Chorgemeinschaft trifft Streichorchester
Gruß aus fast vergessener Zeit

"Das Hohe Lied Salomons" ließen die Chorgemeinschaft und das Streichorchester Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg erklingen. Der Altarraum der Dreifaltigkeitskirche war ein würdiger Rahmen. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
25.06.2016
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Was ist Liebe? Wie äußert sie sich? Diesen Fragen ging die Amberger Chorgemeinschaft mit dem Streichorchester der Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg nach. Im Zentrum des Konzerts in der Dreifaltigkeitskirche stand "Das Hohe Lied Salomos".

Amberg. (cog) Zur Einstimmung spielte Ludwig Schmitt auf der Orgel Johann Sebastian Bachs herrliches "Praeludium und Fuge D-Dur". Damit war das doch recht große Publikum auf Orlando di Lassos "Veni dilecte me" vorbereitet. Die rund 40 Akteure der Chorgemeinschaft hatten sich ganz vorn in der Kirche an den Wänden des Altarraums aufgestellt, so dass die Männer in der Mitte standen und die Frauen an den Seiten. Dadurch konnte Dirigent Dieter Müller ausgleichen, dass die Männerstimmen deutlich weniger stark besetzt waren als die Frauen.

Das Klangbild war ausgewogen, durch die große Entfernung wirkten die Sänger gleichsam entrückt, und auch die folgende Komposition zum Hohen Lied von Tomás Luis de Victoria ("Quam pulchri sunt") klang wie ein Gruß aus lang vergangener Zeit. Näher gerückt wurden diese Stücke den Konzertbesuchern durch Adelheid Lang, die die lateinischen Texte auf Deutsch vorlas. Dabei legte sie Sehnsucht, Erotik und Liebesglück in ihre ausdrucksstarke dunkle Stimme.

Als Sängerin konnte man sie zusammen mit Sopranistin Manuela Spitzkopf in zwei Sätzen aus Heinrich Schütz' "Symphoniae Sacrae I" erleben. Von einem kleinen Instrumentalensemble begleitet, machten sie Liebessehnsucht und -freude hörbar. Höhepunkt des Konzerts war die Uraufführung von "Solomon's Song of Songs for mixed Choir, Stringorchestra and Percussion". Dieter Müller hat hier Texte aus dem Hohen Lied vertont. Eine A-cappella-Version wurde heuer im April uraufgeführt. Jetzt erlebte die um eine Instrumentalbegleitung erweiterte Fassung ihre erste Aufführung. Die Chorgemeinschaft stellte sich jetzt vor dem Volksaltar auf, davor waren das kleine Streichorchester und der Percussionist mit Vibraphon, Becken und Tamburin postiert. Der Komponist stand selbst am Pult und dirigierte.

In diesem vierteiligen Zyklus hat Müller die Poesie und Erotik des 2500 Jahre alten Textes in Musik für unsere Zeit gesetzt. Sehr komplexe Harmonien, ausgefeilte Dynamik und anspruchsvolle Rhythmen verlangten dem Chor alles ab. Müller führte die Sänger sorgsam durch den "Song". Unter seinem sehr genauen Dirigat erblühten das Werk in Präsenz und Klarheit, mit schöner Dynamik.

In "Song of the Flower" sang die Sopran-Solistin Jana Müller den Part der Rose. Ihre schöne Stimme schwebte über dem Chor, antwortete ihm oder suchte mit zärtlicher Klage nach dem Geliebten. Das war zauberhaft. Die Musik war sehr bildlich. In den Tönen spürte man gleichsam den Wind durch den Garten wehen und die blühenden Reben duften. Die Streicher malten die Blumen, Bäume und Balsamberge, während der Percussionist sehr zart mit dem Vibraphon die Taube gurren ließ. Der vierte Teil "Song of the Sunset" leuchtete von überströmendem Glück, versprach selige Erfüllung.

Beglückend, aber vergänglich ist die irdische Liebe zwischen Mann und Frau. Ewig ist nur die Liebe Gottes. Zum Abschluss sang deshalb die Chorgemeinschaft Johann Ernst Eberlins Kantate "Quae est ista", in der Maria, die Mutter Jesu, verherrlicht wird als Zeichen der immerwährenden göttlichen Liebe.

Das Publikum war beglückt, erfüllt von der herrlichen Musik und applaudierte kräftig und ausdauernd.
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