Die Bibliothek in der digitalen Welt
Der ewige Wissensspeicher

Dr. Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, war Gast in der Provinzialbibliothek. Heute stehe man erst am Beginn "einer faszinierenden Zukunftsmusik für digitale Möglichkeiten", sagte er unter anderem. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
01.10.2016
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Wohin geht die Reise der Bibliotheken in der heutigen Zeit? Dr. Klaus Ceynowa sagt: "Es gibt kein Zurück in die gute alte Welt."

Von Marielouise Scharf

Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek betonte dies am Ende seines gut besuchten Vortrags in der Provinzialbibliothek. Zuvor waren wichtige Fragen zu klären gewesen: Welche Möglichkeiten tun sich durch die Digitalisierung auf? Und auf welche Gefahren sollte man tunlichst achten?

Pointiert rückte der Experte dem Thema "Gedruckt? Digital? Egal! - Die Bibliothek in der digitalen Welt" zu Leibe. Seine Erfahrungen aus der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) gab er temperamentvoll und engagiert preis: Die Aufgaben würden sich wandeln, die Informationen im Netz seien unglaublich vielfältig und sollten unbedingt genutzt werden. Allerdings sei der "Giftschrank des Internetzeitalters" nicht zu unterschätzen, mahnte Ceynowa. Man müsse aufhören "in Gegensätzen zu denken", wie offline/online, analog/digital oder gedruckt/elektronisch. Heute gehe es vielmehr darum, Wissensinhalte gleich welchen Formats bestens aufgearbeitet im Internet anzubieten. Bei der BSB lege man den Fokus auf die Digitalisierung des schriftlichen Kulturerbes, um es für die Zukunft zu erhalten.

Die Botschaft laute: "Content in Context - keine Bibliothek ohne Kontext", wobei mit Kontext mobile Apps, 3D-Scanning, Bildähnlichkeitssuche, digitale Kunsttechnologien und manches mehr gemeint seien. Mit einigem Stolz führte der Generaldirektor an, dass die BSB "eine der größten Forschungs-Bibliotheken Europas" sei, zudem der "größte Fernleihgeber Deutschlands mit den größten digitalen Datenbeständen unter allen Kultureinrichtungen" und noch dazu "die größte Scannerflotte aller deutschen Kultureinrichtungen" vorweisen könne.

Nach wie vor habe die Bibliothek die Aufgaben als Informationsinfrastruktur, Kultureinrichtung und Gedächtnisinstitution zu leisten und aus den Beständen neue Dienste zu kreieren, in einer Verzahnung von virtueller und realer Welt, betonte Ceynowa.

Die BSB habe 1,2 Millionen Werke digitalisiert, davon eine Million in Partnerschaft mit Google. 2400 vollständige Downloads eines Werkes pro Tag von den Servern der Bayerischen Staatsbibliothek sprächen eine eindeutige Erfolgssprache.

Heute stehe man erst am Beginn "einer faszinierenden Zukunftsmusik für digitale Möglichkeiten", so Ceynowas Fazit. Doch eines würden Bibliotheken immer bleiben: ein Wissensspeicher und eine Einrichtung, die Wissen im Netz bereitstellt.

Eine Bibliothek von WeltrangIn ihrer Begrüßungsrede stellte die Leiterin der Provinzialbibliothek Amberg, Siglinde Kurz, die Bayerische Staatsbibliothek als eine "Forschungs- und Universalbibliothek von Weltrang" vor. Das zeige unter anderem ihre Rolle bei Google Books.

Zurzeit zähle die BSB zu den 30 Bibliotheken weltweit, die ihre urheberrechtsfreien Bestände von Google digitalisieren lassen. Damit könnten mehr als eine Million Werke weltweit online und kostenfrei abgerufen werden.

In diesem Fahrwasser sei es auch der Provinzialbibliothek möglich, "mit ausgewählten Stücken digital sichtbar zu werden". So habe man die Totenrotelsammlung aus dem Kloster Ensdorf digitalisiert und über die BSB im Netz präsentiert.

Demnächst sei geplant, eine Auswahl von mittelalterlichen und neuzeitlichen Handschriften aus Oberpfälzer Klöstern zu digitalisieren und mit Unterstützung der BSB im Internet via Bavarikon bereitzustellen. Bavarikon ist das Portal zur Kunst, Kultur und Landeskunde Bayerns, das von der BSB redaktionell und technisch betreut wird.

In seinem Grußwort titulierte OB Michael Cerny die Provinzialbibliothek mit ihrem wundervollen Barocksaal als "Herzstück unserer Stadt". Sie versorge die Bürger aktuell und bedarfsgerecht mit Literatur und Information für Zwecke der Forschung, des Studiums und der persönlichen und beruflichen Bildung. Svenja und Eva Drescher umrahmten den Abend sehr stimmungsvoll mit entspanntem Pop-Gesang mit Klavierbegleitung. (msc)
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