Der Amberger Jugendtheaterclub nahm sich des aktuellen Themas Migration an
Von Ureinwohnern und Zuwanderern

Der Amberger Jugendtheaterclub nahm sich des aktuellen Themas "Migration" an. Regisseur Winfried Steinl hat auch junge Flüchtlinge zum Mitspielen aufgefordert. Es meldeten sich mehr als letztlich gebraucht wurden. Bild: Petra Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
09.05.2016
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Heimat? Was ist das? Wo ist das? Fragen, die sich gerade heutzutage angesichts der wachsenden Anzahl von Vertriebenen, die bei uns im sicheren Europa Schutz suchen, aufdrängen. Der Amberger Jugendtheaterclub hat sich dieses Themas angenommen.

Der Regisseur des Clubs, Winfried Steinl, hat über die Caritas auch junge Flüchtlinge angesprochen, und über fünfzig von ihnen wollten auch gerne mitspielen. Leider konnten nicht alle in die Riege der aktiven Schauspielerinnen und Schauspieler aufgenommen werden. So standen letztendlich nur ein Ensemble von der größe zweier Fußballmannschaften auf der Bühne und näherte sich in dem Stück "Dadortdaheim" der Frage nach Heimat und Zugehörigkeit.

Vertreibung gehört anscheinend von Anfang an zur Geschichte der Menschheit. Dies machten die Mitglieder des Jugendtheaterclubs schon in der ersten Szene deutlich: Adam und Eva müssen nach ihrem ersten Ehekrach das Paradies verlassen und eine neue Bleibe, eine neue Heimat finden. Das ging damals noch relativ einfach vonstatten, war der Planet doch relativ dünn besiedelt - und es gab noch keine unüberwindlichen Grenzen.

Bomben und Gauner


Von dieser noch recht komödiantisch gespielten Szene führte ein heftiger Zeitsprung die Akteure und das Publikum in die ganz und gar nicht lustige Realität der Gegenwart. Verängstigte Menschen suchen Schutz vor Luftangriffen, gerissene Gauner nehmen ihren Opfern das letzte Geld für Schlepperdienste ab und auch in der neuen "Heimat" sind die "Refugees" nicht bei allen "Natives" besonders beliebt. Dabei sind viele der "Ureinwohner" doch selbst nur Nachkommen von "Einwanderern". Um dies aufzuzeigen, ließ Spielleiter Winfried Steinl seine Jungdarsteller nacheinander vortreten und kurz ihre eigene Familiengeschichte und Herkunft erzählen. Allzu viele "reinrassige Amberger" waren da nicht dabei und es entwickelte sich daraus ein wahrhaft babylonisches Sprachgewirr.

Flucht ist kein Spaß


So unterschiedlich die Sprachen und auch die Charaktere der Agierenden waren, so zeigten sie doch eine hervorragende Ensembleleistung. Ein wenig aufgeregt, aber mit viel Spielfreude und Talent ausgestattet, lieferten die jungen Damen und Herren ein Stück ab, in dem es durchaus Szenen voller Humor und Wärme gab, aber manchmal blieb dem Publikum das Lachen auch im Halse stecke - zu sarkastisch geriet mancher Kommentar, zu makaber die Szenerie.

Und doch konnte man sich leicht vorstellen, dass es vielen unserer Neubürger, die den beschwerlichen und gefährlichen Weg über den Balkan und das Mittelmeer auf sich genommen haben, um zu uns zu kommen, so ergangen ist. Es ist leider die traurige Wahrheit, dass viele der hilfesuchenden Menschen, schon in ihren ersten Tagen in Deutschland den blanken Hass von Neonazis und die in offene Aggression umgeschlagene Angst der sogenannten "Wutbürger" zu spüren bekommen.

Das Stück, das der Jugendtheaterclub in abgeschlossene Szenen eingeteilt hat, das aber doch stringent eine Geschichte erzählt, die leider schon alltäglich geworden ist, versucht beim Zuschauer Verständnis zu wecken für das Schicksal von Hunderttausenden, die eben keine so sichere Heimat mehr haben wie wir.

Eigene Texte


Dafür gebührt den Machern ebenso viel Lob und Anerkennung, wie für die Arbeit, die erforderlich ist, um ein abendfüllendes Drama mit eigenen Texten und Klassiker-Zitaten, mit bewegenden Monologen und ausgeklügelten Ensembleszenen auf die Bühne zu bringen. Und Applaus von den Zuschauerinnen und Zuschauern gab es reichlich dafür!
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