Lisa Wahlandt braucht man wohl in Amberg nicht mehr vorstellen. Die vielseitige Sängerin war mit ihren verschiedenen Formationen - wie eben den "Drei Damen" oder mit der Joni-Mitchell-Cover-Band "Big Yellow Taxi" - und auch mit Solo-Programmen - darunter sogar ein Weihnachts-Special - schon des öfteren zu Gast in Amberg. Zuletzt war sich noch kurz vor Heiligabend bei der "Special Night before Christmas" zu hören.

Wenn sie langsam anfängt, mit lautmalerischen Klängen in einen Song hineinzufinden, rätselt das Publikum schon, was denn nun kommen würde. Und ihre Interpretationen sind oft so weit vom Original entfernt, wie eben bei der oben erwähnten "Venus", dass man erst beim Refrain dahinterkommt, was da wohl auf der Setlist steht.

Hintergründiger Humor


Ob in fremden Sprachen oder im heimischen Idiom, Lisa Wahlandt trifft den richtigen Ton und schafft es immer, ihre Stimme zu einem Ganzen mit den Instrumenten verschmelzen zu lassen. So gesehen gibt es bei den "Drei Damen" keine ausgeprägte Solistin mit Begleiterinnen, sondern einen Gesamtklangkörper, der nicht nur mit seiner Musikalität begeisterte, sondern auch mit den selbst gedichteten bayerischen Texten, deren hintergründiger Humor den Vergleich mit großen Meistern dieses Fachs, wie etwa Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, oder Robert Gernhardt, nicht zu scheuen braucht.

Wäre nur noch anzumerken, dass die Konzertbesucher, die sich am Ende ganz schnell in Richtung Garderobe drängeln, um möglichst bald zur rauschenden Silvesterparty zu kommen, eine wirklich mitreißende Version von Van Morrisons "Moondance" verpassen.
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