Buchkultur in Oberpfälzer Klöstern

Professor Ernst Tremp referierte beim Symposium Armarium - Buchkultur zum Thema "Mönche und Bücher". Bild: Steinbacher

Das Symposion Armarium im Barocksaal der Provinzialbibliothek zeigt sämtliche Facetten der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Buchkultur in den Klöstern der ehemaligen Oberen Pfalz.

Bücher, Bildung und Mönche - der markante Akkord, der durch ehrwürdige Bibliotheken schwingt, ist Thema des dritten Oberpfälzer Kloster Symposions in der Provinzialbibliothek in Amberg. Trotz rekordverdächtiger Hitze, finden sich viele interessierte Zuhörer im kühlen Barocksaal ein zum Festvortrag mit dem Titel: "Mönche und Bücher". Professor Ernst Tremp, ehemaliger Stiftsbibliothekar der weltberühmten Bibliothek des Klosters Sankt Gallen, illustriert seine fundierten Ausführungen mit aussagekräftigen Bildern von außergewöhnlichen Schriften, mit einer vor rund 1000 Jahren verfassten Erzählung des Geschichtsschreibers Ekkehart IV aus St. Gallen und mit interessanten Persönlichkeiten.

Im Schwyzer-Dialekt

Der gelehrte Friedrich von Amberg ist so einer, der hierzulande nicht so bekannt ist, im schweizerischen Freiburg allerdings einen guten Namen hat, wie der Experte im schönsten Schwyzer-Dialekt erläuterte. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde jener Friedrich in Amberg geboren. Jahrzehnte lang wirkte er als Prediger und Guardian im heute noch bestehenden Franziskanerkloster in Freiburg. Auf so charmante und gekonnte Art war der Bogen gespannt und die Spannung hochgeschraubt.

In sechs Kapiteln setzt sich der Stiftsbibliothekar a.D. auf die Fährte. Er beginnt sein Thema mit Ausführungen zu "Bettelorden und Bücher": "Die Franziskaner oder Minoriten, denen Friedrich von Amberg angehörte, hatten wie die anderen Bettelorden ein besonderes Verhältnis zum Buch - nämlich gar keines." Ihre Handschriften waren in der Regel schlicht gestaltet. Bücher, die allen zur Verfügung stehen mussten und nur im Bibliotheksgewölbe oder in der Kirche konsultiert werden durften, wurden als sogenannte "Kettenbände" an das Lesepult angekettet.

Andere Orden hatten eine andere Einstellung, die der Referent ebenfalls ausführlich durchleuchtet. Allerdings sollten doch alle mit Büchern befassten Mönche des Lesens mächtig sein. Was allerdings nicht immer der Fall war, wie die kuriose Geschichte von Sindolf berichtet, der um das Jahr 900 Speisemeister im Kloster St. Gallen war. Er hielt Bücher und die ihm unverständliche Sprache Latein für "Teufelswerk".

Buchdruck verändert

Doch Bücher waren wertvoll. Sie wurden durch Tausch und Kauf erworben oder selber hergestellt. Bedeutende Klöster hatten dafür ein eigenes Schreib-Atelier, das Scriptorium, führt Tremp im Kapitel "Buchproduktion" aus. Bis ins Spätmittelalter bildete die Kopisten-Tätigkeit der Mönche das Fundament für die Verbreitung von Schriften und Vermittlung von Wissen. Die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert veränderte die Situation grundlegend.

Das Ende des Mittelalters bedeutete auch das Ende der Vorherrschaft der Kloster- und Kirchenbibliotheken. Und durch die Säkularisierungswellen im Zuge der Französischen Revolution gingen die meisten Klosterbibliotheken in staatliche Hände über. "Fast alle modernen Handschriftensammlungen staatlicher Bibliothek verdanken ihren Grundstock oder bedeutende Teile aufgehobenen Klosterbibliotheken." Bestes Beispiel dafür sei die Provinzialbibliothek in Amberg. Ihre Bestände gewährleisten gegenwärtig die aktuelle und bedarfsgerechte Literatur- und Informationsversorgung der Bevölkerung für Zwecke der Forschung, des Studiums und der persönlichen und beruflichen Bildung. Den Kern des Alt-Bestandes bilden noch heute die etwa 35 000 Bände klösterlicher Provenienz.

Die Leiterin, Siglinde Kurz, weist darauf hin, dass mehrere hundert Jahre lang Bibliotheken Sammelpunkt der Erkenntnisse ihrer Zeit waren. Voller Begeisterung für die Provinzialbibliothek äußert sich Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny. Im barocken Bibliothekssaal verspüre er immer den Dreiklang "lesen - schreiben - lernen".
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