Christian Rudolf eröffnet Wildnisschule Oberpfalz
Vom Zeitsoldat, Förster und Berufsjäger zur Wildnisschule Oberpfalz

Kultur
Amberg in der Oberpfalz
04.07.2015
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Was die Natur für den Beruf bringt

Amberg/Rieden. (roa) Fallen stellen, Feuer machen, Bogen schießen - Christian Rudolfs (37) Seminare lesen sich wie ein Kapitel aus Karl May. Bevor der gebürtige Amberger heuer die Wildnisschule Oberpfalz eröffnete, arbeitete er als Revierleiter in einer privaten Forstverwaltung. Als Jäger war Rudolf vor dieser Zeit bei der Landesjägerschaft Niedersachsen tätig. Hier trieb er neben dem Lehrbetrieb vor allem Projekte im Bereich Naturschutz voran. Christian Rudolf besitzt den Jagd- und Fischereischein und wohnt mit seiner Frau und drei Kindern in Rieden.

Wie nennt sich Ihr Beruf eigentlich? Waldläufer-Lehrer?

Christian Rudolf: Ich bin Diplom-Ingenieur (FH) für Wald und Forstwirtschaft, landläufig als Förster bekannt, und Revierjäger. Was ich jetzt mache wird häufig als Wildnistraining oder Wildnispädagogik bezeichnet. Da ich nicht von der pädagogischen Schiene komme, weiß ich nicht, ob das für mich treffend ist. Ich glaube, dass bei den meisten Wildnispädagogen kaum echte Erfahrungen im Bereich Jagd, Fallenstellen und Fischfang vorhanden sind, wie zum Beispiel bei einem Berufsjäger, dessen täglich Brot das ist.

Woher kam die Idee zur Wildnisschule Oberpfalz?

Rudolf: Die Idee hat sich so nach und nach herauskristallisiert. Als Revierleiter bin ich etwa 40 000 Kilometer im Jahr gefahren. Mit den eigenen Kindern hat es mir Spaß gemacht, anderen Menschen etwas über die Natur beizubringen. Erst da habe ich auch gesehen, was ich alles kann und weiß - auch, was nicht.

Waren Sie schon immer ein Naturfreak?

Rudolf: Mein Onkel hat mir zum 11. Geburtstag das Buch "Die überlistete Wildnis - Vom Leben und Überleben in der freien Natur" von Hans-Otto Meissner geschenkt. Ab da habe ich mit Klettern und Fischen begonnen. Mit meinen Eltern war ich mit fünf Jahren beim Wandern und Bergsteigen. Mein Onkel hat mit mir, als ich acht war, die erste mehrtägige Tour unternommen, bei der ich meinen eigenen Rucksack tragen durfte. Das Buch hat mich motiviert, noch mehr zu lernen, zum Beispiel Reiten, Fische räuchern, Bogenschießen oder Fallenstellen.

Wann war Ihnen klar, dass das Hobby zum Beruf werden soll?

Rudolf: Nach dem Abitur bin ich als Zeitsoldat zur Bundeswehr, wo ich als Scharfschütze auch im Ausland war. Danach habe ich Forstwirtschaft studiert, das Staatsexamen gemacht und eine Revierjägerausbildung drangehängt. Mein ganzer Lebensweg war von Kindheit an davon bestimmt, Dinge zu lernen, die einem das Leben in der freien Natur ermöglichen. Mit der Wildnisschule schließt sich der Kreis dessen, was ich als Kind begonnen habe. Und ich kann jetzt auch andere Menschen für die Natur begeistern.

Was ist das Wichtigste, wenn man in der Wildnis überleben will?

Christian Rudolf: Das wichtigste sind eine offene Wahrnehmung, die entsprechenden handwerklichen Fähigkeiten und die Kenntnis der Gegend, in der man sich bewegt.

Das hört sich machbar an.

Christian Rudolf: Grundsätzlich geht es darum, die Grundbedürfnisse nach Wasser, Nahrung, Schutz und Wärme zu befriedigen. Dafür gibt es kein einheitliches Konzept. Das Thema Wasser ist hier kein Problem. Schwieriger ist es, an Nahrung zu kommen. Je weiter man in klimatische Extrembereiche kommt, desto höher wird der Anteil an tierischen Nahrungsmitteln. Man muss sich den Gegebenheiten anpassen. Genauso wie unsere Vorfahren das gemacht haben. Ich würde sagen, das Wichtigste ist Anpassung und Lebenswille.

Warum ist für Kinder der Bezug zur Natur so wichtig?

Rudolf: Kinder sind unsere Zukunft. Was sie lernen liegt in unserer Hand. Im Zuge der Weltklimadiskussion erscheint es mir sehr wichtig, dass mündige Bürger an diesem Prozess teilnehmen. Die Mündigkeit erlangt, wer sich von Kind an damit befasst. Im Berufsleben mag es wenig wichtig sein, eine Pflanze und ihre Verwendung zu kennen oder Feuer machen zu können. Was sehr wichtig ist: Dinge miteinander zu vernetzen oder Vernetzungen zu erkennen. Was wäre dazu besser geeignet, als die komplexen Vorgänge in unserer Natur?

Gab es für Sie draußen schon mal "brenzlige" Situationen?

Rudolf: Das war während der Gamsjagd im Gebirge. Wir waren bei Lawinenwarnstufe 4 unterwegs. Ich hatte zwei Gams erlegt. Um die beiden Stücke zu bergen hatten wir im Schnee gut eine Stunde zu gehen. An einem Lahner, das ist eine steile Gebirgsrinne oder Bergwiese, war einer der Jagdkollegen der Meinung, wir müssten diesen überqueren. Da ich wusste, dass dort der Schnee als erstes abgeht, drängte ich darauf, bis zur Anrisskante aufzusteigen und dann zu queren. Während wir noch diskutierten, ging vor meinen Füßen der Hang ins Tal ab. Tags darauf wurden Skitourengeher dort verschüttet.

Sucht man auch ein wenig nach Extremsituationen?

Rudolf: Es geht nicht darum, sich in schwierige Situationen zu bringen, sondern diese, soweit es geht, zu vermeiden.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.wildnisschule-oberpfalz.de
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