Der Moment im Mittelpunkt
Neuere Bilder von Richard Vogl in Amberg

Wieder ein Höhepunkt im Jahresprogramm der Amberger Stadtgalerie "Alte Feuerwache": Richard Vogl, im oberpfälzischen Furth geboren und in Bernhardswald bei Regensburg lebend, ist ein wichtiger Vertreter der bayerischen Kunstszene und ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Bild: otj

Von Jörg Otto

Amberg. Nach der Hommage an den 2005 verstorbenen Wolfgang Keuchl, Rolf Fütterers "alles OK" und der "bierigen" Ausstellung zum Jubiläum des Reinheitsgebots - die Stadtgalerie wartet wieder mit einem neuen kulturellen Höhepunkt auf: Werke von Richard Vogl. Er ist ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste - ein Qualitätssigel, das nicht vielen zuteilwird. Der Maler Richard Vogl trägt diese Auszeichnung völlig zu Recht. Den Beleg liefert er in seinen Ölbildern und Zeichnungen, die er für die Werkschau (noch bis 4. September) in der Städtischen Galerie "Alte Feuerwache", zur Verfügung gestellt hat.

Freies Schweben


Die Ausstellung wirkt auf den ersten Blick enorm homogen. Das liegt allerdings nicht in einer Festlegung Vogls auf einen unverrückbaren Stil begründet, sondern in der Tatsache, dass ausnahmslos Werke jüngeren Datums (2013-2016) in Amberg präsentiert werden. Ohnehin werden die Exponate trotz wiederkehrender Chiffren und wiedererkennbarer Farbspiele nie eintönig.

Eigen ist vielen seiner Arbeiten eine bewusstwerdende Leichtigkeit eingefangener Momente, Bewegungen, die scheinbar unmittelbar vor der Betrachtung eingefroren wurden. Ein Eindruck von Frische, der sich in der freundlichen Farbwahl fortsetzt. So verharren in vielen seiner Bilder meist gesichtslose Figuren in speziell für sie geschaffenen Szenarien. Ein Beispiel: In "Zu viert" ist nur ein schmaler Streifen Sandstrand zu sehen. Ein Streifen Meer - nur angedeutet. Darin vier Frauen, die dem Betrachter den Rücken zukehren. Das Individuum tritt zurück, der Moment steht im Mittelpunkt. Die Szene spielt nicht vor einem bewusst gewählten Hintergrund, sondern ist eingefasst von großflächigem Weiß. Durch dieses Brechen mit der unmittelbaren Abbildung der Wirklichkeit schafft Vogl den Raum für ein freies Schweben seiner Figuren, für die Verzichtbarkeit naturgegebener, physikalischer Gesetze in der Kunst.

Auslandsaufenthalte


Richard Vogl, der 1952 in Furth im Wald geboren ist, absolviert von 1973 bis 1980 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München und wird dort Meisterschüler bei Rudi Tröger. 1984 bekommt er den Staatlichen Förderpreis für Malerei des Freistaates Bayern.

Es folgen Stipendien und Auslandsaufenthalte im finnischen Lahti und New York. 1988 wird Vogl der Kulturförderpreis Ostbayern verliehen. 1991 stößt er zur Münchener Künstlervereinigung "Neue Gruppe".

Sieben Jahre später erhält Vogl ein Kunststipendium der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2005 ein Arbeitsstipendium im irischen Tyrone-Guthrie-Centre. Seit 2011 ist er Artist in Residence im schottischen Arbroath. 2013 erhält er den Kulturpreis des Landkreises Regensburg. Heute arbeitet Vogl in Bernhardswald und München.
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